Familie

Gerecht ungerecht: Kindern gerecht werden

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Neue Familienmitglieder stellen einen auch vor neue Herausforderungen. So wie ich damals nach der Geburt des Babys erstmals zwei Kinder gleichzeitig ins Bett bringen musste, hadert Sarah von Mamaskind damit, wie man allen Kindern gerecht werden kann und sucht in einer Blogparade nach Antworten. Denn sie hat mittlerweile drei Kinder.

Rationalität verliert

Wenn man rein rational rangeht, hat der Tag 24 Stunden. Zieht man davon ca. acht Stunden für den eigenen Schlaf ab, bleiben 16 Stunden. Je nach Anzahl der Kinder bzw. Familienmitglieder kann man diese Stunden dann gerecht auf alle aufteilen. Theoretisch hätte ich also acht Stunden für jedes Kind, wenn ich herrberlin wegen der Arbeit mal nicht mit einberechne. Gucke ich auf die Realität, fällt auf, dass die Große von diesen acht Stunden schon mal sechs Stunden im Kindergarten ist. Tja, Pech, dann hat sie halt nur zwei Stunden und das Baby zehn, oder? Klingt logisch…und dumm. Mal abgesehen davon, dass ich für die Einfachheit der Rechnung am Tag nichts weiter machen würde, Haushalt, Arbeit, Hobby? Ach quatsch.

Wenn ich allein schon schaue, dass beide Kinder in der Regel zu 80 Prozent gleichzeitig da sind, klappt diese Zeitrechnung schon mal nicht und jede andere wohlmöglich auch nicht. Denn was ist, wenn beide Kinder zur gleichen Zeit vollkommen unterschiedliche Dinge wollen? So ist das nämlich einen Großteil des Tages. Dann stehe ich zwischen Baum und Borke und weiß nicht weiter. Wenn es hart auf hart kommt, kann ich mich entweder beiden Bedürfnissen nur halbherzig widmen, oder aber ein Kind verliert. Pech halt, ne? Fakt ist: gerecht ist das nicht und mitunter ist das für niemanden schön.

Manchmal hat mein einfach eine Hand zu wenig.

Bewusstsein schaffen

Erst gestern stand meine Ungerechtigkeit wieder für alle sichtbar mitten im Raum, obwohl ich es nicht wollte. Nachdem ich zusammen mit der Großen das Baby ins Bett gebracht habe, wollte ich mich ganz ihr widmen. Zusammen Sandmann gucken, eine Geschichte erzählen, ein Lied singen und einfach nur kuscheln. Doch während ich dem Kind vorlas, wurde das Baby im Schlafzimmer wach und weinte. Ich dachte, es dauert nur kurz und bin zu ihr. Die Große schaute sich derweil allein ihr Buch an. Doch aus „kurz“ wurde nichts, denn das Baby brüllte und brüllte und brüllte. „Kurz“ wurde zu eine Stunde, in der ich das Baby versuchte, zu beruhigen. Immer wieder hörte ich zwischendrin meine Große rufen und vertröstete sie auf „gleich„. Doch als das Baby endlich wieder schlief und ich „gleich“ wieder da war, ist meine Große eingeschlafen. Zusammengerollt lag sie mit ihrem Buch im Bett und hat geschlafen. Ohne fertige Geschichte, ohne Lied, ohne Kuscheln. Und es tat mir weh, denn in diesem Moment schien es mir zwar das richtigste, was ich tun konnte, aber im Nachgang fühlte ich mich schlecht.

Ich war ungerecht, denn ich war einfach in der Unterzahl. Ich konnte nicht an zwei Orten gleichzeitig sein und da ich (leider) nicht hellsehen kann, konnte ich die Situation auch nicht anders angehen. Was ich aber tun kann ist: sich dessen bewusst sein.

Ich bin nicht perfekt. 
Ich kann nicht allen gerecht werden.
Manchmal muss einfach jemend/etwas warten.
Jeder bekommt Aufmerksamkeit, wie er sie braucht und ich sie geben kann. 

Ich meine es nicht böse!

Nicht böse gemeint

Gerade letzteres sollen auch die Kinder spüren. Denn, wenn ich mich um ein Kind kümmere und keine Hand für das andere frei habe, meine ich es niemals böse. Auch, wenn ein Kind durch Entwicklung, Schule oder anderes mehr Support braucht als das andere. Es ist nicht böse gemeint!

Es gibt nunmal Situationen, in denen lässt sich alles vereinen, alles fügt sich zusammen und man könnte mit ein, zwei oder zehn Kindern zusammen gemütlich essen, sich pünktlich anziehen oder einen großen Urlaub angehen. Aber es gibt eben auch Situationen, in denen „bricht einer aus“. Dann können alle in dieselbe Richtung wollen, wenn einer einen Schlenker macht, weil er lieber lila Sandalen statt nötiger Gummistiefel anziehen will, dann warten wir, alle. Dann liegt der Fokus mal auf dem Kind, was bei kaltem Regenwetter lieber barfuss laufen will. Denn ich weiß auch, dass wenn das Baby morgen lieber die rote Winterjacke statt des blauen Sommerpullis anziehen will, die Aufmerksamkeit bei ihr liegt.

Kinder rechnen nicht auf

Ich habe mir angewöhnt, in diesen Situationen nach Bauchgefühl zu handeln. Wer braucht mich nun am ehesten, wer kann warten? Und es ist nicht immer die Große, die warten muss. Nun bin ich schon fast ein Jahr Zweifachmama und habe bisher noch nie erlebt, dass meine Kinder meine Zuwendung ungerecht finden. Nun könnte man meinen, dass die ein oder andere es noch nicht artikulieren kann. Das stimmt. Aber auch am Verhalten merke ich, dass in Situationen, in denen es auf mich ankommt, niemand aufrechnet. „Aber dem Baby hast du gestern schon beim Anziehen geholfen, nun bin ich dran.“ Ich finde das auch gut für die Kinder, wenn sie zusammen lernen, dass sie nicht immer als erstes behandelt oder bedient werden. Denn sie sind nun mal zu zweit zu dritt oder zu zehnt. Im Gegenteil, ich merke sogar oft, wie sie sich helfen. Nun ist das Baby nicht die Beste im Anziehen, aber die Große schon. Und so komme ich oft in den Flur und sehe wie beide Kinder schon Mützen und Schal an haben. Einfach, weil sie auch füreinander da sind. Und das ist gerecht, wie ich finde. Für beide auf ihre Art!

Exklusiv gerecht

Nun sind nicht alle Tage voller Ausnahmen, unvorhergesehen Situationen oder festen Plänen bestimmt. An diesen Tagen, an denen wir einfach alle zusammen sind und jeder so vor sich hin werkelt. Und genau dann ist es gut, wenn man sich aus diesem Werkeln zurückzieht und nur einem Kind zu wendet. So mache ich am Wochenende einfach mal die Tür zum Kinderzimmer zu. Das Baby ist beim Papa und ich habe meine Große exklusiv für mich. Wir spielen zusammen, bauen Buden und reden über imaginäre Freunde und den nächsten Urlaub. Ich glaube, diese Momente laden den Akku der Kinder auf. Für Momente, in denen Mama mal nicht gleich so handelt, wie gewünscht, weil da einfach noch ein zweites Kind ist, oder ein drittes oder zehntes. Denn die Zeiten füreinander werden mit Anzahl der Kinder nicht mehr oder gerechter, sie müssen einfach nur maximal schön sein für alle.

Werdet ihr allen Kindern gerecht? Oder habt ihr einen Tipp, wie ich es besser machen kann, wenn meine zwei Hände einfach mal nicht reichen?

Liebe Grüße
eure Bella

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6 Comments

  • Reply
    Anika
    15. Juni 2017 at 19:41

    Liebe Bella,
    Einen Tipp nicht. Aber warum besser machen? Ich finde es klingt toll wie du das machst. Du bist nun mal nur einmal da. Und deshalb muss eben bei mehr als einem Kind ab und an eines warten. Ich glaube nicht das das schlimm ist. Vor allem wenn man schaut wer die Hilfe/ Mama/ die Hand grade dringender braucht. Klar ist es vielleicht ein blödes Gefühl wenn man geplant hatte exklusiv Zeit mit einem Kind zu haben und dann grätscht etwas dazwischen. Aber andererseits klingt es auch nicht so als hätte deine „Große“ geweint. Sie hat zwar gerufen aber sie war vermutlich einfach so müde das sie eingeschlafen ist. Eigentlich doch toll das sie sich so sicher fühlt das sie auch alleine einfach beim Buch gucken einschläft.
    Lange Rede kurzer Sinn, ich denke du machst es super so wie du es machst.
    Ich gucke auch von Tag zu Tag und von mal zu mal wer es grade nötiger hat. Das ist mal der große und mal die kleine. Und manchmal helfen auch sie sich gegenseitig.
    Und auch mit dem aufrechnen hast du recht. Das machen Kinder nicht. Vor allem nicht wenn man ihnen zwischendurch eben dann doch exklusive Inseln schafft.
    Ich bin mit 3 Geschwistern und einer Alleinerziehenden Mama groß geworden. Ans warten müssen kann ich mich nicht erinnern. Aber ans Burgen bauen, an Wasserschlachten, ans Kekse backen und so weiter.
    In diesem Sinne, alles liebe. Mach weiter so und bleib dir treu. ☺️
    Liebe Grüße. Ani.
    Ps: verzeih, der Kommentar ist wohl etwas lang geworden.

  • Reply
    sonnenshyn
    15. Juni 2017 at 20:15

    Das ist so wunderschön geschrieben! Ich kann dir absolut und mit jeder Faser meines Körpers nachempfinden!

    Bei mir war es lange Zeit der Große, der immer warten musste. Den ich immer vertröstet habe uns das tat mir immer ungeheuer weh. Nun ist das Baby 9 Monate alt und ich habe gelernt abzuwägen, wer mich gerade eher braucht.

    Sonnige Grüße.

  • Reply
    Mäusemamma
    15. Juni 2017 at 21:59

    Ich kenne Deine Gedanken nur allzu gut, denn dieses ständige Gefühl, einem der beiden (bald drei!) Kinder Unrecht zu tun, ist stets mein „treuer“ Begleiter. Danke für Deinen Artikel, der dazu aufruft, sich darüber bewusst zu werden, dass man nicht perfekt sein kann und Kinder auch Verständnis haben und lernen können zu warten. Ohne dabei Sorge zu haben, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Viele Grüße! Claudia

  • Reply
    Sarah (mamaskind.de)
    16. Juni 2017 at 13:40

    Liebe Bella,
    vielen Dank für den Beitrag. Stimmt, wer sagt, dass man alles schaffen muss?
    Es wird sich fügen. Ich glaube da ganz fest dran. Man wächst als Familie hinein.
    Liebe Grüße
    Sarah

  • Reply
    Janine von mamour.de
    19. Juni 2017 at 13:38

    Liebe Bella,
    vielen Dank für deinen Beitrag! Ich konnte jedes Wort nachfühlen, wie oft habe ich im ersten Jahr als Zweifachmama das Gefühl gehabt, nicht beiden Kindern gleich gerecht zu werden, eine von beiden musste immer warten. Meine Kleine ist jetzt 13 Monate alt, die Große wird im August 3 – und jetzt können beide gut verstehen, dass man auch mal warten muss, ohne dass gleich das große Gezeter ausbricht. 😉 Schön finde ich das trotzdem nicht, einer von beiden sagen zu müssen, dass sie kurz mal warten muss, aber häufig geht es eben nicht anders. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass mir selbst etwas entgeht: mit der Großen kann man schon so tolle Sachen machen, sich richtig mit ihr unterhalten und Gesellschaftsspiele oder Rollenspiele spielen, aber mit Baby/Kleinkind geht das manchmal nicht. Und die Kleine macht gerade so große Fortschritte in der Entwicklung, die ich manchmal erst bemerke, wenn sie schon „passiert“ sind, weil ich mich in dem Moment intensiv mit der Großen beschäftigt habe.
    Aaaaaaber, ein großes ABER: es ist so toll, Zweifachmama zu sein, zu sehen, wie die Schwestern sich lieben, miteinander spielen, Spaß zusammen haben und voller Lebensfreude sind. <3
    Liebe Grüße
    Janine

  • Reply
    Auswertung:. So wird man Kindern gerecht - oder auch nicht - Mamaskind
    26. Juli 2017 at 06:32

    […] Ich habe mir angewöhnt, in diesen Situationen nach Bauchgefühl zu handeln. Wer braucht mich nun am ehesten, wer kann warten? Und es ist nicht immer die Große, die warten muss. – Familieberlin […]

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