Baby Mamasein

Das zweite Kind läuft so mit… aber wohin denn?

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Kaum kündigt sich ein Kind an, kommen die Ratschläge und Tipps mit Augenzwinkern. Beim ersten Kind hörten wir vorwiegend Sätze wie „Geniesst nochmal die Zeit zusammen!“ und „Schlaft euch nochmal so richtig aus!“ Als ob wir nach der Geburt nicht mehr zusammen wären und sich Schlaf ansammeln lassen würde. Als babyberlin auf dem Weg war, wurden die Ratschläge nicht weniger. Neben „Ein Kind ist kein Kind“ hörten wir den folgenden Satz aber besonders häufig:

„Das zweite Kind läuft dann einfach so mit!“

Ehrlich gesagt machte mir dieser Satz etwas Sorge. Das zweite Kind nebenbei? Als Anhängsel? So hörte es sich an. Doch niemand führte diesen Satz weiter aus, er hing in der Luft wie eine Seifenblase und war irgendwann verschwunden. Nur in mir blieb er, leise. Wenn das zweite Kind nur so mitliefe, bekommt es dann weniger Nähe, Liebe und Geborgenheit? Lasse ich es dann schreien oder sind mir seine Bedürfnisse egal? Interessiert sich dann niemand mehr so für dieses Kind?

Aber wohin soll das Kind denn „laufen“?

Seit sechs Wochen habe ich nun zwei Kinder und ich kann ein erstes Fazit ziehen. Ich weiß nun, dass das zweite Kind nicht einfach so mitläuft. Wie auch? Wohin soll es laufen, wenn es noch nicht weiß, wohin die Reise geht. Wenn es noch nicht weiß, wer wir sind und wie das Leben so ist. Ich meine, ich weiß ja selbst kaum eine Antwort auf all das. Ich weiß aber, dass ich meinem zweiten Kind genauso bei diesen Fragen und Rätseln helfe, wie dem ersten, auch wenn es anstrengend ist und an meinen Kräften zehrt. Ich lasse es nicht schreien oder ignoriere das fröhliche Glucksen neben mir. Ich wechsele nicht weniger Windeln oder versuche, das Kind in längeren Abständen zu stillen. Mein zweites Kind bekommt genauso viel Nähe, Liebe und Aufmerksamkeit wie mein erstes Kind. Und sei es zu dem Preis, dass etwas anderes auf der Strecke bleibt. Etwas, nicht jemand. Denn ich gehe nicht davon aus, dass sich die Babys von Eltern, die ihr drittes oder viertes Kind bekommen, allein groß ziehen, oder?

Eltern sind routinierter, aber nicht weniger emotional

Aber da liegt ja auch die Krux bei diesen Sätzen. Niemand sagt, ob Sie emotional oder organisatorisch gemeint sind. Denn wenn es um die blanke Organisation geht, dann läuft das zweite Kind irgendwie mit. Aber einfach, weil wir routinierter sind. Wir sind nicht erst seit sechs Wochen Eltern sondern schon länger. Wir wissen, dass ein erleichterndes Seufzen in der Autoschale zwangsläufig mehr Wäsche bedeutet und dass man auch als Mama immer mehr Wechselsachen dabei haben sollte. Wir wissen, wo wir die günstigeren Windeln bekommen und können unser Baby nachts wickeln, ohne dass es wach wird. Wir sind eher drin in diesem Elternding. Wir wissen, wie der Hase läuft. Aber wir wissen eben nicht, wie es emotional so ist…mit zwei Kindern. Was braucht das Kleine, was braucht das große Kind? Denn Geborgenheit brauchen nun zwei und keines würde das „nebenbei“ akzeptieren. Oder würdet ihr euch mit einem halben Kuss zufriedengeben, weil für die andere Hälfte keine Zeit ist?

Großwerden, das geht nicht nebenbei und erst Recht nicht allein

Wir freuen uns genauso über das erste Lächeln wie vor zwei Jahren. Vielleicht überraschen uns diese neuen Fähigkeiten des Babys nicht mehr so wie damals. Denn heute wissen wir, was das viele Weinen, das viele Stillen und das Bedürfnis nach viel Nähe bedeutet. Es ändert sich was im Baby…für das Baby. Und es passiert nicht nebenbei, nicht für das Kind aber auch nicht für uns. Deswegen halte ich diese kleine Hand genauso wie damals die der Großen, ich liege abends stundenlang neben diesem kleinen Wurm und tröste, wenn es mich braucht. Ja, vielleicht nicht permanent, denn das große Kind will auch ins Bett gebracht werden. Und vielleicht will auch ihre Hand gehalten werden. Vielleicht habe ich dann „nebenbei“ ein Baby auf dem Arm, wenn wir kuschelnd ein Buch lesen und ich ein Schlaflied singe. Vielleicht stille ich nebenbei und tröste. Vielleicht halte ich dann zwei Hände, eine kleine und eine etwas größere. Aber ich bin nicht weniger für meine Kinder da.

Doch einer Sorge meinerseits kann ich etwas zustimmen. Für das zweite Kind interessieren sich andere weniger, als für das Erste. Die Aufregung ist geringer, das Interesse kleiner. Doch ich glaube, es liegt nicht am kleinen Menschlein hier neben mir. Oder doch? Wahrscheinlich liegt es daran, dass andere dann weniger Ratschläge dalassen können. Denn wir haben es ja durchschaut, die Sache mit dem zweiten Kind!

Welche Sätze nerven euch am meisten, ob beim ersten, zweiten oder dritten Kind? Was soll dann angeblich passieren?

Liebe Grüße
eure Bella

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14 Comments

  • Reply
    sonnenshyn
    16. August 2016 at 10:57

    Dankeschön für den Text. Liest sich gut, kurz vor der Geburt des zweiten Kindes.

    Was mich am meistens nervt, sind die Sprüche dass das große Kind ja nun lernen muss dass Mama kaum noch Zeit hat. Manche machen meinem Sohn ja fast schon Angst vor dem Baby. Sehr, sehr traurig. :/

    Sonnige Grüße.

    • Reply
      familieberlin
      16. August 2016 at 11:13

      Ja, hier hat der Opa direkt nach der Geburt der Großen gesagt, dass das Baby nun auch mit ihren Sachen spielen will. Dieser panische Blick. Schlimm. Sicher wird der Moment kommen, aber doch nicht jetzt.

  • Reply
    grossekoepfe (@aluberlin)
    16. August 2016 at 13:18

    Mich nervt: die passen sich an…Was Soll das?

    • Reply
      familieberlin
      16. August 2016 at 20:45

      Passen wir uns am Ende nicht an? An jedes Kind anders eben?

  • Reply
    Anja
    16. August 2016 at 13:27

    Hallo Bella. Seit 4 Wochen ist unser Babymädchen jetzt bei uns und was soll ich sagen? Ich lese nach wie vor bei DIR, was bei UNS so los ist (äußert gespannt bin ich daher auf deinen Bericht über euer großes kleines Mädchen, denn auch hier ist’s manchmal „lustig“…).
    „Ein Kind ist kein Kind“ habe ich auch oft gehört. So ein Humbug einfach. Ich glaube, man vergisst auch gerne, was für eine Umstellung es war von kein Kind auf ein Kind. Da sagt ja auch keiner „ach, ein Kind, das ist wie kein Kind“… Ja, ich bin jetzt müde, und ja, ich verzweifel oft, weil ich eben nicht immer genau das Händchen halten kann, das mich gerade braucht.. Aber ich denke, wir sind als Mama so „perfekt“ gewesen für unsere ersten Mädels, dass wir jetzt erst lernen müssen, dass wir auch perfekt für zwei Mädels sein können, ohne uns zerrissen zu fühlen.
    Achso, zu den Sprüchen anderer wollt ich ja eigentlich was schreiben… Oft haben wir auch gehört „ach noch ein Kind“… Irgendwie so mit dem Beiklang „Zweitkind“ wie Zweitwagen oder Zweitwohnung… Deswegen haben wir auf unsere Willkommensgeschenke (kriegen die Besucher traditionell bei uns so) auch den Spruch drucken lassen: Mit jedem Menschen wird etwas Neues in die Welt gesetzt. Etwas erstes und einziges.“ Denn unser Babymädchen ist nicht einfach „noch eine Tochter“. Sie ist die erste, so wie sie ist und die einzige. Das war uns wichtig. Aber tja, das wissen noch nicht so viele, denn genau wie du sagst, für andere ist das „Nicht erste Kind“ nicht mehr so interessant und daher hält sich auch bei uns der Besuch sehr im Rahmen… Umso gemütlicher ists hier aber.
    Wünsche euch weiterhin alles Gute! Wir werden das Kind schon schaukeln

  • Reply
    lareine
    16. August 2016 at 19:06

    Liebe Bella,

    wir haben ja vier Kinder. Und was mich am meisten nervte?
    „Das zweite läuft ja so mit!“
    „Das dritte läuft ja so mit!“
    „Das vierte läuft ja so mit!“ 😀

    Die laufen quasi alle so mit. Und sie brauchen nicht etwa einen individuellen Fokus auf ihre Bedürfnisse, ihren Charakter, ihre Probleme und ihre Fortschritte. Quatsch! Die laufen so mit! Auch ihre Wäsche, ihre Hausaufgaben, ihre Pubertät – das alles läuft auch so mit. Wir haben quasi nur ein Einzelkind und ein paar Mitläufer 😀

    Ich habe den Verdacht, dass manche Menschen das so sagen, weil sie selbst die Idee schon sehr anstrengend finden, mehrere Kinder zu haben und die Leistung schmälern wollen, indem sie attestieren, jedes zweite und weitere Kind wäre kein weiterer Aufwand, sondern eher lebendiges Inventar. Aber das mag eine Fehlinterpretation sein 😉

    Liebe Grüße an Dich, das Babyberlinchen und das ganz sicher nicht mitlaufende, sondern liebevoll begleitete Miniberlinchen.

    Saskia

  • Reply
    caroline
    16. August 2016 at 21:34

    Es trifft alles 100 %zu….Wir haben 3 Jungs in 3 Jahren bekommen. …Besuch und Faszination gehen mit jedem Kind zurück Das Staunen wurde allerdings mehr Jetzt sind wir eine 5 köpfige Familie mit 5 mal mehr LIEBE!

  • Reply
    Vreni
    17. August 2016 at 12:04

    Ich habe seit einem Jahr zwei Kinder. Und ich finde die Aussage „Das zweite läuft ja so mit.“ gar nicht unbedingt negativ. Es entspricht für mich der Realität. Durch Kind 1 gibt es einen Ablauf, wie in die Kita bringen, von der Kita abholen, zum Arzt gehen, zum Fussball gehen, beim Musikunterricht vor dem Raum warten. Und in diesem Ablauf „läuft“ das zweite Kind mit. Was soll ich auch damit machen? Zum Babysitter geben, wenn ich mit Kind 1 zum Fussball gehe? Bei Kind 1 habe ich noch viel nach dem Kind ausrichten können. Er konnte schlafen, bis er alleine aufgewacht ist. Ich habe gekocht, was nur ihm schmeckt und gespielt, was ihm Spass gemacht hat. Kind 2 muss leider aus dem Schlaf gerissen werden, wenn die Kita um 16 Uhr zumacht. Und wenn Kind 1 auf dem Spielplatz verabredet ist, muss Kind 2 mit. Das „Mitlaufen“ ist auf den puren Alltag bezogen, nicht auf die Geborgenheit, die Liebe, die Zuwendung. Und ehrlich gesagt finde ich, dass Kind 2 durch all dies einen großen Vorteil und sogar viel mehr Spaß hat.

  • Reply
    Lindebluete
    17. August 2016 at 23:13

    Hm. Meine kleine kann garnicht nebenher laufen, dafür liebt sie zu sehr das stillen und sie ist eine richtige Kuschelmaus. 🙂

    Aber manchmal ist es schon schwierig da der große besonders ist. 🙁 und er brauch einfach nochmal andere Aufmerksamkeit.

    Aber verpasst von der kleinen hab ich nichts. Ihr erstes Lachen, ihr erstes Sitzen usw. <3

  • Reply
    Hauptstadtpflanze
    21. August 2016 at 16:39

    Liebe Bella,
    zauberhaft geschrieben, und noch herzlichen Glückwunsch Eurer Familie!
    Ich habe auch zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Am schlimmsten fand ich immer Sätze, die sich auf das Geschlecht beziehen. „So ein Glück, dass es ein Mädchen wird.“ o.ä. Als ob ich einen kleinen Bruder in irgendeiner Form weniger in mein Herz geschlossen hätte.
    LG, Svenja

  • Reply
    Madeleine
    27. August 2016 at 18:49

    An dieser Stelle erst mal vielen Dank für die vielen wertvollen Informationen, die man in diesem Beitrag / Blog finden kann. Das Internet ist ja voll mit Informationen zum Thema Schwangerschaft und leider lassen sich viele werdende oder gerade gewordene Mütter gerade beim ersten Kind total irre machen. Da ich selber einen Sohn habe, weiß ich nur zu gut, wie ein Kind das Leben schlagartig verändert, bzw. auf was man jetzt zusätzlich noch alles achten muss. Wie gesagt, Daumen hoch für den Blogbetreiber / Blogbetreiberin, für die Zeit bzw. Arbeit, die hier investiert wird. Gerade wenn man Kinder hat, ist es schon ein Kunststück sich für sowas Zeit zu nehmen. Liebe Grüße

  • Reply
    Katrin
    2. September 2016 at 12:29

    Ein schöner Artikel, dem ich nur zustimmen kann. Baby Nummer 2 ist jetzt 4 Monate alt und das Interesse der anderen ist leider deutlich geringer als beim 1. Kind. Auch gab es beim 1. Kind noch von allen Seiten Geschenke zur Geburt, das wurde beim 2. irgendwie auch eingestellt. Mich macht das schon traurig, da das Baby ja nun nix dafür kann das 2. zu sein, aber gut zu hören, dass es woanders ähnlich ist.
    Liebe Grüße

    • Reply
      familieberlin
      4. September 2016 at 18:10

      Ja, ich finde es teilweise erschreckend! Und umso wichtiger ist es, dass sich die Eltern Zeit und Kraft für das zweite Kind nehmen, um es eben nicht nur „nebenbei“ zu haben. 🙂 Aber vielleicht liegt das „Desinteresse“ der anderen auch daran, dass viele mittlerweile selbst Kinder haben und deswegen so viel mit sich selbst beschäftigt sind? Wer weiss. 😉 LG

  • Reply
    Andrea
    16. November 2016 at 22:24

    Unser Dritter ist ein super „Mitläufer“. Und ich bin sicher, dass er auch deshalb so glücklich und zufrieden ist, weil er so viel Aufmerksamkeit und Zuneigung von seinen Geschwistern bekommt.

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