Kleinkind

Unsere Tochter, der Bengel. Kein Platz für Geschlechterklischees

Die Feiertage sind vorbei, alle Lebkuchen verspeist, die Kerzen langsam runtergebrannt und die Geschenke übergeben. Wie sicherlich viele Eltern haben wir uns im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, was miniberlin zu Weihnachten bekommt. Nicht nur von uns, auch von den Großeltern oder Tanten und Onkels. Schon seit ihrer Geburt sind wir der Meinung, dass pink bei uns keinen Platz hat. So kleideten wir miniberlin relativ neutral, sie leuchtete eher in Rot und Orange und wenn sie doch rosa trug, dann in Kombination mit gedeckten Farben. Ein pinkes Frottee-Knallbonbon mit Haarband käme uns nicht ins Haus. Diese Einstellung haben wir beibehalten und mittlerweile wissen das auch die Schenkenden. Mädchenhaft kann man auch ohne Pink aussehen. Mit Glitzer zum Beispiel.

Die Küche ist ein Highlight, doch Autos sind besser

Die Küche ist ein Highlight, doch Autos sind besser

Ein Mädchen wie ein Bengel?

Doch zurück zu den Geschenken. Als wir am letzten Adventswochenende bei meinen Schwiegereltern waren, meinte meine Schwiegermutter nur beiläufig: „miniberlin ist doch eh so’n halber Bengel“. Und ja, sie hat Recht. Denn unsere Tochter liebt Eisenbahnen, Bausteine und Feuerwehren. Sie ist total aus dem Häuschen, wenn sie drei Straßen weiter eine Sirene hört und muss so lange stehen bleiben, bis diese vorbei ist. Und seitdem herrberlin ein neues Auto hat, platzt nicht nur der vor Stolz. Auch seine Tochter fragt schon morgens, ob wir heut wieder „Auto fahnn“ und zieht sich noch im Schlafanzug die Stiefel an, wenn sie merkt, dass jemand ohne sie los möchte. Sitzt sie dann erstmal im Auto, ist ihre Begeisterung nicht mehr zu halten. Sie singt und tanzt mit uns um die Wette, kommentiert herrberlins Fahrstiel (meist mit „Hui“ oder „Auweia“) und erzählt uns alles zu den umliegenden Autos und Bussen und Bahnen. Alle Fahrzeuge sind ihr wichtig.

Geteilte Leidenschaft mit herrberlin: Autos

Puppen dagegen weniger. Sie hat einige Plüschttiere geschenkt bekommen, eine Puppe habe ich in nächtelanger Kleinarbeit für sie genäht. Ihre Gefühle dafür lassen sich jedoch recht reduziert beschreiben: sie sind ihr egal. Die Puppe wird ignoriert, die Plüschtiere guckt sie nicht an. Lediglich ein kleiner Löwe in Größe eines Schlüsselanhängers findet gerade ihre Aufmerksamkeit. Aber nur, weil sie diesen von ihren Cousinen bekommen hat, die sie abgöttisch liebt. Findet sie aber ihre Brio-Bahn, ihre Feuerwehr oder ihr Spielzeugauto, welche unter dem Baum lagen, ist die Begeisterung groß. Sie hupt und brummt und übt Motorengeräusche. Sehr zur Freude des Papas. Und des Opas. Denn der meinte schon vor miniberlins Geburt, er hätte nach drei Enkelinnen so gerne mal jemandem, dem er mal ein Auto schenken könnte. Hat er bekommen, ich habe es ihm versprochen, egal ob Junge oder Mädchen. Denn eigentlich spielt es doch auch keine Rolle, womit Jungen oder Mädchen spielen. Hauptsache, sie sind glücklich.

Unsere Baumeisterin mit rosa Schuhen

Unsere stolze Baumeisterin mit rosa Schuhen

Kommen Klischees aus dem Kindergarten?

Ich habe schon oft gehört, dass dieses Denken in Pink und Blau, in Auto und Puppe, in Lillyfee gegen Bob dem Baumeister nicht immer von den Eltern kommt, sondern aus dem Kindergarten- von anderen Eltern quasi. Dessen sind wir uns bewusst und sind auch nicht komplett dagegen, wenn miniberlin auf einmal nur noch mit Hello Kitty und Elsa spielen möchte. Nur muss sie damit leben, dass ich an der Kasse leise weine, wenn ich ihr sowas kaufen muss. Wobei ich erstaunt festgestellt habe, dass es in unserem Kindergarten kaum pinke Knallbonbons gibt. Viele Eltern kleiden ihre Kinder neutral und auch die Erzieherinnen (ja, ausschließlich weiblich) fördern ein neutrales Spielen. So gab es in diesem Jahr vom Weihnachtsmann eine Werkbank für die Gruppe. Seitdem finde ich miniberlin täglich mit Akkuschrauber, Hammer und Schutzbrille vor. Oft trägt sie noch den passenden Werkzeuggürtel dazu und steht zwischen Jungen und Mädchen und baut. Genauso kochen die Jungs in der Gruppe aber auch in der Küche oder füttern die Puppen. Es gibt kaum eine Gruppierung nach Geschlecht und das finde ich gut.

Doch wie lange hält das an? Wie sind eure Erfahrungen?

Liebe Grüße
eure Bella

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3 Comments

  • Reply
    Nicole
    29. Dezember 2015 at 18:34

    Sehr cool!
    Bei unserem Sommerkind hält es sich die Waage. Sie liebt Autos und Eisenbahnen oder Trecker und hat nicht viel übrig für Puppen oder die meisten Kuscheltiere. Dafür wird aber pink und rosa abgöttisch geliebt und Glitzer ist natürlich auch was ganz tolles. Mal sehen wie sich das noch entwickelt.
    Zu Weihnachten gab es auch Brio. Das ist doch auch nicht nur für Jungs.

  • Reply
    Hanna
    3. Januar 2016 at 18:46

    Liebe Bella! Auch bei uns haut das mit den Klischees so oft nicht hin. Wir hören sogar aus dem Kindergarten „An Noah ist ein Mädchen verloren gegangen“. Aber so ist das nun. Nur bei Oma, da ist er richtig Junge. Da geht nichts über seine Trecker. Aber sobald mal ein hier bei uns ist? Nö, interessiert nicht die Bohne. Aber das ist alles okay. Hauptsache die Kinder sind glücklich 🙂
    https:/familiert.de

  • Reply
    Familieberlin | Familienblogs
    7. Januar 2016 at 17:33

    […] Unsere Tochter, der Bengel. Kein Platz für Geschlechterklischees 28. Dezember 2015 […]

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