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Anfängerfehler? Die erste Zeit mit Baby

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Wer viel auf Pinterest unterwegs ist, der liest sie häufig: Klick-haschende Überschriften, um möglichst viele Menschen auf möglichst viele Wörter aufmerksam zu machen. Kürzlich las ich folgende Überschrift

„Vermeiden Sie diese fünf Anfängerfehler bei ihrem Baby…“

Ich klickte…nicht. Aber ich dachte mir: Was genau sind denn Anfängerfehler im Zusammenhang mit Babys? Und ich gebe zu, ich lehne mich gerade weit aus dem Fenster mit meinen Mutmaßungen und Ideen, ohne den Inhalt des Beitrags zu kennen.

Fehler mit Babys

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Doch dennoch: Gibt es wirkliche Fehler, die man machen kann, wenn man ein Baby hat? Fehler, im Sinne von „versehentlich an den Füßen hochziehe“ oder aber „die Windel falsch herum anlegen“ würde ich einfach mal als solche ausschließen. Wobei, ich gestehe: Auch ich habe in nächtlicher Dunkelheit und Schlaftrunken eine Windel falsch herum angelegt. Ich habe es kurze Zeit später bereut… meine Waschmaschine guckt heute noch vorwurfsvoll in meine Richtung.

Aber mal ehrlich: Gibt es Anfängerfehler? Dinge, die man wirklich falsch machen kann wie zum Beispiel in anderen Lebensbereichen. Den Satz des Pythagoras kann ich falsch anwenden und mich verrechnen. Zack, Fehler. Ich kann im Straßenverkehr eine rote Ampel übersehen fahren. Zack, Fehler. Ich kann beim Einkaufen vergessen, den Kasten Wasser unten im Korb zu bezahlen und am Ausgang angehalten werden. Zack, wieder ein Fehler.

Es ist ein Lernen, kein Fehler. Oder?

Doch mir fällt partout kein FEHLER ein, den ich mit meinem Baby machen kann. Ja, ich kann Dinge anders machen, im Zweifel mache ich diese auch falsch. Aber ist es nicht ein stetiges Ausprobieren, Beschnuppern, Testen und gemeinsames Wachsen? Ein Zusammenspiel aus Signal und Reaktion, sei es seitens des Babys als auch seitens der Eltern.

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Ich lasse ein Buch fallen und wecke damit das endlich schlafende Baby? Ok, nun weiß ich, dass es schreckhaft auf plötzliche Geräusche reagiert. Aber ich hatte auch ein Exemplar, das hat sich daran nicht die Bohne gestört. Es ist also pauschal kein Fehler. Genauso wie ich ein Kind hatte, wo ich wirklich nicht auf den ersten Pieps reagieren musste. Denn nach wenigen Sekunden Geknatter (kein Weinen, da würde ich bei jedem Kind reagieren!) hat sie ihre richtige Schlafposition gefunden und weitergeratzt. Habe ich beim anderen Kind auch nur eine Sekunde Geknatter abgewartet, um zu gucken, was passiert, brüllte es die ganze Siedlung zusammen. Zack, Fehler? Vielleicht, aber nicht pauschal.

Fehler verunsichern, Eltern und Baby

Ich glaube, wenn Eltern mit Geburt des Babys denken, dass es so viele Dinge gibt, die sie falsch machen können, verunsichert das. Denn statt penibel darauf zu achten, fünf bis unendlich viele Anfängerfehler zu vermeiden, sollten wir uns lieber darauf konzentrieren, gemeinsam zu wachsen. Baby und Eltern lernen sich kennen. Und ja, jedes Baby ist anders, weswegen man mit jedem Baby auch immer ein bisschen anders umgeht. Doch nur, weil etwas bei meinem ersten Baby gut funktionierte, ist es beim zweiten dann kein Fehler. Es ist eben „nur“ anders.

Und selbst wenn Eltern mit dem ersten Baby das hier lesen, oder auch den Beitrag über „Anfängerfehler mit Babys“, dann können sie sich sicher sein: Sie machen keine Fehler, wenn sie auf ihr Baby reagieren. Wenn sie auf sich reagieren und lernen, wer welche Bedürfnisse hat und wie man diese im besten Fall vereinen kann. Wir machen schon genug Fehler in unserem Leben, Deutschland hat generell eine stark ausgeprägte Fehlerkultur, die immer und immer wieder thematisiert wird. Fehler eben.

Statt Fehler, suche Möglichkeiten

Statt also an Fehler zu denken, wenn man die ersten Stunden mit Baby noch voll verliebt und hormongeladen verbringt, lasst uns lieber an Möglichkeiten denken, die wir nun haben. Mit diesem Baby und auch als Eltern. Ja, wir werden Dinge falsch machen. Aber in meinen über fünf Jahren als Mutter habe ich noch nichts gemacht, was ich als klaren Fehler bezeichnen würde. Vielleicht habe ich mich über meine Reaktion geärgert und würde einiges im Nachgang anders machen. Aber ein Fehler war nichts von alledem. Es war ein Ausprobieren, Beschnuppern, Testen und gemeinsames Wachsen.

So, und nun suche ich mal diesen Beitrag, denn vielleicht habe ich mich gerade ordentlich in die Nesseln gesetzt. Zack, Fehler.

Bilder: Lisa Dietermann, Fräulein Stern Photography

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2 Comments

  • Reply
    Natalie
    15. April 2019 at 19:56

    Danke für diesen wichtigen Artikel! Dieses ständige Sprechen über „Fehler“ verursacht nach meiner Erfahrung einen unglaublichen Druck. Auch bei mir, obwohl ich mir dessen eigentlich bewusst bin. Es ist, wie du schreibst, ein Lernprozess. Danke!
    Liebe Grüße
    Natalie

    • Reply
      familieberlin
      16. April 2019 at 09:59

      Genau das war meine Intention, danke für deine Worte. Es geht nicht darum, das Kind flsch hinzulegen oder ähnliches. Es geht um einen Aufruf für mehr Vertrauen und Bauchgefühl.

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