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Schau mir in die Augen Kleines: Wenn Babys Blickkontakt meiden

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Es gibt viele erste Male mit Kindern. Das erste Lächeln, das erste Wort, die ersten Schritte. All das macht, in der Regel, jedes Kind und dennoch ist es mit jedem Kind das erste Mal und damit einzigartig. Während miniberlin mich nach einer echt miesen Nacht erstmals anlächelte, lachte babyberlin verschmitzt nach dem Stillen als würde sie sich bedanken. Doch es gibt erste Male, die bleiben nur einem Kind vorbehalten, denn manche Dinge machen Babys einfach nicht. Das eine robbt los, das andere krabbelt sofort und überspringt die militärisch wirkende Fortbewegung. Viele essen Brei, mein Baby will lieber gleich Stulle.

Wenn Babys Blickkontakt meiden

Es gibt so viele Dinge, die ein Kind einzigartig machen. Und doch erlebe ich gerade etwas mit dem Baby, was ich bei der Großen schmerzlich vermisste: Das Baby schaut mir in die Augen. Nun denken einige von euch vielleicht: Babys schauen die Mama immer an. Ja, das mag stimmen, aber nicht komplett. Meine Große schaute mir als Baby niemals in die Augen. Sie schaute meinen Hals an, sie lächelte meine Haare an und sie flirtete vielleicht etwas mit dem Punkt hinter mir an der Wand. In die Augen schaute sie mir nie.

Die ersten drei Monate dachte ich mir nichts dabei, denn ich merkte es nicht wirklich. Zudem war ich „Anfänger“, ich habe nicht gewusst, dass es anders sein kann. Doch die Kinderärztin bemerkte bei einer Untersuchung, dass mein Baby mich nicht anschaut, obwohl ich doch die Bezugsperson Nummer Eins sein sollte. Mit dieser Feststellung diagnostizierte sie eine Wahrnehmungsstörung und schickte uns zur Ergotherapie. Mein Mutterherz war verwirrt. Mein Baby sieht mich nicht? Ist es ihr denn egal, wer sie stillt, sie trägt und sie liebt?  Zu diesen Gedanken kamen Sorgen. Was ist eine Wahrnehmungsstörung? Was bedeutet das für uns? Eines sage ich euch gleich: googelt es nicht! Denn dann kommen zu diesem abstrakten Wort auch Begriffe wie Autismus, Asperger Syndrom und Behinderung. Das macht Angst, wenn man sein Baby sieht, was fröhlich vor sich hin gluckst und versucht, seine Füße zu entdecken. Passen diese Begriffe zusammen?

Ist mein Kind hochsensibel?

Die Ergotherapeutin beruhigte mich nach der ersten Sitzung. Mein Baby zeigt keinerlei Anzeichen für sie oben genannten Dinge, aber aus meiner Erzählung würde sie auf eines schließen: mein Baby ist sehr sensibel. Sie würde (noch) nicht hochsensibel sagen, aber sie möchte es nicht ausschließen. Seit diesem Gespräch betrachte ich meine kleine Große mit anderen Augen. Denn etwas, was ich schon kurz nach der Geburt ahnte, bekam einen Begriff: Hochsensibel. Das ist es also, wenn sie beim kleinsten unvorhergesehenem Geräusch erschrickt und weint? Vielleicht. Ich habe diesem Begriff damals kurz Raum gegeben, doch seitdem nicht mehr viel hinterfragt. Er ist in meinem Kopf und wenn ich wollte, könnte ich sagen: miniberlin ist hochsensibel.

Das Baby schaut weg

Doch es sind weniger ihrer Züge, die mir nachhängen, ihre ruhige Art und ihre Verletzlichkeit. Ich trauere der Zeit nach, in der sie mich nicht anschaute. Der Zeit, in der sie meinem Blick auswich und das auch noch heute oft tut. Dieser Blickkontakt zwischen Mama und Baby beim Stillen, von dem ich immer las, den gab es bei uns nicht. Stattdessen freundete sich mein Baby damals mit der Wand hinter mir an. Nur wenn ich den Kopf von ihr wegbewegte und wir uns nicht so nah waren, dann schaute sie mich an. Laut Therapeutin regulierte sie so, wenn ihr etwas zu viel ist und naher Blickkontakt wühlt hochsensible Babys innerlich auf. Seitdem ich um diese Art von ihr wusste, schaute ich andere Mütter mit ihren Babys sehnsüchtig an. Wenn sie sich beim Stillen verliebt anschauten, spürte ich einen kleinen Stich. Tragende Mamas, die von ihren Babys angeschmachtet werden? Kannte ich nicht. Das machte etwas wehmütig.

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Mein Baby sucht meinen Blick.

Schau mir in die Augen Kleines!

Umso überraschter und glücklich bin ich über diese Innigkeit zwischen mir und babyberlin. Sie schaut mich an, egal wie nah wir uns sind. Ich habe den Eindruck, es kann ihr nicht nah genug sein. Oft nimmt sie meinen Kopf in ihre kleinen Hände und zieht mich zu sich. Sie fixiert mich mit ihren großen tiefblauen Augen und lacht. Sie lacht so sehr und beißt mir dann in die Nase. Aus den Augen lässt sie mich dabei nicht. Oft werde ich morgens wach, weil neben mir ein kleiner Mensch liegt und mich anschaut. Ganz innig. Zum ersten Mal erlebe ich, wie ein Baby mich aus dem Tragetuch anschaut. Sie dreht den Kopf nach oben, um mich zu sehen. Sie lacht dabei verschmitzt und kichert vor Freude, wenn ich meine Nasenspitze an ihre stupse. Sie sucht meinen Blick, egal wo ich bin. In diesen Momenten weiß ich, dass ich ihre Welt bin, um die sich alles dreht. Und auch wenn ich diese Momente nie mit meiner Großen hatte, so weiß ich trotzdem, dass ich auch damals ihre Welt war. Nur eben nicht so nah bitte!

Liebe Grüße
eure Bella

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6 Comments

  • Reply
    Sarah
    22. Februar 2017 at 14:51

    Toll ey, wieder Pipi in den Augen! Der letzte Absatz brennt sich so in mein Herz. Ich habe diese Blicke komplett vergessen. Also nicht komplett vergessen, aber es war schön eben nochmal dran erinnert zu werden, was da bald wieder auf mich wartet. ❤ Und doppelt so schön, dass du diese Augenblicke erleben kannst. Das ist pure Liebe und dickes verliebt sein, oder?

    Ich drück dich doll

    • Reply
      familieberlin
      22. Februar 2017 at 14:52

      Oh ja… so schön. Aber auch schmerzlich, weil ich es eben nicht mit der Großen hatte. Damals habe ich es nicht so gesehen, aber nun weiß ich, wie schön es ist.

  • Reply
    Friederike
    22. Februar 2017 at 22:42

    Liebe Bella, Deine Erfahrung mit Miniberlin kann ich ein wenig nachfühlen. Mein Kind hat mich als Baby auch nicht von Nahem angeschaut, ich war besorgt und habe in Richtung Autismus gedacht. Letztlich hat sich herausgestellt, dass es nur an der Sehfähigkeit lag: das Baby konnte mich auf die sehr nahe Entfernung einfach nicht gut genug erkennen. Ich finde, es ist eine große Verantwortung, als Eltern die richtige Mischung zwischen Gelassenheit auf der einen Seite und Wachsamkeit und Aufmerksamkeit zum Erkennen von (gesundheitlichen) Problemen auf der anderen Seite zu finden. Schön, dass dir das bei Deinen Kindern anscheinend gut gelingt!

  • Reply
    Sandra
    23. Februar 2017 at 20:07

    Liebe Bella,

    mit großem Interesse und voller Verständis habe ich Deine Zeilen gelesen. Zwar schaut mir mein einjähriger Sohn in die Augen, aber eine andere Form von Verbindung fehlt: er benötigt keine Nähe. Er kuschelt nicht, er schlingt seine Arme nicht um meinen Hals, er will nicht mit mir in einem Bett schlafen, sondern zieht es vor, allein in seinem Zimmer zu übernachten etc. Das ist ganz objektiv betrachtet eher ungewöhnlich. Aber vor allem emotional leide ich manchmal still – wenn ich sehe, wie sehr andere Kinder an ihren Müttern hängen und wenn er mich mal wieder von sich wegschiebt.

    Woran das alles liegt? Ich habe keine Ahnung, denn grundsätzlich würde ich unsere Bindung als sehr gut einschätzen. Er braucht es wohl einfach nicht.

    letztlich landen wir am Ende doch immer bei der einen Wahrheit: Wir lieben uns Kind so wie es ist. An Deinen zwei großen Lieben weiterhin viel Freude – und so viele tiefe Blicke, wie eben möglich!

    Ich sende DIr herzliche Grüße aus Bremen
    Sandra

  • Reply
    Claudia
    24. Februar 2017 at 08:11

    So ging es mir mit K3. K2 kam 13 Wochen zu früh und so sooo vieles hatten wir nicht miteinander. Ruhe, Familienbett, Stillen nach Bedarf … und jetzt mit K3 hatte ich das volle Programm und es war wunderschön, es war perfekt aber es war eben immer auch ein kleiner Stich des Bedauerns, so ein ziehen in den Augen, ein Knoten im Bauch, weil mir dadurch klar wurde, was ich … was dadurch auch K2 nicht mit mir hatte.

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