Und dann bist du Mama: Über Ängste, Unsicherheiten und Bauchgefühl in der Elternschaft

5. Januar 2022
familieberlin
Familienleben

Ich werde nie vergessen, wie ich als frischgebackene Mama nach Hause kam und Angst vor der ersten Nacht hatte. Zu Hause gab es keinen Knopf, den ich drücken kann, wenn ich Hilfe brauchte. Es gab keine Hebammen oder medizinisches Personal, was sofort da wäre und Rat wüsste. Bauchgefühl in der Elterschaft? Fehlanzeige!

Ich stand da, in dieser ersten Nacht mit Baby zu Hause, perfekt ausgestattet mit Stilhütchen, abgekochten Babyflaschen, Pre-Milch und Co und doch komplett ahnungslos. Die perfekte Ausstattung wich mit der Zeit der Improvisation und dem, was für uns passte. Die Ahnungslosigkeit aber, die gibt es bis heute. Denn was ich schnell lernte, war: Du wirst das Elternsein nie komplett durchschauen, nie alle Antworten kennen und erst Recht wirst du nie alles wissen können. Ein bisschen ist es wie in einem Videospiel: Manche Level meisterst du leicht, vielleicht sogar mit Bravur. Du kennst die Tücken und deine Mitspieler*innen bestens, es klappt. Andere Level durchläufst du immer und immer wieder und stürzt doch an der gleichen Stelle und beginnst wieder von vorn. Weil du nicht weißt, was gerade das Problem ist und wie du es lösen kannst. Manche verlaufen sich mit der Zeit, andere begleiten dich durch alle Level, zu jeder Zeit.

Bauchgefühl in der Elternschaft braucht Zeit

Mittlerweile bin ich routinierter. Ich stürze nach wie vor als Mutter, mache Fehler und durchlaufe manche Level immer wieder ohne zu verstehen, was jetzt das Problem ist. Manchmal komme ich dadruch, unmerklich und ohne Fokus. Ganz oft aber auch nicht. Die Routine habe ich vor allem darin, nicht mehr komplett zu verzweifeln. Ich tigere nicht mehr wach um das schlafende Kind und grüble, was ich im Fall der Fälle tun könnte. Ich habe nicht mehr zig Alternativen und Plan B-E um zu gucken, was am besten funktioniert. Ich habe meine Routine darin gefunden, auch mal durchzuatmen. Ich lasse Raum, für mich und meine Kinder.

 

Diese Einstellung ist nicht leicht, zumindest nicht für alle. Ich brauchte Jahre, um diesen Raum für mich zu gewinnen. Oft stehe ich trotzdem vor verschlossener Tür. Kürzlich fragte mich eine Bekannte, die gerade erst am Anfang ihrer Elternschaft steht, wie ich es geschafft habe, gelassener und ruhiger zu werden. Mir schmeichelte diese Frage auf der einen Seite. Denn offenbar mache ich diesen Eindruck auf andere. Auf der anderen Seite aber spürte ich auch, wie viel Kraft in meiner möglichen Antwort liegt. Denn ein Satz wie „Entspannte Eltern, entspannte Kinder“ kann ein Fass aufreissen, dessen Boden nie sichtbar sein wird. Stellt euch mal vor, wie sehr dieser Satz verunsichern kann. Ich gehörte schließlich auch mal zu den Menschen, die müden Eltern gern diesen Ratschlag gab und mit dem zweiten Kind mehr als hart auf dem Boden der Tatsachen aufschlug. Umso wichtiger finde ich es heute, keine pauschalen Antworten zu geben. Denn woher wollen wir wissen, wie entspannt Menschen sind, wenn sie Nächte nicht schlafen konnten? Oder wenn sie Sorgen durchmachen, die wir nicht sehen?

Ein Learning: Du bist nicht allein.

 Einen Teil der Antwort, die ich mittlerweile gebe ist folgende: Du bist nicht allein. Egal ob in entspannten Zeiten oder aber in Zeiten großer Müdigkeit, Sorgen und Ahnungslosigkeit. Das musste ich erst lernen. Und dieses Internet hat einen großen Teil dazu beigetragen. Ich habe Blogs gelesen und darüber großartige Autor*innen gefunden, die eben nicht nur darüber schreiben, wann Kinder Zähne bekommen und wie das mit dem Stillen sein sollte. Es gibt mittlerweile ganze Communitys, die man z.B. unter dem Hashtag #bindungsorientiert oder #highneedbaby findet. Die über ihre Sorgen, Unsicherheiten und auch Erfolge schreiben und sich austauschen. Ohne diesen Austausch wüsste ich heute weit weniger über meine Kinder bzw. würde mir ob mancher Eigenschaften sehr viel mehr Sorgen machen. Das Bauchgefühl in der Elternschaft ist etwas das wächst mit der Zeit und ja, manchmal ist es mehr und auch weniger stark spürbar.

Im Januar möchte ich euch einige dieser Autor*innen und Blogs vorstellen, die mich seit Jahren begleiten und meine Sichtweise auf Elternschaft und Kinder prägten. Viele davon sind weit bekannt, aber andere sind meine kleinen Sterne im Bücherregal, sie brauchen viel mehr Aufmerksamkeit.

Welcher Blog oder welches Buch hat euch gut durch diese Phasen in der Elternschaft begleitet?

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