Kindergarten Kleinkind

„Mama, ich bin traurig“: Wenn die Freunde der Kinder wegziehen

Freunde der Kinder wegziehen

Jetzt habe ich keinen mehr, der mit mir spielt. Mit den anderen will ich nicht spielen. 

Dieser Satz fiel gestern früh, als ich meine Große im Kindergarten abgeben wollte. Ihre beste Freundin war den ersten Tag nicht mehr im Kindergarten, sie ist weggezogen. Seit Beginn ihrer Kindergartenzeit sind die beiden zusammen. Ihre Eingewöhnung startete parallel, ihre Geburtstage liegen nah beieinander und wir wohnten nur eine Straße voneinander entfernt. Seit fast drei Jahren sind sie unzertrennlich, doch ihre Beziehung war für viele nicht nachvollziehbar.

Kindliche Freundschaft: Vorbild für Erwachsene

Wie oft standen wir Mütter nebeneinander und schüttelten ungläubig den Kopf. Diese Freundschaft, die angeblich das Wichtigste für beide war, knallte häufig. Es wurde laut, es wurde handgreiflich und die Stimmung wechselte nahezu im Sekundentakt. Bei keinem anderen Beisammensein erlebte ich so viele verschiedene Launen und Situationen. Es war ein ständiges Messen und Kämpfen, aber auch ein Nacheifern und Vorbild sein. Die eine brachte der anderen das Klettern bei, die andere brachte etwas Ruhe ins turbulente Spiel.

So wechselhaft das Spiel und Miteinander der beiden Freundinnen auch war, sie vergassen oft binnen Sekunden, was eben schief lief. Sie stritten und versöhnten sich, sie schlugen sich, um kurz danach einhellig unter der Bettdecke zu kuscheln. Im Grunde ist diese Freundschaft ein tolles Vorbild für das menschliche Miteinander. Denn sie zeigt, wie wichtig es ist, sich zu versöhnen. Wie leicht es sein kann, dem anderen etwas zu verzeihen, wenn das Spiel und das Zusammensein so viel wichtiger ist, als dass sie sich eben kurz gekabbelt haben.

Wir reden über das Wegziehen der Freundin

Nun war es schon lange bekannt, dass die Freundin wegziehen wird. Dass sie beide bald nicht mehr jeden Morgen einen Wettlauf zur ersten Matschepfütze machen können und zusammen schauen können, ob kein Auto an der Straße kommt. Wir haben diese Situation lange vorbereitet und mit unserer Großen geredet.

Weißt du eigentlich, dass sie bald in ein neues Haus zieht?
Dann ist es zu weit zu uns in den Kindergarten.

Wir haben das Thema oft besprochen, doch nicht zu viel. Meistens kam unsere Große zu uns und fragte.

Warum zieht sie weg? Sie hat doch eine Wohnung. Und wieso kann sie nicht jeden Tag fahren? Es gibt doch eine Autobahn. Mit wem soll ich nun spielen? Sie ist doch meine beste Freundin. 

Die Fragen sind nicht einfach zu beantworten, so dass meine Dreijährige sie auch versteht. Klar, aus unserer Sicht ist alles einfach und nachvollziehbar. Aber in ihren Augen ist es einfach alles großer Mist. Ja, genau das sagte sie am Abend nach dem Abschied. Sie kennt das noch nicht, die Sache mit dem Abschied. Sie hatte noch keinen Abschiedsschmerz und wenn ich an ihren ersten Liebeskummer denke, wird mir jetzt schon ganz schlecht.

Doch denke ich an meinen ersten Liebeskummer zurück, dann weiß ich heute: man warst du blöd. Damals aber ging für mich die Welt unter, denn woher sollte ich auch wissen, dass es weitergeht. Ich lebte im Moment und dachte maximal an die kommende Woche und die Mathehausaufgaben. Wie bitte soll eine Dreijährige verstehen, dass Abschiedsschmerz vorüber geht und ihre beste Freundin nicht aus der Welt ist? Sie ist noch da, nur eben einmal die Autobahn runter.

Mama, gibt es da, wo sie jetzt wohnen auch ein Telefon mit Video?

Wir finden also unseren Weg, dass sie sich weiterhin sehen und haben. Als Freunde, als Weggefährten und auch als Sparingspartner. Nicht mehr jeden morgen und täglich, aber hoffentlich noch oft genug, dass sie sich nicht vergessen. Denn das ist in diesem Alter noch ein bisschen unsere Aufgabe, die der Eltern.

Gegen das Vergessen: Geschenke zum Abschied

Genau deswegen haben wir gebastelt, die Große und ich. Wir haben überlegt, was ihre Freundin braucht, um sie nicht zu vergessen. Fotos, Geschichten und Erinnerungen, das soll sie mitnehmen in ihr neues großes Haus. Also haben wir ein Fotoalbum gebastelt, mit vielen Momente, die sie zusammen erlebt haben. Die erste gemeinsame Schlittenfahrt, der Laternenumzug, Fasching und auch das letzte Plätzchenbacken. Wenn man all das zusammen in einem selbst gemachten Album sieht, merkt man, wie viel die beiden in ihren drei gemeinsamen Jahren schon erlebt haben. Ich bin gespannt, wie viel noch folgen wird.

Freunde der Kinder wegziehen

Um auch im neuen Haus an die Freundin zu denken, haben wir ein Teelicht gebastelt, mit elektrischer Kerze. Wir haben ein leeres Marmeladenglas genommen, es gemeinsam bemalt und die Kerze eingelegt. Das kann nun jeden Abend im Fenster leuchten und an den jeweils anderen erinnern. Denn oft reicht schon der Gedanke an den anderen, dass man ihn nicht vergisst.

Bücher gegen das Vermissen

Und dann gibt es da ja noch die Welt der Bücher. Bücher über das Wegziehen und über Freundschaft. Das Conni-Buch* zum Beispiel hilft, die Sache mit dem Umziehen zu verstehen. Was passiert da eigentlich im neuen Haus? Und ist die Familie dort ganz allein oder gibt es auch neue Freunde? Wir haben es oft gelesen und werden es noch oft lesen, nicht nur, weil es von Conni ist.

Von der Freundin gab es übrigens das Buch „Zum Glück gibt es Freunde“ von Helme Heine*. Die drei Freunde erleben jeden Tag viele Abenteuer und helfen sich in schweren Situationen. Doch leider können sie nachts nicht beieinander schlafen, denn sie passen nicht gegenseitig in des anderen Bett. Also träumen sie sich zusammen und erleben auch im Schlaf Abenteuer zusammen. Dieser Gedanke ist schön und hat auch meiner Großen sofort gefallen. Denn manchmal muss man nicht direkt zusammen sein, um trotzdem Freunde zu bleiben.

Mama, dann träume ich mich heute die Autobahn runter und gucke mir die Mondlandschaft im Garten vom neuen Haus an, ok? Aber morgen früh bin ich wieder da!

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