Baby Gedanken

Zwei Kinder machen uns nicht zu Experten

So oft man hört, man solle sich nicht nur über Kinder unterhalten, trotzdem ist es doch anders. Und so traf ich am Wochenende eine Freundin, die ich seit Schulzeiten kenne und seitdem sehr wenig gesehen habe. Wir haben uns, wie soll es auch sein, über unsere Kinder unterhalten. Ich glaube, das macht der Stolz auf ebendiese und, dass unsere Kinder die wohl einschneidensten Erlebnisse in unseren Leben sind. Bis dato. Das ist auch gut, denn diese Gespräche zeigten mir, dass wir noch immer recht ähnlich ticken, uns durch gegenteilige Meinungen bereichern und das Unterschiede in der Freundschaft nichts ausmachen. So haben wir uns zum Beispiel darüber unterhalten, was wohl die wichtigste Anschaffung für das bzw. die Kinder war, etwas auf das wir nicht verzichten würden. Und wie es so ist: jeder hatte eine andere Meinung. Sie würde die Wärmelampe nie wieder kaufen, wir können auf unsere auch beim zweiten Kind nicht verzichten.

Hat man mehr Ahnung, je mehr Kinder man hat?

Das macht uns aber nicht zu besseren oder schlechteren Eltern, die ihre Kinder anders behandeln. Vielleicht hat es einfach bauliche Gründe. Ganz einfach. Und so fiel mir in diesem Gespräch wieder ein, was ich schon letzte Woche mit Andrea von Runzelfüsschen feststellte:

Zwei Kinder machen uns (noch) nicht zu Experten. 

Ich zweifle sogar an, dass drei oder vier Kinder uns ausgewiesener machen, in diesem Elternsein. Denn ganz ehrlich: wir machen das auch erst zum zweiten Mal. Und denkt man an andere Dinge, die man erst zweimal getan hat, wie Fallschirmspringen, Gänsebraten machen oder Autofahren: wir sind deswegen nicht die Cracks auf dem Gebiet. Wir sind trotzdem unsicher, unerfahren und abhängig.

Abhängig? Ja, von den Umständen. Haben wir zweimal ein entspanntes Kind, so wirken wir erfahrener als beim ersten „Schreikind“. Wir sind entspannter, wenn wir viel Hilfe von außen haben, Geld hätten, um uns Unterstützung zu kaufen oder oder oder. Viele dieser Umstände machen uns entspannter, aber nicht überlegen. Denn wäre ich von Natur aus ungehalten und dünnhäutig, bringt mich auch der kleinste Pieps meines Babys auf die Palme.

Experten sind wir nicht, aber gelassener sind wir

Was ich damit sagen will? Wenn ich das oben so lese, bin ich mir auch nicht mehr so sicher. Fakt ist aber, dass wir nur erfahrener wären, wenn all unsere Kinder gleich ticken. Wenn sich Kind 1 genauso verhält wie Kind 2 wie Kind 3. Wenn wir die Uhr danach stellen können, wann es zahnt, pupst, wächst oder schreit. Aber das können wir nicht.

Was wir aber können, wir unerfahrenen Zweiteltern? Wir können gelassener bleiben. Nicht, weil wir wissen, was wann geschieht! Wir können gelassener bleiben, weil wir wissen, dass anstrengende Phasen vorbei gehen. Wir bleiben ruhig, weil wir wissen, dass irgendwann alle Zähne da sind, auch wenn es über zwei Jahre dauern kann. Wir wissen, dass das Kind irgendwann mal besser schläft und weniger weint, dass es sich irgendwann dreht und sicher mal sitzt. Wir haben irgendwann die ultimative Einschlaf-Halte-Wiege-Technik mit passendem Singsang gefunden, um das Baby zu beruhigen. Das alles wissen wir! Was wir aber nicht wissen, und deswegen sind wir keine Experten: wir wissen nicht wann. Oft wissen wir auch nicht wie, wenn es zum Beispiel um sinnvolle Anschaffungen oder Tragetechniken geht. Wir wissen auch nicht, wie viel genau man einem Kind bei 12,5 Grad Außentemperatur anzieht und wieviel Milliliter Milch das Baby mit 12 Wochen trinkt.

Bücher über die Entwicklung? Ja, nein, vielleicht!

Wie ich auf all das komme? Wegen eurer Resonanz auf meinen Artikel zu 12 Wochen Baby. Viele Mehrfachmamas haben mir zugestimmt. Sie sagten, es gibt eben Unterschiede und all diese Unterschiede zwischen Kindern sind normal. Doch es gab auch „Erstlingsmamas“, die Fragen stellten und unsicher waren. Ist mein Kind zu groß, zu klein, zu langsam? Ich weiß es nicht und ich glaube, ihr wüsstet es auch nicht, wenn es euer zweites oder drittes Kind ist. Was ihr aber dann wisst ist: es ist euer Kind, was sich in seinem Tempo entwickelt. Ihr wisst die Zeichen eurer Kinder zu deuten, auch wenn sie immer anders sind. Und wie ich schon im Babyupdate schrieb: bei diesem Tempo und in den Zeichen helfen auch keine Bücher, die euch sagen, wann was mit eurem Baby passiert und wie es auf bestimmte Sachen reagiert.

Ich habe diese Bücher trotzdem…aus miniberlins Babyzeit. Und sie stehen immer noch da und schauen mich an. Ich werfe sie nicht weg, denn auch „Experten“ müssen mal nachschlagen. Und selbst wenn ich nicht nachlese, dann habe ich doch die beruhigende Gewissheit, dass ich wüsste, wo etwas steht.

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3 Comments

  • Reply
    sonnenshyn
    27. September 2016 at 10:38

    Ja, so schaut es aus. Experten sind wir noch lange nicht. Das habe ich nun zwei Wochen später bei K2 auch gemerkt. Aber das ist auch gut so. Wir lernen jeden Tag dazu und haben viele „Ahhhaaa!“-Momente.

    Entspannter bin ich allemal, aber kein Experte.

    Sonnige Grüße.

  • Reply
    souverän erziehen und begleiten
    27. September 2016 at 14:46

    Wie oft habe ich schon gewünscht, dass Eltern diesen Gedanken wenigstens in Betracht ziehen würden. Vor allem im Kontext Kita/Eltern. Manchmal ist es schwierig, wenn da jedeR „Experte/Expertin“ ist oder zumindest gerne wäre.

  • Reply
    Eltern sind die Experten | Von guten Eltern
    28. September 2016 at 08:37

    […] las ich den Artikel meiner Bloggerkollegin Bella mit dem Titel „Zwei Kinder machen uns nicht zu Experten“. Es geht in dem Text um die Frage, ob man mit steigender Kinderzahl zum Experten in Sachen […]

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