Gedanken Podcast

Kleine Kinder, kleine Sorgen…Wie misst man eigentlich Sorgen?

Wie oft höre ich von Freunden mit größeren Kindern den Spruch, den wohl jeder kennt.

Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen. Wart’s ab!

Ich frage mich schon seit jeher, ob dieser Spruch wirklich so stehen bleiben kann. Nun habe ich noch keine „großen Kinder“, aber dennoch bin ich seit nahezu fünf Jahren Mutter.  Seit fünf Jahren habe ich mehr Sorgen in meinem Leben als vorher, nämlich je Kind einmal mehr. Die sind nicht immer gravierend, manchmal sind sie auch nur in mir drin. Aber dennoch gibt es mit der Geburt eines jeden Kindes ein Sorgenpaket gratis dazu.

Wie groß sind eigentlich Sorgen?

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Wächst dieses proportional zum Alter des Kindes an? Ich bezweifle es. Denn wer legt das Maß fest, mit dem die Größe dieser Sorgen gemessen wird? Ist es wirklich dreimal schwerer und sorgenvoller, wenn die 14-Jährige später nach Hause kommt, als wenn die Zweijährige einen Fieberkrampf erleidet oder Nacht für Nacht schlecht schläft? Was, wenn ich der 14-Jährigen schon früh beigebracht habe, wie sie alternativ zum stets verspäteten Bus heim kommt und ich vermute, sie steckt wie so oft in der U-Bahn fest. Würde das nicht die Sorge mindern?Und ich bin mir im Klaren darüber, dass Drogen oder Krankheit weit schlimmere Sorgen sind als schlechter Schlaf. Schlimmer geht immer, aber es ist eben auch nicht sicher.

Ich warte also, wie angeraten. Woher weiß ich, dass das jetzt die großen Sorgen sind, die mir vor Jahren prophezeit wurden? Ich hoffe, das steht  dran. Dann hole ich mein Lineal und messe sie akribisch aus, setze die Zahl in Relation zu meinen Gefühlen, ziehe die Wurzel im Gedankenkarusell und summiere es dann auf mit Ängsten und möglichen Konsequenzen. So groß sind Sorgen, das Alter spielt da keine Rolle. Denn ich glaube nicht daran, dass man Sorgen nur anhand des Alters der Kinder bemisst. Es gibt viel mehr, was mit reinspielt. So wusste ich stets, dass meine jetzt Vierjährige nicht auf die Straße läuft, komme was wolle. Bei meiner Zweijährige sterbe ich an befahrenen Straßen innerlich 10 Tode, da sie immer eine kleine unberechenbare Komponente in sich trägt.

Ich selbst lege das Maß fest

Sorgen bemessen sich für mich am eigenen Empfinden, an Erlebnissen, Erfahrungen und am Vertrauen ins Kind. Sie verändern sich, das glaube ich schon. Doch werden sie größer und wachsen mit dem Kind? Vielleicht werden sie auch mehr, weil das Kind ebenso ein Maß in diesen Sorgen ist. Freunde, Zukunftsängste, Wünsche: Diese Dinge geben den Sorgen eine weitere Dimension. Eine, die Eltern nicht steuern können. Aber sie werden doch deswegen nicht größer. Oder doch?

Hat schon mal einer darüber nachgedacht, dass Sorgen vielleicht auch tiefer werden können? So wie die gleichnamigen Falten auf der Stirn. Oder sie werden breiter, je mehr man darauf rumdenkt.

Das würde dann aber nicht mehr zum weitverbreiteten Spruch passen – schade eigentlich.

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