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Reisen mit Kindern: was am Ende bleibt!

In den ersten beiden Lebensjahren reiste unsere große Tochter mehr als viele andere Menschen in ihrem Leben. Sie war erfahren und eine entspannte Reisebegleitung. Wir entdeckten zusammen einige Länder und Städte und sammelten Erinnerungen. Halt, taten wir das? Unser Umfeld war skeptisch und begegneten unserer Reiselust oft mit der Frage:

Warum macht ihr das? Sie erinnert sich sowieso nicht daran.

Das stimmt.

Irgendwie hatten die Fragenden Recht. Sie wird sich nicht daran erinnern, im Buggy vor dem Big Ben geschlafen zu haben oder auf meinem Arm am Strand von St. Tropez gelaufen zu sein. Auch der Spielplatz am Eifelturm ist sicher schon von ihrer Festplatte gelöscht und ganz vielleicht erinnert sie sich ans Dessertbuffet unseres Hotels in Abu Dhabi. Oder doch nur an Uromas Schokopudding im Garten am See?

Mit dem zweiten machten wir Pause

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Mit Geburt der Kleinen pausierten wir in unseren Fernreisen. Das mag an ihrer Babyzeit liegen, an meinem Gedankenkarussell und einigen anderen Gründen, die uns im Reisen bremsten. Doch 2018 ist unser Reisejahr als Familie. Spanien, mit dem Camper durch den Sommer und vieles mehr. Und wieder kommen da Stimmen, die fragen:

Warum macht ihr das, sie erinnern sich sowieso nicht daran.

Das stimmt.

Sie erinnern sich nicht mehr an das wilde Schaukeln vor der Sagrada Familia in Barcelona, an die Nächte im Camper in Frankreich und an die warme Sonne am Strand der Costa Brava. Die Große hat die liebe Winzerin in Italien, die stets Schokolade dabei hatte oder die Musiker in London längst vergessen.

Das was bleibt: Sind es die Erinnerungen?

Aber würden sie sich erinnern, wenn all das in Berlin gewesen wäre? Kennen sie noch den typischen Straßenmusiker an der Eastside Gallary? Ich bezweifle es. Woran sie sich aber vielleicht erinnern, ist das Glück. Tief in ihrem Herzen ohne Bild und Ton, aber mit viel Gefühl. Das, was sie spürten, als die Wellen ihre Füße trafen. Das, was wir spürten, wenn wir in ihre lachenden Gesichter schauten. Und das, was sie anderen durch ihre unbeschwerte Art schenkten. Das ist die emotionale Seite daran.

Und die Rationale? Gibt es die, außer die um Kosten, Aufwand und messbaren Nutzen? Ja! Sie lernen schon von Klein an, dass die Welt viele Gesichter hat. Jedes Land ist anders bunt. In jedem Land sehen die Menschen anders aus und sie essen irgendwie auch andere Dinge. Sie merken, dass nicht alles gleich ist, weder Menschen, Essen noch Bräuche.

Aber sie wissen: Mit Mama und Papa ist es sicher. Wir bereisen mit ihnen die Welt und geben ihnen das Vertrauen, mit uns zusammen eben diese zu entdecken. Denn es ist eine Herausforderung, das Neue zu bestaunen und den Mut aufzubringen, sich in größere Wellen zu werfen als in der heimischen Plansche. Vielleicht erinnern sie sich nicht mehr an die Wellen, aber an den Mut, den sie hatten. Vielleicht bleibt dieser Mut ein bisschen hängen und macht sie so stärker für den Alltag. Den hier zu Hause, denn auch daran erinnern sie sich erst ab einem gewissen Punkt.

Details geraten in Vergessenheit, Gefühle nicht

Doch sind wir mal ehrlich: Erinnert ihr euch an jedes Detail eurer Urlaube? Selbst ich vergesse vieles aus Urlauben und Reisen. Doch erhasche ich einen Geruch, einen Lichtstrahl oder eine Farbkombination, lösen diese eigentlich unscheinbaren Dinge die Erinnerungen in mir aus, die wichtig sind. Denn es sind selten konkrete Momente, sondern eben diese Gefühle. Das Gefühl der Leichtigkeit, des Muts und des Vertrauens.

Reisen bildet nicht nur auf akademische Weise, es bildet uns und unseren Charakter. Es fördert Facetten, die es vielleicht im Kiez daheim nicht so oder anders an die Oberfläche geschafft hätten. Die Abenteuerlust, im Großen wie im Kleinen. Die Vorsicht. Die Neugier. Die Vielfalt!

Reisen als Eltern: Anders. Sehr!

Reisen mit Kleinkind

Unsere meisten Souvenirs: Steine aus allen Ländern

 

Doch auch für uns Eltern ist es anders, dieses Reisen mit Kindern. Ja, wir liegen nicht mehr auf Liegen am Strand, wir essen nicht mehr in ruhiger Zweisamkeit Drei-Gänge-Menus, trinken Cocktails über den Dächern Bankgoks und wandern durch die steilen Schluchten Taiwans.

Wir rennen, toben und springen in Wellen, egal ob Ostsee oder Mittelmeer. Wir essen mehr Eis als alleine und wir machen mehr Pausen. Wir jagen einem Grashüpfer durch die Straßen Barcelonas hinterher und sammeln an allen erdenklichen Orten auf der Welt Steine. Denn ja: Auch Steine sehen überall anders aus. Das Eis schmeckt anders und die Pizza sowieso. An manchen Orten auf der Welt klauen die Möwen einem den Apfel und an anderen sieht man sie nur hoch oben über dem Hafen schweben. Auch wir haben ein Mehr durch das Reisen mit Kindern, denn wir entdecken mehr, sehen mehr Facetten, spielen mehr und lassen die Seele ein bisschen mehr baumeln. Nur eben anders.

Und wenn jemand fragt, warum ich am liebsten mit unseren Kindern auf Weltreise gehen möchte, der ahnt nun warum.

DARUM!

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6 Comments

  • Reply
    Alex
    13. Juli 2018 at 13:38

    Hey,
    ich finde es toll, das ihr so gerne reist und das mit den Kids auch bestmöglich umsetzt.
    Und ich muss sagen man unterschätzt es deutlich woran sich Kinder erinnern können. Unser Großer (fast7) äußert inzwischen sehr konkret wohin er gerne nochmal reisen möchte und geht da bis ca zu seinem 3. Geburtstag zurück. Er spricht von details: Mama dahin wo der Boden so bunt war (wir hatten die teppichfliesen von zu Hause mitgenommen). Er erinnert sich an Details und es ist nicht immer einfach den Urlaubsort zuzuordnen. Wir haben in all den Jahren sehr ähnlich Ziele gewählt (Nord und Ostsee, vor allem Dänemark) und wiederholten die Ziele. Wir kosten die Ziele gerne intensiv aus und genießen vor Ort ein heimatgefühl, den Kindern erleichterte es das einleben vor Ort.
    Dieses Jahr begeben wir uns auf das Abenteuer völlig neue Ziele auszuprobieren (die Berge) und wir sind sehr gespannt was hängen bleibt und woran wir uns anschließend gerne erinnern werden.
    Lg aus Berlin

    • Reply
      familieberlin
      13. Juli 2018 at 14:31

      Das klingt spannend. Und die Berge sehen wir dieses Jahr auch erstmals von Nahem. Hach, das wird aufregend. :)

  • Reply
    Angelika
    14. Juli 2018 at 13:09

    In St. Gallen erst die Klosterbibliothek anschauen & dann hoch auf den Berg und in den 3 Weihern baden gehen. Natürlich gestärkt durch eine Olma-Bratwurst (… die ißt man ohne Senf;) ). Grüße an meine damals-Heimat!

    • Reply
      familieberlin
      15. Juli 2018 at 21:46

      Oh danke, das klingt gut. Ich glaube, St. Gallen steht auf der Liste. :)

  • Reply
    Angelika
    14. Juli 2018 at 13:09

    In St. Gallen erst die Klosterbibliothek anschauen & dann hoch auf den Berg und in den 3 Weihern baden gehen. Natürlich gestärkt durch eine Olma-Bratwurst (… die ißt man ohne Senf;) ). Grüße an meine damals-Heimat!

  • Reply
    Unbeschwerte Urlaube als Kind: Erinnerungen an Kärnten
    18. Juli 2018 at 19:03

    […] können.  Aber darum geht es auch nicht unbedingt. Es geht tatsächlich viel mehr um das, was Bella in einem aktuellen Artikel, den ich Euch an dieser Stelle sehr ans Herz lege, so wunderbar in Worte gefasst […]

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