Berlin Schwangerschaft

„Baby on Board“: ein bisschen London in Berlin bitte

Vor einiger Zeit habe ich eine Schwangere in der Bahn gesehen. Zumindest dachte ich das und wollte ihr meinen Platz freiräumen. Doch dann kam ich ins Grübeln. Ist die Frau wirklich schwanger oder isst sie nur gern? Ich war unsicher und habe gezögert…und mich gleichzeitig über mich geärgert. Schließlich wusste ich derzeit genau, wie ich mich damals fühlte, in dieser „Übergangszeit“ vom Bäuchlein zum Offensichtlichen. Doch nicht nur in dieser Phase, wo niemand nun weiß, ob da jemand oder nur etwas wächst, musste ich für meinen Sitzplatz in der Bahn kämpfen. Auch jetzt ist es nicht einfach. Ich kann nicht lange stehen und bekomme schnell Kreislaufprobleme, doch meine Schwangerschaft ist nicht für jeden so offensichtlich wie für nahestehende Experten. Schade eigentlich.

Schwanger oder nicht?

miniberlin ist ein Februarkind, sprich meine hochschwangere Phase war damals im Winter. Dicke Jacke, der Trend zu XXL-Schals und enge Bahnen waren da nicht sehr förderlich, um mich direkt als Schwangere zu identifizieren. Desöfteren stand ich schon am Bahnsteig mit offener Jacke, dass auch ja jeder die Chance hatte, meinen runden Bauch zu sehen. In Zeiten von mobilem Internet und Candy Crush-Süchtigen, wäre es aber auch eine Glanzleistung aller Beteiligten. Wer guckt sich heut zu Tage schon lange seine Mitmenschen in der Bahn an? Ein kurzer Blick, das wars. Theoretisch hätte also niemand die Chance, seinen Platz für Schwangere (oder Ältere oder oder) freizumachen, weil er es gar nicht mitbekommt. Außer die Rentner, die eben noch ohne Handysucht unterwegs sind und ihr Umfeld genau beobachten. Die haben mir immer einen Platz angeboten und sich teilweise selbst auf ihren Stock stützen wollen. In der Straßenbahn in Berlin nicht immer eine gute Idee, denn obwohl die Bahn durch Schienen einen festen Weg fahren müsste, hat das keinerlei Einfluss auf Geschwindigkeit, abrupte Bremsmanöver und waghalsige Kurven.

Mund aufmachen hilft- oder ein Button

London_Button_SubwayAls ich vergangenes Jahr in London war, habe ich eine tolle Entdeckung gemacht. Den „Baby on Board“-Button. Ein kleines, feines Detail an den Jacken schwangerer Damen, selbst wenn man es noch nicht sieht: den Anstecker sieht man. Man versteht und kennt ihn mittlerweile. Das nicht nur, dank Prinzessin Kate. Und so stehen schon mehrere Menschen zeitgleich auf, wenn eine Frau mit diesem Accessoire die Bahn betritt. Das wünsche ich mir für Berlin, für den gesamten öffentlichen Nahverkehr. Und mal ehrlich: dafür müssen keine neuen Züge gebaut werden, alte Bahnen umstrukturiert werden (denn „Notfallsitze“ gibt es nicht in jeder Bahn) oder immense technische Anforderungen implementiert werden. Jede Frau könnte einfach einen Button am Schalter bekommen, für die Nachweisfanatischen Menschen auch gern nur bei Vorlage des Mutterpasses. Damit wäre vielen schon geholfen. Wobei das noch nichts am Problem der Handysucht ändert, weswegen wohl viele Anstecker unentdeckt bleiben. Und da wohl kaum ein GPS-Empfänger integriert werden kann, der automatisch auf allen Bildschirmen im Umkreis eine Warnung aufpoppen lässt, hilft, wie schon damals und wohl für immer, nur die Möglichkeit des Mundaufmachens. Aber bitte recht freundlich, ne?

Wie findet ihr den Umgang mit werdenden Mamas in der Öffentlichkeit oder allgemein mit Eltern? Hilft euch jemand den Kinderwagen tragen oder macht Platz für euch und/oder eure Kinder?

Liebe Grüße
eure Bella

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6 Comments

  • Reply
    Klaudia bloggt
    13. Januar 2016 at 10:37

    Ich finde der Button ist eine super Idee. Ich weiß noch, wie oft ich selber auf die Menschen zu gehen musste – wobei, dass musste ich auch, als es dann schon unverkennbar war, dass ich schwanger und nicht fett war… Das ist so diese Mentalität im Allgemeinen irgendwie… Wie oft sind ältere Herren oder Damen direkt aufgesprungen, denen wollte ich aber nicht den Sitzplatz wegnehmen, die ganzen „Jungen“, und dazu zählten locker auch alle in unserem alter und unwesentlich älter hat das gar nicht tangiert, selbst, als sie das mitbekommen haben. Also ich hab nix mitbekommen von irgendeinem Schwangerschaftsbonus. Den Kinderwagenbonus gibt es zwar, aber auch sehr selten. Oft drängeln sich Leute auch noch vor mit in die Straßenbahn, bzw. aus der Straßenbahn raus. Und wenn sie es nicht schaffen, dann wird nervös hin und hergezappelt, bis ich es eeeeeendliiich alleine geschafft habe den Kinderwagen mit meinem schlafenden Baby aus der Bahn zu hieven… Ich denke ja: Da spielt leider eine gehörige Portion Ignoranz mit. Und die bekommt man wohl eher nicht mit einem Button weg 🙁

  • Reply
    Suse
    13. Januar 2016 at 11:18

    Ich stelle mir das echt super anstrengend vor ständig schwanger in der Bahn stehen zu müssen.
    Und solch ein Button von den Verkehrsbetrieben ausgegeben würde sicherlich helfen.
    Ich wünsche Dir viele achtsamme Menschen um Dich herum, die bereit sind etwas Rücksciht zu nehmen!
    Ganz lieben Gruß
    Suse

  • Reply
    jana
    13. Januar 2016 at 15:37

    Liebe Bella

    die Idee mit dem Button finde ich wundervoll. Ein dezenter Hinweis für die Allgemeinheit. Als ich das erste Mal Mutter wurde und viel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fuhr, wurde mir auch nicht immer so geholfen, wie ich es gerne gehabt hätte. Sei es aus Ignoranz oder Unwissenheit.
    Vielleicht hilft ja so ein kleiner Button, achtsamer mit seiner Umwelt zu sein.

    Sonnige Grüße
    Jana

  • Reply
    Manja
    14. Januar 2016 at 14:54

    Liebe Bella,
    Berlin ist leider eine grauenvoll kinderunfreundliche Stadt. Es gab viele Situationen, bei denen sich mir echt die Fußnägel kräuselten. Es fängt an bei den Tramfahrern, die die Türen schließen, obwohl man mit dem Kinderwagen noch halb draußen ist. Wozu haben die nochmal diese Spiegel? Letztens haben wir es nicht geschafft in die Tram zu kommen, weil sich mal wieder andere Fahrgäste vordrängeln mussten, um ja noch hineinzupassen. Der Fahrer machte dann einfach die Tür zu und fuhr los :/
    Als ich noch schwanger war, habe ich kaum einen Sitzplatz angeboten bekommen. Es war Sommer und ich hatte einen unverkennbaren Schwangerschaftsbauch, der wirklich nicht mit einem angefressenen Bauch verwechselt werden konnte 😉 einmal hat sich sogar eine wirklich sehr beleibte Dame fast schon ein Wettrennen mit mir geliefert, um sitzen zu können. Auf mein entrüstetes Kopfschütteln hat dann zum Glück ein junger Mann reagiert und mir seinen Platz angeboten. Das Gegenteil habe ich mit einer älteren Dame erlebt. Da war unsere Kleene aber schon da. Ich hatte sie im Tuch, bin in die Tram gestiegen und hab mich auf einen der Sitze an der Tür gesetzt. Dann kam noch besagte Dame mit Stock und ich sprang auf. Ihr war das ganz unangenehm und sie machte sich Sorgen. Das war ganz süß.
    Ansonsten erlebe ich oft, dass man mit Kinderwagen ignoriert wird.
    Könnte ewig so weiter machen.
    Solch ein Button wäre bestimmt hilfreich. Ich wäre dafür.
    Einen hab ich aber noch: als ich schon das unverkennbare Bäuchlein hatte, fragt mich doch eine Frau mit vollbepacktem Drahtesel, ob ich in der Kurve ihr Fahrrad von der anderen Seite stützen könne. Hab sie dann freundlich darauf hingewiesen, dass ich sowas im schwangeren Zustand bestimmt nicht tun werde. Hat sie nicht verstanden.
    In diesem Sinne: „pro Button“! 😀
    Liebe Grüße
    Manja

  • Reply
    Emilia
    5. Februar 2016 at 12:19

    Ob so ein Button die Menschen hierzulande wirklich achtsamer macht? Mir sind freundliche Menschen begegnet, sowohl im schwangeren Zustand, als auch mit Tragetuch und Kinderwagen, als auch ignorante oder „glotzende“ Zeitgenossen. In der U-Bahn wurde ich mit meinem wirklich unverwechselbaren Babybauch im 8./9. Monat oft nur blöde angestarrt, wenn ich nur einen Stehplatz ergattert hatte. Nicht schön. Mit Kinderwagen war ich meiner Wahnehmung nach ein Hindernis. Ohne Kind wurden mir beispielweise eher Türen aufgehalten. Mit fiel dann schon das ein oder andere Mal die Tür im Einkaufszentrum vor mir zu. Ich hörte Sätze wie „Und da sagt man, in Deutschland gäbe es keine Kinder mehr. Überall diese Kinderwägen“, „Wie kann man in so eine Welt überhaupt Kinder reinsetzen“. Na ja. Familienfreundlich ist etwas anderes. Aber eine schöne Idee ist der Button allemal. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Liebe Grüße
    Emilia

  • Reply
    Mobile Lieblinks im Januar 
    1. September 2016 at 17:34

    […] Familie Berlin wünscht sich ein bisschen London in Berlin – jedenfalls für Schwangere in der Bahn. Mach ich Platz? Ist die nun schwanger oder nicht? „Als ich vergangenes Jahr in London war, habe ich eine tolle Entdeckung gemacht. Den „Baby on Board“-Button. Ein kleines, feines Detail an den Jacken schwangerer Damen, selbst wenn man es noch nicht sieht: den Anstecker sieht man. Man versteht und kennt ihn mittlerweile.“ […]

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