Familie

Ganz leise breitest du deine Flügel aus

Ich glaube, Eltern verfügen über ein geniales Gedächtnis. An jeden Schnipsel aus der Vergangenheit erinnern sie sich. Den Geruch als Baby, die ersten Schritte, das erste Wort, die schönsten Wortkreationen. Doch der aufmerksame Leser merkt schnell, all diese Erinnerungen beziehen sich auf die Babyzeit und an die denkt man häufig, je älter die Kinder werden.

Passt man nicht auf, verpasst man das Hier und Jetzt. Doch ich glaube eher, dass Eltern passiver werden, je größer ihre Kinder werden. Früher waren wir 24/7 involviert. Heute nicht mehr. So ungewohnt das Gefühl für uns ist, so komisch muss es erst für Kinder sein.

Und so stehe ich gerade da und beobachte meine Große, wie sie ganz leise ihre Flügel ausbreitet. Typisch für ihre Art, unverkennbar für alle um sie herum. Zögerlich könne man von außen sagen. Nur mit absoluter Sicherheit sage ich. Denn dieses Kind machts nichts unüberlegt, egal wie leise es passiert.

Ihr Anker dabei? Wir. Immer und zu jeder Zeit. Und so sucht sie nach wie vor meine Hand, auch wenn sie sich vorher entriss. Die Welt entdecken? Gerne, aber nicht alleine. Bis zu nächsten Ecke vielleicht.

Ich merke diesen Zwiespalt zwischen dem ganz Großen und dem ganz Kleinen in ihr. So viel ist dazwischen, was sich erst entwickelt. So viel, was wir noch nicht kennen. Weder unser Kind, noch wir. Und doch wird es kommen, da bin ich mir sicher.

Meist ganz leise, aber gerne auch mit einem ganz großen Knall. Denn wenn sie der Mut packt, dann ist sie nicht aufzuhalten. Und mir bleibt nichts anderes übrig, als dazustehen und sie zu beobachten. Weil sie meine Hand eben nicht mehr brauchst.

Manchmal.

Happy Birthday meine Große, du bist genau richtig, so wie du bist!

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2 Comments

  • Reply
    Sarah
    14. Februar 2020 at 23:20

    Mühühü, ich habe da was im Auge. Als wenn du Lotte beschreibst. Es ist so komisch wundervoll, diese Stufe zwischen Kita-Kind und Schulkind. Sie wirken manchmal schon so groß und dann sind sie doch wieder so klein, zaghaft und vor allem verspielt. Ach Bella, mein Herz wird manchmal einen ganz kurzen Moment sehr schwer. Sie sind doch noch so klein und sollten spielen, klettern und Blödsinn machen. Und nicht stillsitzen, zuhören und nur reden wenn sie dran aufgerufen werden. Ich weiß sie schaffen das. Ich weiß, es darf im Leben auch Mal ein bisschen unbequem sein. Und ich weiß dass sie dort viel Spass haben werden. Eine neue Welt entdecken, Freundschaften schließen… Aber eigentlich sind sie doch noch klein… So zerbrechlich und fürsorgebedürftig… Lotte wird mit 5 eingeschult… Mit 5!!!

    So und jetzt wische ich mir wieder die Tränen von den Augen und werde wieder zur Löwenmama, die stark ist, an das Kind glaubt und ganz viel kompensieren will, wenn es so weit ist.

    Wollte dir nur sagen dass du mich berührst. Immer. Mit Worten. Danke dafür.

    • Reply
      familieberlin
      17. Februar 2020 at 11:25

      Sarah, du wieder. :) Danke für deine Worte. In dem Zwiespalt bin ich auch gerade, stillsitzen vs. toben. Ich hoffe, wir finden einen Weg. Nein, ich weiß, wir finden einen du. Du mit Lotte, ich mit der Großen. <3

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