Kindergarten

Erzieher im Kindergarten: Wenn Dankbarkeit nicht reicht

Schenkt ihr den ErzieherInnen in eurem Kindergarten eine Kleinigkeit zu Weihnachten? Wir ja. So auch im letzten Jahr. Oft ist es nicht viel, etwas Gebasteltes, ein Gutschein oder etwas Leckeres, meist legen wir Eltern zusammen. Es geht weniger um den monetären Wert, es geht ums Dankeschön. Doch das sehen anscheinend nicht alle so, die ErzieherInnen selbst zum Beispiel. Denn als sich eine der Lieblingserzieherinnen der Kleinen bei mir bedankte und meinte, es sei doch nicht nötig, meinte ich:

Doch, es ist nötig. Sie haben unserer Tochter in Zeiten vieler Wechsel und ständigem Personalmangel immer Sicherheit gegeben und waren für sie da.

Wisst ihr, was sie darauf antwortete?

Das ist doch mein Job, dafür bedankt man sich doch nicht. Oder?

Ich hatte zwischen quengelnden Kindern und dicken Wintersachen wenig Raum, adäquat darauf zu antworten. Das möchte ich nun nachholen:

Was Erzieherinnen und Erzieher leisten

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Dank dir werden meine Kinder jeden Tag ein bisschen mutiger.

Ich geben dir täglich mein Kostbarstes: Meine Kinder. Jeden Tag gebe ich sie für einige Stunden in deine Obhut und an schlechten Tagen siehst du sie länger als ich. Während ich arbeiten gehen muss und meinen Job mache, machst du deinen: Auf meine Kinder aufpassen. Doch halt, passt du nur auf sie auf? Parke ich meine Kinder bei dir bis zu meinem und deinem Feierabend?

Betreuung bedarf Vertrauen

Nein. Ich geben meine Kinder in deine Arme. Du wärmst sie mit deinem Lachen und deinen Liedern. Du tragst und tröstet sie, wenn es ihnen nicht gut geht, weil ich es in diesem Moment nicht kann. Ich machen meinen Job, aber machst du nur deinen? Ich glaube nicht. Denn um mich vollends auf meine Aufgaben konzentrieren zu können, bedarf es Vertrauen – in dich. Darin, dass sich meine Kinder bei dir wohlfühlen und willkommen sind. Das fängt mit dem morgendlichen „Schön, dass du da bist“ an und endet mit der warmen Umarmung beim Abholen.

Dasein, wenn ich es nicht kann

Im Zweifel bist du es sogar, die einige erste Male meiner Kinder erlebt. Du versuchst, zwischen 12 bis 16 aufgedrehten Kindern die ersten Schritte der Kleinsten und die ersten Schreibübungen der Großen zu begleiten. Ich kann mir nicht annähernd vorstellen, wie anstrengend das ist, so viele Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Ich verzweifle manchmal schon an meinen eigenen beiden Kindern und du hast sechs bis achtmal so viele davon, doch keines ist dein eigenes. Du vermittelst, schlichtest, stiftest an und inspirierst. Du setzt Impulse, legst Grundsteine und lässt Ideen wachsen, von denen mir die Kinder am Abend mit leuchtenden Augen erzählen.

Woher kommt deine gute Laune?

All das machst du jeden Tag – egal ob du gute oder schlechte Laune hast. Was machst du, wenn du mal schlecht geschlafen hast? Ich merke dann schnell, wie kurz meine Zündschnur ist und wie schnell mein Kopf dröhnt. Was machst du bei dir „fremden“ Kindern? Während ich dann in meinem Job etwas ruhiger oder anders machen kann, kannst du das nicht. Es ist immer voll, laut und trubelig. Und wenn ich sehe, wie viele von deinen KollegInnen krank sind, leistest du an vielen Tagen sogar das Doppelte. Dabei entspricht dein Lohn nicht annähernd der Verantwortung, die du täglich übernimmst.

Wenn DANKE nicht reicht

Bisher habe ich dich noch nie darüber klagen hören, wie schlimm die Kinder sind. Denn ohne sie wäre dein Job nicht dein Job. Es stimmt, ein Gutschein, was Gebasteltes oder was Gebackenes sind nicht nötig, um sich für eure Leistung zu bedanken, denn er drückt nicht annähernd aus, was du täglich für mich und meine Kinder tust. Ihr verdient einen Orden, täglich Blumen oder eine Wagenladung von allem Guten und noch viel mehr. Denn jeden Tag, wenn ich meine Mädels mit einem Lächeln abhole und du sie umarmst und „Bis morgen“ sagst, weiß ich:

Du machst mehr als einen Job. Denn wie gesagt: Ich gebe dir mein Kostbarstes.

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7 Comments

  • Reply
    Kathrin
    23. Januar 2019 at 18:10

    Bella ich bin absolut und ganz bei dir! !!

  • Reply
    Nina
    24. Januar 2019 at 09:27

    Wundervolle Worte! Und so wahr! Ich bewundere unsere Erzieherin auch immer, wie liebevoll sie mit allen Kindern umgeht.
    Und kann nicht nachvollziehen, dass manche Eltern erbost sind, wenn sie mal Urlaub macht. (auch wenn an dem Tag durch Krankheit der anderen, dann keine Betreuung stattfinden konnte). Sie hat es verdient auch mal durchzuatmen…

  • Reply
    Monika Schmidt
    27. Januar 2019 at 20:05

    Ich bin Erzieherin und für mich ist mein Beruf Berufung. Als Mama von 4 Kindern und stolze Oma. Es gibt für mich nichts schöneres als mit Kindern zu arbeiten. Das Dankeschön der Eltern tut gut. Viele sehen nicht was wir den ganzen Tag leisten. Deshalb freue ich mich immer über ein Dankeschön. LG Moni

  • Reply
    Stephanie
    8. Februar 2019 at 10:58

    Ich finde es auch großartig, was die Erzieherinnen leisten. Bei uns bekommen sie eine Kleinigkeit zu Weihnachten und zum Geburtstag, aber selbst dieser kleine Beitrag ist einigen Eltern anscheinend zu viel. In unserer Kita herrscht gerade ein ziemlicher Personalnotstand, durch Schwangerschaften, die Situation am Markt und aktuell eben auch noch Krankheiten. Die Leitung versucht alles um den „Betrieb“ aufrecht zu erhalten und Betreuungsausfälle möglichst in Zeiten zu legen, in denen es nicht so gravierend ist. Und was passiert? Es wird trotzdem gemeckert und gemotzt. Dabei ist es kein Problem der Kita, sondern der Politik, die sich Gedanken darum machen müsste, wie sie Leute motiviert diesen Beruf ausübern zu wollen und nicht nur mehr Kitas zu bauen, für die es dann aber wieder keine Leute gibt. Von daher versuche ich unseren Erzieherinnen soviel Wertschätzung wie möglich entgegen zu bringen, da ich ihnen eben mein Wertvollstes anvertraue.

  • Reply
    Neu und bemerkenswert im Februar | tastesheriff
    12. Februar 2019 at 17:16

    […] Erzieher im Kindergarten: Wenn Dankbarkeit nicht reicht […]

  • Reply
    Richard & Hugo
    15. Februar 2019 at 11:43

    Ich bin da absolut Deiner Meinung & toll, dass ich euch zusammentut um Anerkennung & Danke zu zeigen. In meinen Augen passiert dies viel zu selten.
    LG, Richard & Hugo (auf der verzweifelten Such überhaupt einen Krippenplatz im Sommer zu bekommen) vom https://www.vatersohn.blog/

    • Reply
      familieberlin
      15. Februar 2019 at 13:25

      Du hast Recht, es ist eben nicht selbst verständlich und das ist so schade. :(

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