Schwangerschaft

Schwanger, nicht krank: Ein anderes Körpergefühl in der Schwangerschaft

„Was ist denn nur mit mir los?“ höre ich eine Frau in der Arztpraxis stöhnen. Sie ist offensichtlich schwanger und beklagt sich bei den Schwestern über ihre stetige Erkältung, ihre Rückenschmerzen und ihre ständige Müdigkeit. „Sie sind schwanger!“ antwortete daraufhin die Schwester trocken. Recht hat sie, und es ist nicht zu übersehen. Im Laufe der Wartezeit erfahre ich, dass es ihre erste Schwangerschaft ist und ich fühle mich zurück erinnert, an meine erste Schwangerschaft mit miniberlin. Ich war fit, mobil und dachte, alles bleibt so wie vorher. Das bisschen Bauch wäre nur die positive Begleiterscheinung des Wunders, das da in mir heranwächst. Doch nicht selten kam ich an meine Grenzen, was Müdigkeit, Immunsystem oder sonstige Wehwechen anging. Und auch ich habe mich gefragt, was nur mit mir los sei.

Hohe Ansprüche in der Schwangerschaft

Viele halten in der Schwangerschaft den Anspruch an sich und ihren Körper aufrecht, den sie auch vorher hatten. Leistungsfähig, stets belastbar und flexibel möchten sie sein. Alles soll weiter gehen wie zuvor und am besten soll kein Unterschied gemacht werden. Warum? So oft höre ich den Satz „Ich bin schwanger, nicht krank“ und nicht selten bekomme ich ihn auch von anderen zu hören. Klar, faktisch stimmt es. Aber trotzdem sollte man sich selbst bewusst sein, dass der Körper während einer Schwangerschaft nicht mehr so tickt wie zuvor.

In uns wächst ein neues Leben und unser Körper bereitet sich auf einen großen Kraftakt vor, um dieses Leben zu gebären. Das braucht Zeit, Energie und es bringt auch körperliche Veränderungen mit sich. So ist die Einstellung zu seinem Körper während der Schwangerschaft eher das Problem, als der Körper selbst. Dieser versucht nur, seinen „Job“ möglichst gut zu machen und sich auf das vorzubereiten, was da kommen mag. Die Einstellung ist es, die vielen Schwangeren im Weg ist. So erwarten sie, dass sie nach wie vor dasselbe Sportprogramm absolvieren können, im Job weiterhin alles geben können ohne Abstriche und auch in der Freizeit noch möglichst viel zu machen. Und nicht nur die Schwangeren haben diese Einstellung gegenüber sich selbst. Auch andere erwarten den gleichen Einsatz wie zuvor. Selten sind das jedoch Mütter.

Höre in dich hinein!

Ich versuche selbst, so wenige Abstriche wie möglich zu machen „nur, weil ich schwanger bin“. Auch in der zweiten Schwangerschaft jetzt. Ich möchte hier auch nicht dafür plädieren, dass man sich in Watte packt und nichts mehr tut oder sich traut. Auch das ist ebenso eine falsche Herangehensweise, die sich meiner Meinung nach negativ auf den Körper und die Schwangerschaft auswirkt.

Was ich aber gelernt habe, ist, auf meinen Körper zu hören. Ich reagiere darauf, wenn er durch ein Stechen im Rücken oder einen harten Bauch anmerkt, Ruhe zu brauchen. Ich gönne mir öfter eine Pause und bin nicht mehr die, die zur Bahn rennt. Dann warte ich eben 10 Minuten auf die nächste. Und das ist für Berliner eine endlose Ewigkeit. Ich höre in mich rein und spüre nach meinem Baby.

Ist es unruhig?

Habe ich es schon lange nicht mehr gemerkt?

Reagiert es auf das, was außerhalb meines Körpers geschieht?

Entgegen der ersten Schwangerschaft, in der ich viel unsicherer war, bin ich nun ruhiger. Ich versuche nicht gleich, einen Arzt zu erreichen oder google mir die absurdesten Gründe für irgendwelche Symptome zusammen. Ich warte ab. Ich setze mich hin, ich spüre nach dem Baby und schaue, was mir in diesem Moment gut tut. Ich gebe meinem Körper, was er braucht. So esse ich gerad eben viel Süßes und auch Ungesundes, denn mein Körper verlangt danach. Ich lege mich öfter aufs Sofa, die Füße hoch, denn mein Rücken und meine Hüfte danken es mir. Und ich lese wesentlich mehr Bücher mit miniberlin als vorher, denn ich bin nicht mehr die, die leichtfüßig durchs Bällebad hüpft oder über den Boden kugelt.

Ich gebe meinem Körper jetzt das, was er braucht. Alles andere kommt früher oder später wieder zurück. Na ok, vielleicht auch später- je nachdem.

Wie habt ihr eure Schwangerschaften erlebt?

Liebe Grüße
eure Bella

 

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13 Comments

  • Reply
    Einer schreit immer
    22. Februar 2016 at 08:42

    Also dieses „Du bist ja nicht krank, du bist schwanger“ habe ich auch oft gehört. Meistens von Männern. Und es hat mich jedes Mal unglaublich aufgeregt. So eine (Zwillings-)Schwangerschaft ist ein Ausnahmezustand für den Körper. Hallo? Da wachsen (2) Menschen in einem heran. Ist doch klar, dass man da einen Gang zurückschalten muss….

    Ich kann allen werdenden Mamas nur eines raten: Langsam und ruhig die Schwangerschaft genießen. Die Zeit ist schnell um und kommt nie wieder…

    • Reply
      familieberlin
      22. Februar 2016 at 09:11

      Das stimmt, daran habe ich noch nicht mal gedacht: es ist so schnell um und man muss sich auch zeit fürs Genießen lassen. 🙂

  • Reply
    Laura
    22. Februar 2016 at 09:39

    Wie schön, dass du das Thema ansprichst! Ich bin gerade auch in einer Phase, in der ich merke, dass nicht alles genau so weitergeht wie vor der Schwangerschaft. Ich mache eigentlich alles, was ich tue, zügig, habe hundert Sachen im Kopf, die ich erledigen muss und dann ist da immer noch die Wäsche… Es stimmt, wir müssen uns Pausen gönnen und auch die Mitmenschen darauf hinweisen, dass nicht mehr alles so schnell geht. Liebe Grüße, Laura

  • Reply
    Shynarja
    22. Februar 2016 at 09:48

    Ich erlebe meine jetzige zweite Schwangerschaft auch ruhiger und erhole mich (sofern ich das mit Kind1 vereinbaren kann) viel mehr.
    Wie du geschrieben hast, ich höre auf die Signale die mir gesendet werden. Mein Kreislauf ist die Hölle momentan und ich reagiere darauf, indem ich eben viele Sachen im Sitzen mache oder beim Spaziergang Wege aussuche, die viele Möglichkeiten zum Sitzen bieten.

    Am Wochenende macht mein Mann vieles mit dem ersten Kind. Macht Ausflüge, setzt sich mit ihm in die Wanne, etc. Früher hätte ich die Zeit zum putzen genutzt, jetzt kuschel ich mich auf die Couch und lese ein Buch. 🙂

    Sonnige Grüße.

  • Reply
    Beatrice
    22. Februar 2016 at 12:20

    Schwanger sein ist heut irgendwie nicht einfach. Beim Arzt hört man kein „Herzlichen Glückwunsch“ mehr, sondern „na dann gucken wir mal, ob alles in Ordnung ist“. Ich erlebte in drei Schwangerschaften, dass Ärzte MEIN Körpergefühl überhaupt nicht ernst nahmen. Kollegen sagten mir immer, dass ich mich bloß schonen solle. Ich wollte aber selbst entscheiden, wann ich mich schonen wollte. Gleichzeitig bietet einem in Bus oder Bahn niemand freiwillig einen Sitzplatz an, obwohl man mit dickem Bauch ganz offensichtlich Mühe hat. Man muss schon darum bitten.
    Schwanger sein ist etwas Besonderes. Manchmal ist es schön, manchmal ist es sehr anstrengend. Letzteres vor allem, wenn man schon zwei Kinder hat, die beide noch sehr klein sind. (Wie in meinem Fall, die dritte Schwangerschaft war echt zermürbend)
    Man sollte viel mehr darauf eingehen, was jede einzelne werden Mama braucht. Also fragen und nicht bevormunden. Das ist irgendwie verloren gegangen in unserer Gesellschaft. Eine Gesichte zur Unmündigkeit einer Schwangeren habe ich übrigens hier http://beatrice-confuss.de/2015/11/29/zwischenfall-im-8-schwangerschaftsmonat/ mal aufgeschrieben. Ist rückblickend lustig, aber an dem Tag selbst und danach fühlte ich mich ganz mies, weil MICH keiner ernst nahm.

  • Reply
    Hanna (familiert.de)
    22. Februar 2016 at 13:41

    Du hast so recht, mit dem, was du schreibst. Ich sehe mich teilweise echt in den Punkten wieder. Schön wäre es doch tatsächlich, wenn man einfach sagt „ich bin schwanger“ und den rest einfach weg lässt. Denn wenn man sich mal bewusst wird, was der Körper alles leistet, dann kann man das auch nachvollziehen, dass wir „Beschwerden“ haben.

  • Reply
    Küstenmami
    22. Februar 2016 at 18:20

    Hallo liebe Bella,

    Du beschreibst das echt schön, so differenziert: Man ist tatsächlich nicht krank, aber doch auch nicht mehr die, die man vorher kannte. Der Körper steckt seine Leistung bzw. Leistungsfähigkeit in das Heranwachsen des neuen Wunders im Körper <3 Und auch wenn man das ganz richtig so findet und die meisten einem zustimmen würden, wenn man es erklärt, bemerken sie den Unterschied zu "früher" – alles, was anders ist, fällt halt auf. Ja, wie meine Vorrednerin auch denke ich, man soll jede einzelne Frau fragen, was sie braucht und was ihr gut tut. Denn das kann nur sie allein entscheiden!

    Viele liebe Grüße und weiterhin alles Gute!!!

    Deine Küstenmami

  • Reply
    Mamalau
    23. Februar 2016 at 12:59

    Seinen Körper als Wunder wahrzunehmen und nicht als ein zu optimierendes Werkzeug, welches uns zum Erfolg führen soll, ist für mich die schönste Erfahrung in der Schwangerschaft. Aber wie du schon schreibst, ist es nicht einfach diesen Zustand anderen Menschen verständlich zu machen. Frauen sind oft gewohnt ihren Körper als Gegner und nicht als Träger unserer Identität zu sehen. In der Schwangerschaft wird er sogar Träger zweier Identitäten.

    Ich glaube wenn Frauen in der Schwangerschaft diese Erfahrung machen können, lernen ihrem Körper zu vertrauen und ihm die Dankbarkeit und den Raum zu geben den er braucht, kann das auch nicht schwangeren Frauen helfen. Der weibliche Körper ist ein Wunderwerk, ob schwanger oder nicht.

    Oft lugt hinter der Couch, auf der ich nach dem Frühstück noch einmal zwei Stunden geschlafen habe, das schlechte Gewissen hervor. Es flüstert mir ins Ohr: „Du müsstest jetzt aber eigentlich schon seit zwei Stunden an deiner Bachelorarbeit sitzen.“ Denn drehe ich mich noch mal um und sage mir selbst: „Gott sei Dank, musst du gar nichts.“ Stehe fünf Minuten später auf und fühle mich fit und frisch und bilde mir ein, der kleine Tritt in die Rippen ist ein Zeichen der Anerkennung.

  • Reply
    Trampeltier
    24. Februar 2016 at 12:24

    Wirklich schön geschrieben! Das ermutigt einen, dass man nicht alleine mit dieser Ansicht ist. Bevor ich schwanger war und auch noch in der Schwangerschaft habe ich immer den Spruch „Schwangerschaft ist keine Krankheit“ angebracht wann es mir beliebte und lebte auch danach. Es schien nicht so schwierig… eig. nur als hätte man „zugenommen“. Ich hatte das Glück bis zum 7. Monat tatsächlich verschont geblieben zu sein, in Bezug auf die üblichen Wehwehchen, wie Übelkeit etc. Dann kam der Umzug… „Ja ich kann den kleinen Karton schon tragen, gib her“ oder „ach das Stehen macht mir nichts aus!“ hatte ich oft angebracht. Selbst ist die Frau, so gesehen (Obwohl mein Mann alles tut was er kann!). Genervt war ich davon, dass mir niemand etwas zutraute. „Du bist schwanger lass das!“ Ja! ich bin „nur“ schwanger, nicht krank! Irgendwann als es anfing, dass die Füße schmerzten wie irre, der Rücken streikte und die Hüfte schmerzte, man nur noch dauererkältet war, musste ich mir eingestehen, dass man zwar nicht krank ist, aber wie alle so schön beschreiben: man nicht die Selbe ist! (und das obwohl ich tatsächlich kaum etwas getan hatte, außer mal den Teppich auszusuchen und dafür 2-3 h im Laden stand). Ab diesem Zeitpunkt hatte ich mir mehr als Ruhe gegönnt. Viele Beschwerden haben nachgelassen. Was mir eindeutig zeigt, dass unser Körper seine Grenzen hat, man diese auch wahrnehmen sollte und er fordert ein was er braucht! Deshalb, eile mit Weile, immer mit der Ruhe, auf sich achten und auch mal „faul“ sein und nach Hilfe fragen! Wir sind nicht krank, aber schwanger! 🙂 LG

  • Reply
    Andrea
    25. Februar 2016 at 11:40

    Das hast du sehr schön geschrieben. Ja, ich googel auch alles Mögliche…weil es einfach eine neue ungewohnte Situation ist. Es ist meine erste Schwangerschaft und ich höre von außen sehr oft ‚du bist schwanger, nicht krank’…das mag so sein, aber das Gefühl ist eher so ein Zwischending. Ich nehme leider alles mit was man kriegen kann. Ich würde mir auch gerne etwas mehr Verständnis anderer wünschen, für das Wunder was unser Körper da leistet!

  • Reply
    Das Leben in der Großstadt: Stress in Berlin - mamaskind
    25. Februar 2016 at 14:40

    […] schrieb vor ein paar Tagen auf familieberlin über ihr Körpergefühl in der Schwangerschaft (Leseempfehlung!). Was mich neben diesem Thema aufweckte, war ihre Bemerkung über das 10 […]

  • Reply
    Nadja
    26. Februar 2016 at 08:11

    In meiner (ersten) Schwangerschaft habe ich auch gemerkt, dass nicht alles so geht wie man will. Aus einer alten Verletzung wurden Rückenschmerzen sodass ich nicht mehr putzen konnte. Gehen ging auch nicht mehr schnell, selbst wenn man sich selbst für eine Schnecke hält und am Ende habe ich mich nicht mehr getraut Auto zu fahren, weil meine Konzentration nicht sonderlich war.
    Aber ich finde es übertrieben, wenn man keine Laptoptasche mehr trägt, gar nicht mehr Auto fährt oder andere einem alles aus der Hand nehmen, weil es zu schwer ist.
    Letzten Endes weiß man selbst am besten, was gut geht und was nicht und auch wenn andere das für seltsam halten, sollte man sich danach richten.

  • Reply
    Die 10 schönsten Blogger-Posts zur Schwangerschaft
    16. März 2016 at 14:33

    […] ♥ Manchmal muss man in der Schwangerschaft ganz schön viele Abstriche machen. Aber man ist schwanger – und nicht krank! Bella von familieberlin erzählt, was das neue Körpergefühl bei ihr bedeutet. […]

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