Familie Landleben

Stadt-Land-Leben: 4 Monate Landleben

Tja, da leben wir nun schon 4 Monate auf dem Land und es wird Zeit für ein kleines Zwischenfazit. Denn das geht teilweise komplett unter im ganz normalen Alltag, der – ehrlich gesagt – so ist wie überall. Alltag eben.

Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken, mich zu fragen, wie unser Leben in Berlin nun wohl wäre mit dem Schulkind. Und ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass es wohl fast genauso wäre. Wir würden zwischen Arbeit, Kindern, Haushalt pendeln, dass es kaum einen Unterschied zum eigentlichen Lebensort machen würde. Aber dann fallen sie mir immer wieder auf, die (für uns) positiven Unterschiede: Die Ruhe, die Natur, die Luft, die Wege, die Familie.

Stadtkinder auf dem Land

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Denn davon haben wir gerade sehr viel. Die Kinder sind viel draußen und unterwegs und wir dadurch ebenso. Das tut allen gut und sorgt vielleicht auch für etwas mehr Stille am Abend, wenn die Kinder schlafen sollen. Aber keine Sorge, das klappt nur in 50 Prozent der Fälle. An den anderen Abenden tanzen die Kinder genauso lange rum, wie sonst und an jedem anderen Ort. Schade eigentlich.

Doch oft fällt uns auf, wie viel Stadt eigentlich in unseren Kindern steckt. Sie trauen sich nicht, alles anzufassen oder anzuschauen, sie schrecken bei plötzlichem Geraschel zurück und sind immer etwas vorsichtiger. Aber auch daran gewöhnen sie sich. Wie meinte neulich eine Bekannte zu mir: „Dafür kennen deine Kinder belebte Straßen. Sie bleiben immer stehen und gucken, während meine Kinder verträumt über jede Straße tanzen, als kämen nie Autos.“ Damit hat sie auch wieder Recht.

Und ich? Ich muss mich ehrlich gesagt weniger an den Ort gewöhnen, denn er ist meine Heimat. Aber an die wenigeren Menschen, das „nicht mal eben schnell was bestimmtes besorgen“, was ich sonst gewohnt war. Ich muss damit leben, dass einige Freunde nun noch weiter weg sind und dass ich für beruflichen Austausch neue Wege finden muss. Was mich die letzten Monate aber auch gelernt haben: Es geht. Alles, was mir ein bisschen fehlt. Wäre nicht Corona mit allen verbundenen Maßnahmen, würden diese Dinge nicht mal so auffallen. Weil ich sie im Vorfeld ja schon bedacht und mit Lösungen versehen hatte. Die warten nun, bis das Leben ein bisschen anders normal wieder weitergeht.

Weniger Druck, mehr Flexibilität

Was ich aber genieße, ist die größere Flexibilität. In Berlin war ich zu 90 Prozent mit den Kindern allein. Wir sind ein eingespieltes Team, aber es war selten Luft für unvorhergesehenes. Alles war mit Planung, Abstrichen für einen von uns oder Toleranz verbunden. Hier haben wir nun etwas mehr Luft, dank der Familie vor Ort. Wenn ein Kind spontan krank wird, zum Arzt oder anderen Terminen muss oder eben nicht mit zu etwas möchte, kann ich es mit Absprachen ab und zu lösen. Das entspannt meinen Kopf ungemein, weil ich nicht schon mit dem Gedanken „Bitte, dieses mal muss alles so bleiben wie geplant“ in die Woche starte. Und bleiben wir ehrlich: Im Familienleben bleibt nie etwas wie geplant, es ist chaotisch. Das ist eigentlich auch gut so. Weil es uns ausmacht.

Und genau dieses Chaos ist es aber, was mich aktuell auch stets herausfordert. Da wir noch nicht in unserem Haus und noch eine Weile im Provisorium wohnen, fehlt es mir. Platz, Raum für Rückzug, etwas mehr Ordnung (nicht zu viel wohlgemerkt) und auch Abstand. Weil vier Menschen, so sehr sie sich auch mögen, eben nicht immer so eng beieinander sein möchten. Aber auch da finden wir unsere Mittel und Wege. Ein Glück.

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