Gedanken Kleinkind

Gemeinsam wachsen: Kinder und unsere Grenzen

Kinder. Glaubt man der Werbung für all die praktischen Produkte rund ums Kinderhaben, sind sie zuckersüß und immer gut drauf. Glaubt man einigen Müttern im Internet, die es sich zur Nische gemacht haben, über Mutterschaft und Kinder herzuziehen, dann sind sie kleine berechnende Monster, die einen in den Wahnsinn treiben wollen.

Kinder, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen – wie so oft. Es ist nicht immer rosig, es ist aber genauso wenig berechnend böse oder stets dunkel. Was aber allen Darstellungen gerecht wird: Es ist stets eine Herausforderung, ob für die Kinder oder für uns selbst.

Wenn zu viele Bedürfnisse zusammen prallen

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Seit diesem Wochenende weiß ich, wie meine eigenen Grenzen aussehen, denn ich stand nahezu 24/7 vor ihnen. Ich weiß nun, dass es diese Wackelzahnpubertät wirklich gibt und ich weiß, dass ich kein besseres Wort dafür finde. Denn ich war mit meiner wütenden, weinenden und tobenden Fünfjährigen beschäftigt, die so sehr auf sich bezogen war, dass es schon wehtat.

Ich weiß nun auch, dass der Begriff „Terrible Two“ seine Berechtigung hat. Und auch hier fehlt mir aus Zeit- und Ressourcenmangel ein passendes Wort, denn meine Zweijährige ist gerade so in ihren für sie unbekannten Gefühlen gefangen, dass ich am liebsten ein Sondereinsatzkommando reinschicken will… In die Zweijährige. Sie würden die bösen Dämonen wie Wut und Hilflosigkeit rausscheuchen, gefolgt von einer Putz- und Aufräumaktion, bei der alle Gefühle in fein beschriftete Schubkästen gelegt werden. Kommt Gefühl A, weiß das Kind wo es zu finden ist und wie man damit umgeht. Ha!

An meine Grenzen getrieben

So einfach ist es aber leider nicht. Nichts für die Kinder und damit auch nicht für uns Eltern. Wie sagte schon Christopher End in einem meiner ersten Podcasts:

Unsere eigenen Kinder bringen uns an Punkte, an die sich andere nie wagen würden.

Christopher End

Diese Punkte – genau da stehe ich nun. Oder wie ich sie nenne: Vor meinen eigenen Grenzen, hoch wie Türme, dick wie Mauern. Nun könnte man meinen, diese sind da, um sie zu überwinden. Doch faktisch habe ich sie mir in weit über 30 Jahren selbst aufgebaut und gesetzt. Durch meine Erziehung, meine Kindheit, meine Entwicklung im Leben und meine heutigen Glaubenssätze. In dieser Zeit und mit all diesen Bausteinen könnte man meinen, sie sind unerschütterlich. Und dann kommen eine Fünf- und eine Zweijährige und rütteln so stark daran, dass ich alles in Frage stelle? Offensichtlich. Meine Grenzen bekommen Risse.

Welcher Umgang mit meinen Kindern ist richtig?
Was möchte ich Ihnen mitgeben?
Wie kann ich ihnen helfen?
Wie kann ich mich dabei nicht vergessen?

Eine kalte Dusche für die Kinder, wäre das nicht doch vertretbar?
Was möchte ich niemals tun?
Gibt es ein Richtig, gibt es ein Falsch?

Am Ende lerne ich am meisten

Ich bin immer wieder überrascht, welches Verhalten und welche Gedanken meine Kinder in mir auslösen können. Es überrascht mich, denn eigentlich müsste ich es als Erwachsene doch besser wissen, oder nicht? Und dennoch stehen meine Reaktionen an Impulsivität denen meiner Kinder in nichts nach. Dann bin ich nicht besser als diese kleinen Wesen, die es defintiv nicht besser wissen und steuern können als wir. Ihre Eltern.

Doch das habe ich nun gelernt: Ich müsste es zwar besser wissen, tue es aber nicht immer. Was ich aber besser mache, in all der Überforderung und zwischen lauten oder gar brüllenden Kindern: Ich habe meine Impulse unter Kontrolle. Und genau da sehe ich meine Stärke und Aufgabe als Erwachsene gegenüber den Kindern. Ich sehe meine Grenzen und rase nicht mit vollem Karacho mittenrein. Ich denke vielleicht, dass ich die Kinder gern kalt abduschen würde, tue es aber nicht. Klar würde ein Klaps hier oder da das Szenario verkürzen und vielleicht sogar für immer beenden. Aber ist es das Richtige? Nein. Und so haben meine Grenzen doch etwas Gutes, denn meine Kinder und ich, wir können sie nur gemeinsam überwinden. Indem wir gemeinsam voneinander lernen. Die eine brüllend auf dem Gehweg, die andere ruhig abwartend daneben.

Kinder, zusammen haben wir die Wahl, über die Mauern zu klettern und sie neu aufzubauen. Mit glitzernden Steinen und ja, auch mit ein paar düsteren. Doch wir haben sie gemeinsam neu geschaffen und am Ende stehe ich nicht mehr allein vor ihnen, sondern mit meinen Töchtern. Hand in Hand.

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5 Comments

  • Reply
    Inga
    16. April 2019 at 18:26

    Danke für diesen Artikel und ich fühle mit dir. Gesendet aus einem „Urlaub“, in dem ich gefühlt pausenlos Kinderbedürfnisse erfülle, Quengeleien ertrage, versuche, geduldig Streitereien zu schlichten, motzende Meuterei im Restaurant durchstehe, stundenlang Kinder ins Bett bringe, während meine Sehnsucht nach Ruhe und Entspannung wächst. Vielleicht stehe ich morgen früh einfach um 6 Uhr auf, um eine wache Stunde Ruhe zu haben. Niemand hat einen gesagt, wie sehr man gute Nerven braucht, wenn man Kinder hat.

    • Reply
      familieberlin
      17. April 2019 at 10:23

      Haha, das stimmt. Alle sprechen von wenig Schlaf. Aber von wenigen oder dünnen Nerven redet niemand. Urlaub habe ich mittlerweile komplett überdacht und entschärft, seitdem geht es. Komplett raus aus dem Alltag, rausgehen, kein Haushalt… aber auch das klappt nicht immer. Ich drücke dir die Daumen.

  • Reply
    Katha
    16. April 2019 at 21:44

    Danke für deine Worte. Das fasst so gut zusammen wie es aussieht in mir als Elternteil und wie es eben ist manchmal mit Kindern.

  • Reply
    Julia Oderso
    17. April 2019 at 19:09

    Es tut immer wieder gut, wenn man hört, dass man mit seinen Gefühlen nicht so allein ist wie man in den schwierigen Momenten denkt.
    Und so ein Aufräumkomando für die Gefühlswelt wäre hier auch sehr hilfreich ;)

  • Reply
    Sabrina Barbara
    17. April 2019 at 20:45

    Liebe Bella, genau dort bin ich gerade seit gefühlt einem Jahr, meine 2 wilden sind 3 und 5 und ich möchte regelmäßig flüchten, weil ich nicht mehr weiter weiß. ich sag mir immer, es ist eine phase.hilft aber nur bedingt. zum glück sind wir aber in der läge zu reflektieren und selbst wenn mal alles schief läuft, haben wir im kopf, was besser laufen soll. kopf hoch, tu dir was gutes und manchmal hilft es einfach mal nichts zu sagen, nichts zu tun und einfach mal rauszugehen. oder ins bad. und schon werden die kinder etwas aufhorchen. bei uns zumindest. drück dich aus der ferne.

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