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Mein Soulfood fängt mich auf oder: wie Nudeln mit Ketchup eine Beziehung beendeten

Soulfood Ketchup Pasta Zucker

Es gibt einen neuen Trend im Food-Himmel, im Internet und in der Wohlfühl-Ecke der Buchläden: Soulfood. Essen, das gut für die Seele ist. In meinen Augen ist das nix gesundes und hat auch wenig mit Bio und Nachhaltigkeit zu tun. Einem Zahnarzt sollte man die Auswahl der besten Soulfoods nicht zeigen und einer Ernährungsberaterin erst Recht nicht. Denn oft sind Soulfoods süß oder zu salzig, fett oder voller anderer nicht so gesunder Inhaltsstoffe. OK, es gibt vielleicht auch Menschen, deren Seelenfutter ist ein Salat mit Essig und Öl, aber mal ehrlich Leute: Seelenfutter hat ihren Ursprung meist in der Kindheit. So ist das zumindest bei mir. Und welches Kind hat schon am Liebsten Salat gegessen und dann noch mit Essig und Öl? Ich kann es mir nicht vorstellen.
Als der Papa mit Hut fragte, welches Soulfood ich habe, kam mir sofort etwas in den Sinn. Aber: es ist nicht gesund und passt nicht in eine „Rezeptesammlung“. Doch Nic beruhigte mich.

Mein Soulfood hat eine Geschichte

Hier ist also mein Soulfood: gebratene Nudeln mit Ketchup und Zucker! Alle Zutaten sind schon im Titel enthalten, werden in eine Pfanne gegeben und leicht knusprig gebraten. Und jeder, der sich nun denkt: was ist daran seelig, dem antworte ich: der Geruch, der dabei entsteht. Und meine Erinnerung daran.

Ich esse dieses Essen bewusst und mit viel Liebe, seit ich 8 Jahre alt war. Jeden Montag hatte ich Schwimmen und ich hasste es. Ich hasste den Leistungsdruck, den der Lehrer und die anderen aufbauten, ich hasste das tiefe Wasser und die gemeinen Kommentare meiner Mitschüler. Denn ich war groß und dürre und hatte in den Augen der anderen immer das Falsche an. Nach diesem langen Tag also bin ich immer etwas niedergeschlagen, müde, nach Chlor riechend und vor allem hungrig heim. Und da ich damals am liebten Nudeln aß, hatte meine Oma schon immer eine Runde Bratnudeln mit Butter oder eben mit Ketchup und einer Prise Zucker parat. Die ganze Küche duftete nach gebratener Butter und karamellisiertem Zucker. Vermischt mit dem Chlorgeruch, den ich immer noch in der Nase hatte, fühlte ich mich seelig. Ich aß mit dem Blick aus dem Fenster meine Nudeln und kam wieder runter. Meine Oma sorgte dafür, dass ich wieder zu Kräften kam, innerlich wie äußerlich. Danach durfte ich oft noch eine Folge Trickfilme schauen und mal nicht an Schule denken. Denn sie wusste, dass ich keinen Druck brauchte, um gut zu sein, sie ließ mich einfach. Das half.

Soulfood Ketchup Pasta Zucker

Seelenfutter verändert auch Geschichten

Ich mache mir dieses Essen heute noch, meist wenn ich krank bin oder traurig. Dann koche ich mir immer Nudeln, brate sie in Butter, ertränke sie in Ketchup und „würze“ sie mit einem kleinen Teelöffel Zucker. Witzigerweise habe ich auch ab und an richtigen Hunger darauf- wenn ich aus einem Schwimmbad komme und immer noch den Chlorgeruch in der Nase habe. Dann merke ich, wie mein Herz schwer wird und ich am liebsten zu meiner Oma fahren möchte und mich zu ihr in ihre kleine Küche setzen will. Das geht leider nicht mehr, aber wenn ich kann, bereite ich mir dann mein Soulfood zu und denke an sie. Denn wie ich schon mal schrieb: Gedenken ist nicht an einen Ort gebunden, die Momente und Erinnerungen machen es so wichtig und besonders.

Übrigens hatte ich mal einer damaligen Freundin von meinem Seelenfutter erzählt. Irgendwann, hunderte Kilometer wegen Liebeskummer zu ihr gefahren, saß ich dann heulend auf ihrem Sofa. Bald stieg mir genau dieser beschriebene Geruch in meine Nase- sie stand in der Küche und bereitete mir mein Seelenfutter vor. Zwar verstand sie nicht, warum zu Ketchup noch Zucker muss (ich aus heutiger Sicht auch nicht), aber sie machte es so, wie ich es mal erzählte. Ergebnis: Ich flennte noch mehr, hatte danach ein tolles Wochenende bei ihr und trennte mich bald nach meiner Rückkehr von meinem damaligen Freund. Blöd eigentlich für sie, denn er war ihr Bruder. Aber dieses Wochenende allein und vor allem mein unverhofftes Seelenfutter rief mir in Erinnerung: ich brauche keinen Druck, um gut zu sein, man muss mich manchmal einfach nur mal lassen.

Danke Oma!

Habt ihr auch solche Besonderheiten im Speiseplan?

Dies ist ein Beitrag zur tollen Blogparade von Nic, auch bekannt als Papa mit Hut, der fragt: Welches Genuss-Essen macht uns stark.

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13 Comments

  • Reply
    Babyblue
    8. Oktober 2015 at 08:08

    Oh ja, ich habe auch Seelenfutter. Allerdings immer den Umständen entsprechend. Wenn es mir gut geht, koche ich mir „Oma-Essen“, das heisst: Hähnchen (ähnlich wie Gans zubereitet) mit grünen Klössen. Wahrscheinlich ein Alternativessen zur Gans, keine Ahnung woher das Rezept urpsrünglich stammt. Ich liebe dieses Essen, auch wenn es etwas Arbeit macht. Eben auch Kindheitserinnungen…

    Wenn ich krank bin, ist es die gute alte Hühnersuppe. Wenn ich down bin und Kummer habe, dann ist es Nudelauflauf und wenn ich wütend und frustiert bin, dann Pizza. Weil ich dann keine Lust hab zu kochen 😉

    Liebe Grüße
    Bianca

    • Reply
      familieberlin
      8. Oktober 2015 at 08:12

      Wow, du hast ja eine Auswahl. Aber stimmt, wenn ich krank bin,mache ich mir warmen Vanillepudding. Das gab es immer bei der anderen Oma. Ja, so hat jeder seine Erinnerungen und dein Seelenfutter scheint auch nicht das gesündeste. Bin ich ja beruhigt. 😉

  • Reply
    sonnenshyn
    8. Oktober 2015 at 08:43

    Ich stelle mit Entsetzen fest, dass ich sowas wie Seelenfutter gar nicht habe. Nicht mal wenn ich traurig oder krank bin.
    Das sollte ich mal ändern. Und es sollte richtig ungesund sein! 😉

  • Reply
    marmeladenschuh
    8. Oktober 2015 at 09:05

    Witzig, meine Oma hat uns immer Makkaroni gemacht (die langen mit dem Loch in der Mitte) und dazu eine Tomatensoße mit Zucker. Ich habe den Geschmack nie wieder so hinbekommen, aber ich erinnere mich genau daran…

    • Reply
      familieberlin
      8. Oktober 2015 at 09:16

      Ich glaube, damals waren es auch oft Makkaroni, je nachdem, was es gab. 😉 Meine Mama meinte mal, der Zucker muss dazu, um die Säure der Tomaten auszugleichen. Wer weiß. 😉

  • Reply
    Farina
    8. Oktober 2015 at 09:18

    Also an Herzhaftem sind definitv Nudeln mein Soulfood 🙂 Als Kindheitserinnerung unbedingt mit Tomatenmark 😀
    LG Farina

    • Reply
      familieberlin
      8. Oktober 2015 at 09:23

      Haha…und Tomatenmark schreit ja quasi nach Zucker. Wegen der Säure und so. 😉

  • Reply
    NadineM
    8. Oktober 2015 at 11:23

    Nudeln scheinen sich immer gern absonderliche Gefährten zu suchen…bei uns gab es, wenn es mal schnell gehen musste, Nudeln mit Obst. Nudeln kochen, Birnen aus der Dose oder Apfelmus dazu und darüber geröstetes Paniermehl. (Frag mich nicht nach der Genese dieser Mischung..:-)) .. aber es macht mich auch heute noch froh und schmeckt nach Kindheit.

    • Reply
      familieberlin
      8. Oktober 2015 at 11:38

      Ok, diese Kombi ist sogar für mich skuril, aber anscheinend hat sie einen ähnlichen Effekt wie mit Ketchup und Zucker. 🙂 Hauptsache gut für die Seele.

  • Reply
    Sidney
    8. Oktober 2015 at 13:21

    Bei mir ist es je nach Laune Steak im Brötchen oder Nudeln mit schokostreuseln. Es müssen aber Hörnchen sein. 😀

  • Reply
    Katrin
    8. Oktober 2015 at 15:08

    Es sind Nudeln mit Zucker oder auch Milchreis mit Apfelmus…hmmmm….
    Wenn ich nicht schon eine Quiche im Ofen hätte, dann hast du mich soeben köstlich verführt ☺️ Danke Bella für die Erinnerung, an die unvergesslichen Momente im Leben – egal, ob es einem gut oder schlecht geht.

  • Reply
    Euer Seelenfutter-Kochbuch: Genuss-Essen, das stark macht - Papa mit Hut
    1. Dezember 2016 at 21:38

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