Baby

Nachts sind alle Kinder grau

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Egal wie gut manche Babys schlafen, es gibt immer Nächte, die für Eltern (und Kinder), der Horror sind. Manche erleben sie häufiger, andere haben das Glück und bleiben verschont. Und hätte ich nicht selbst ein Kind, welches schon als Baby relativ gut schlief, würde ich alle Eltern belächeln, die stolz von ihren gut schlafenden Babys reden. „Lügner“, würde ich denken. Doch so sehr sich das Schlafverhalten von Babys auch unterscheidet, so ähnlich ist doch das Ergebnis aller, wenn die Nächte schlecht sind: wir sind müde!

Gute, schlechte und Geht-So-Nächte

Unser Baby ist ein ausgesprochen schlecht schlafendes Exemplar. Stets unruhig, nähebedürftig, viel Hunger und oft wach. All das zusammen, nahezu jede Nacht. Wenn wir eine Nacht hatten, in der das Baby nicht hellwach und bei Laune war, bezeichne ich sie mittlerweile als „Geht so“-Nächte. Gute Nächte haben wir selten, aber es gibt sie. Ich erinnere mich sogar an zwei sehr gute Nächte, in denen das Baby komplett durchgeschlafen hat. Und mit durch meine ich von 19 Uhr abends bis 7 Uhr früh. Zweimal hatte ich das Glück, welches ich nicht mal richtig nutzte. Atmet es noch? Und wann trinkt es bitte endlich wieder. Ich platze! Nun ja. Glück weiß man oft erst zu schätzen, wenn es vorüber ist.

In den anderen „Geht so“- und schlechten Nächten habe ich diese Gedanken nicht, denn das Baby lässt ihnen gar keinen Platz. So stille ich und trage und stille und trage. Und mittlerweile versuche ich gleichzeitig noch eine Mauer zu sein, über die das nachtaktive Baby nicht rüberkommt.

Mutterherz gegen das übermüdete Ich

Doch ich möchte euch etwas gestehen: wenn ich so nachts, im Dunkeln, das Baby in den Schlaf kuschle, trage oder stille, kämpfe ich. Ich kämpfe mit meinem übermüdeten Ich. Dieses übermüdete Ich hat leider einiges auf dem Herzen. Nicht nur das, es kämpft jede Nacht mit einer unbändigen Wut…auf die Situation, den Schlafmangel und, ja, auch das Baby. Dieses kleine Wesen, welches in meinem Armen strampelt, weil es gegen den Schlaf kämpft. Welches immer wieder aufschreit, weil es schlecht träumt und ihren fröhlichen Tag verarbeitet. Denn das ist sie, wenn es hell ist: fröhlich und aktiv. Dieses wunderschöne kleine Baby mit den großen blauen Augen und dem Schmollmund. Dieses Baby, was ich in de Dunkelheit nicht sehe. Denn nachts sind alle Kinder grau. So diskutiert mein übermüdetes Ich in jeder Geht-So-Nacht leise mit meinem Mutterherz.

Können wir das Baby nicht mal schreien lassen? Oder es schläft mal allein, mit Tür zu? Anschreien wäre vielleicht hilfreich? Im Gartenhaus ist es auch schön!

Diese Sätze gehen mir durch den Kopf. Ich möchte endlich wieder schlafen, möchte einmal fit sein, klarer denken und frisch aussehen. Was würde ich dafür geben, wieder gut zu schlafen. Ja, was eigentlich? Alles? NEIN.

Und so laufe ich in jeder Nacht ruhig mit meinem kämpfenden Baby ans Fenster, durch das das bisschen Licht der Nacht fällt. Es fällt auf das kleine Wesen in meinen Armen und ich sehe wieder ihre unruhigen Augen und ihren tollen Mund. Dann sieht auch mein übermüdetes Ich dieses kleine Baby wieder als das, was mein Mutterherz immer sieht: mein Kind, was mich braucht und ich auch!




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10 Comments

  • Reply
    Ins
    24. April 2017 at 07:20

    Fühl dich von Herzen verstanden und gedrückt. Unsere erste Tochter war auch so ein Baby, nur mit dem kleinen Unterschied, dass sie auch tagsüber eher schlecht zufrieden und sehr armlastig war. Es war wirklich keine schöne Zeit und konnte erstmals verstehen wie es Menschen geben kann, die ihr Baby schütteln. Diese Wut, von der ich damals dachte sie sei auf das Baby. Eigentlich war sie zum größten Teil auf mich selbst, denn ich hatte permanent das Gefühl, ich müsse es nur besser/anders machen und bekomme es aber nicht hin. Die Tage wurden besser als sie krabbeln und sitzen konnte. Die Nächte leider erst als sie zwei war.
    Ich wünsche dir viel Kraft und hoffentlich gute Unterstützung durch deinen Mann!
    Liebe Grüße Ina

    Und die gute Nachricht kommt zum Schluss: wenn es erst vorüber ist und du deinen Energietank ein bisschen nachladen konntest, ist es wie mit den Geburtsschmerzen: Du weißt noch da war was, aber so richtig nachfühlen kannst du es nicht mehr

    • Reply
      familieberlin
      24. April 2017 at 10:26

      Das stimmt. Ich merke es jetzt oft an Kommentaren vom Mann: Dies und das war doch bei der Großen nicht so.

      Doch, war es, aber wir haben es vergessen. Ein Glück. 😉

      LG Bella

  • Reply
    Josi
    24. April 2017 at 10:17

    Wir haben auch so lange schrecklich gekämpft und irgendwann wurde es einfach besser. Meine Tochter ist jetzt gerade 2 und seit einem Monat abgestillt. Seitdem wird nachts nur noch 1,2 aufgewacht und recht fix wieder eingeschlafen. Damit kann ich leben. Dafür hat sie ihren wunderbaren, langen Mittagsschlaf um die Hälfte gekürzt. So ist das eben.

  • Reply
    Jennifer
    24. April 2017 at 11:47

    Danke für diesen Artikel, ich kann dich so gut verstehen. Wir haben auch so einen schlechten Schläfer von neun Monaten. Am Anfang hat er sehr gut geschlafen, er hatte schnell einen Rhythmus und hat meist vier bis fünf Stunden am Stück geschlafen. Doch dann wurde er im November das erste Mal krank und seitdem ist er mindestens alle zwei Stunden wach und will gestillt werden. Manchmal noch häufiger. Ich bin so erschöpft, dass ich mir nicht vorstellen kann, jemals wieder durchzuschlafen und fit zu sein. Aber selbst wenn es noch lange dauert, irgendwann kommt die Nacht bestimmt!

  • Reply
    doppelkinder
    24. April 2017 at 14:55

    Jau! Verdammt! Genauso war es! Pepe hat irgendwann zumindest mal drei, vier Stunden am Stück geschlafen, aber Mads?! Und dann diese Dunkelheit, in der der kleine Quälgeist nur Rambazamba machte…Herr im Himmel! Es ist schon viel, viel besser geworden. Aber diese abgrundtiefe Müdigkeit ist einfach nur ekelhaft. Man fühlt sich krank an Leib und Seele, zumindest ich…

  • Reply
    Julia
    24. April 2017 at 21:21

    Dein Text berührt mich sehr, denn auch bei uns ist es immer noch sehr schwierig mit den Nächten. Wobei mich die Umwelt mit ihren Tipps und dem Mangel an hilfreicher Hilfe viel wütender macht. Wenn ich noch mal höre: „Wenn Du nicht auf die Uhr guckst, dann ist es besser. Das liegt ja auch viel an der Psyche, wie man das wahrnimmt.“ Stell Dich nicht so an!, soll das wohl heißen.
    Zum Glück bin ich nur sehr selten wütend auf meine Kinder, eher verzweifelt. Ich würde auch so gerne mal wieder richtig produktiv sein, energiegeladen und wach statt mich durch die Tage zu hangeln. Mir bleibt, wie Dir wohl auch, nur die Hoffnung, dass es irgendwann besser wird und wir ein Stück weit vergessen, wie schlimm es war. Nur, ob die vielen Falten, die ich in den letzen 18 Monaten dazu bekommen habe noch mal verschwinden?

    Liebe Grüße
    Julia

  • Reply
    Anne
    25. April 2017 at 10:58

    Ach Bella, ich verstehe dich so gut und bin im Herzen immer bei dir, wenn du dich durch die Nächte kämpfst. Wir haben auch so ein extrem schlecht schlafendes Baby. Wir haben schon alles durch: Nächte mit nur 3h Schlaf in 30min Häppchen, Nächte mit 100 mal aufwachen, Nächte in denen das Baby stundenlang wach ist und fröhlich, oder stundenlang schreit, Nächte komplett ohne Schlaf – und das vor allem nicht mal kurzzeitig oder ab und zu, sondern ständig. Inzwischen schon ein ganzes Jahr. Nur eins hatten wir noch nicht: Eine Nacht zum Durchschlafen. Ich kann das inzwischen auch gar nicht mehr. Ich bin schon froh, wenn ich mal wenigstens insgesamt auf 8h Schlaf komme, aber unser Baby schläft insgesamt nie länger als 9h am Tag und so kann ich gar nicht auf mehr kommen, obwohl ich mich direkt nach ihr schlafen lege. Und dann geht es uns wie Ina und das Kind schreit und schreit den ganzen Tag, weil es eigentlich genau so übermüdet ist wie wir. Ich kenne diese Gedanken, diese Wut, diese Verzweiflung! Dieses schreckliche Gefühl, wenn ein bleigrauer Tag sich an den anderen reiht. Ich hoffe, dass du ganz viel Kraft ziehen kannst aus der Tatsache, dass du schon ein Kind großgezogen hast, und dass du weißt, dass du es richtig machst, und dass es in naher Zukunft vorbei ist.

    Fühle dich von Herzen gedrückt! Anne.

  • Reply
    Erschöpfte Kleinkindeltern brauchen zwei Dinge: Schlaf und Zuspruch
    6. Juli 2017 at 11:31

    […] An diese Situationen muß ich denken, wenn wieder jemand in den sozialen Medien und in meinem Umfeld stöhnt: frustrierte und vor allem erschöpfte Kleinkindeltern sind oft am Ende ihrer körperlichen und seelischen Möglichkeiten. Ständige Verfügbarkeit, Schlafmangel und unkontrollierte Wutausbrüche gehören zu den anstrengenden Seiten des Elterndaseins. Die Gründe weshalb Kleinkindeltern am Rande ihrer Kräfte haushalten sind zahlreich. So kommt es, das Eltern manchmal vor Erschöpfung weinen, eine unbändige Wut auf die Schlaflosigkeit haben und schier verzweifeln, wenn Papa endlich nach Hause kommt und das Kind sich von ihm partout nicht beruhigen läßt. Dann freut man sich als Eltern sogar über „Geht-so Nächte“. […]

  • Reply
    franzi
    9. November 2017 at 20:52

    ich verstehe dich auch extrem gut! auch wir haben einen sehr schlechten schläfer. meiner ist etwa gleich alt wie dein mädchen und erwacht im durchschnitt 10 mal pro nacht und das seit über einem jahr. ich bin dementsprechend müde und habe schon jegliche sachen ausprobiert( homöopathie, ostoepathie, schlafambulanz…)es gibt einfach kinder, die schlafen und andere, die schlafen nicht, bzw. noch nicht. wir müssen es einfach irgendwie überstehen!
    meine drei anderen kinder haben übrigens schon sehr früh 8 h am stück geschlafen!
    ich wünsche dir ganz viel kraft und durchhaltevermögen.

    • Reply
      familieberlin
      9. November 2017 at 21:03

      Ich glaube aber, dass dieses Wissen um andere (eigene) gutschlafende Kinder hilft. Dann weiß man, dass es irgendwann besser wird, oder? 😉 Liebe Grüße

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