Baby Mamasein

#MeinBriefanMich: Mein Rat an mich im Wochenbett

Liebe Bella,

Dein Kind ist nun eine Woche alt. Eine Woche bist du schon Mama! Ist das nicht ein wahnsinnig tolles Gefühl? Hast du je gedacht, so lieben zu können? Ich konnte es mir bis dato auch nicht vorstellen. Warte nur ab, es wird noch inniger zwischen euch. Aktuell glaubst du das kaum, ich weiß.

Zu groß ist der Trubel um euch. Jeder möchte das Kind, jeder will es tragen, streicheln und mit ihr spazieren gehen. Bist du dir sicher, dass du das auch möchtest? Nein, bist du nicht. Im Gegenteil. Du möchtest dich gern mit Kind und Mann ins Bett verkrümeln. Möchtest dich erholen, ankommen in deiner neuen Rolle als Mutter. Ich weiß, denn ich habe es durch. Doch du traust dich nicht. Schließlich kommt jeder extra vorbei, um euch zu sehen. Nein, um dein Kind zu sehen. Nicht alle kümmern sich um dich und fragen, wie es dir geht. Alle schauen aufs Kind, alle fassen es an. Hat dir jemand was zu essen mitgebracht? Oder mal eine Waschmaschine für dich aufgehangen? Wer hat den Einkauf gemacht, um alle Besucher zu versorgen? Hast du nicht eine Woche nach der Geburt in der Küche gestanden und gebacken?

Auf all diese Fragen möchte ich dir gern selbst eine Antwort geben: Hackts? Entschuldige meine Liebe, aber warum machst du den Mund nicht auf und sagst etwas? Du bist müde, ich weiß es, denn ich habe es durch. Du kannst nicht mehr stehen oder sitzen, denn du hast gerad ein über vier Kilo schweres Kind geboren. Aber auf deinem Sofa hast du keinen Platz zum Liegen, denn dort sitzen Freunde und Verwandte…wenige Tage nach der Geburt. Ich erinnere mich noch an deine und meine Worte vor der Geburt „Kommt vorbei, wenn sie da ist“. Ich weiß, du bereust sie jetzt, denn du wusstest nicht, was Gebären bedeutet. Du wusstest nicht, dass das Wochenbett keine alte Überlieferung ist und , trotz technischer Fortschritte in allen Bereichen des Lebens, sich daran nichts geändert hat. Du hättest trotzdem noch viel liegen müssen, eingekuschelt mit deiner Familie. Freunde und Verwandte hätten dir Essen bringen können, schauen, ob sie dir helfen können. Nicht mit dem Kind, sondern mit dem Rest. Denn das ist es, was auf der Strecke bleibt. Das ist ok, das wusstest du .

Wenn wir nochmal in diese Situation kommen meine Liebe, dann ändern wir das, ok? Heute gebe ich allen baldigen Mamas den Rat, den ich dir jetzt gebe. Lass dich nicht stressen, nur weil alle gern vorbei kommen wollen. Aber nimm es den anderen auch nicht übel, denn sie freuen sich mit dir! Vergiss das nicht. Ich glaube, jeder wird verstehen, wenn du erstmal Ruhe brauchst und ihr euch um euch kümmert. Doch das Wichtigste, was du schon bei miniberlin bedacht hast, behalte für dich bei: bleib entspannt!

Alles Gute
deine spätere Bella

Dies ist ein Beitrag zur Janas Blogparade vom Hebammenblog. Sie rief zu einem #MeinBriefanMich auf, um an sein frühreres Ich zu appellieren, Tipps zu geben und da zu sein. Ich habe mich bewusst für diese Besucherflut im Wochenbett entschieden, weil ich nachwirkend gemerkt habe, wie sehr es mich beschäftigte. Nicht nur äußerlich, auch innerlich. Ich wollte mein Kind noch nicht weggeben, teilen oder von anderen umsorgen lassen. Ich wollte in meiner Mutterrolle gern ruhiger ankommen. Das ging nicht und ich habe mich nicht getraut, etwas zu sagen. Rückblickend hat es mir und auch miniberlin nicht geschadet, aber trotzdem ist es etwas, was ich allen werdenden Mamas ans Herz legen möchte!

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10 Comments

  • Reply
    Sarah
    28. Juli 2015 at 10:26

    Aber es schwingt auch ein wenig Stolz mit: man möchte den Verwandten und Freunden das Baby zeigen, das so lange im Bauch war. Mh, dennoch sollte dein früheres Ich den Ratschlag beherzigen, ruh dich aus, quirlig wird es früh genug!
    Schöner Text!

  • Reply
    Anna
    28. Juli 2015 at 12:59

    Liebe Bella, das hast Du wirklich ganz toll geschrieben – ich glaube damit sprichst Du vielen Mamis aus dem Herzen. Mich hat das nach der ersten Geburt auch gestresst mit den Besuchern. Jetzt- beim zweiten Mal – geht’s mir deutlich besser als damals und es stresst mich nicht mehr so sehr…! Trotzdem sollte man im Vorfeld keine Versprechungen machen und im Wochenbett einfach mal so egoistisch sein und an sich denken. Wer das nicht versteht, der ist es auch nicht wert eingeladen zu werden…!

  • Reply
    JesSi Ca
    28. Juli 2015 at 14:02

    Meine liebste Lieblingsbella,
    was für ein toller Text. Ich könnt ihn fast umgedreht schreiben ala „hilfe, Frau im Wochenbett vereinsamt und fällt in ihre ganz persönliche Hölle“, doch meine Frau Mutter verzog sich noch am selben Tag als ich aus dem Krankenhaus kam trotz deutlicher bitte zu bleiben und Angebot das wir die Übernachtungskosten zahlen. Der Mann ging am nächsten Morgen arbeiten, trotz das ich die ganze Nacht durchgeweint hatte und daran zweifelte jemals eine Mutter – geschweigenden eine gute Mutter zu werden…. Sieben Tage die Woche schob ich den Kinderwagen allein durch die Stadt – der Mann arbeitete und baute nach Feierabend unser Haus. Ich will ihm keine Vorwürfe machen – es war einfach der falsche Zeitpunkt, doch diese Einsamkeit tat weh und auch die Mädels aus Wuppertal fanden den Weg nicht zu mir. Der ist noch heute wohl viel weiter von unten nach oben, denn ich schaffe es doch auch immer und da trotz Baby.
    Die Schwiegereltern hätten die Motte genommen damit ich zur Rückbildung kann, wenn ich sie 25 Minuten hin bringe, 25 Minuten zurück fahre, 1 Stunde Rückbildung mache + 15 Minuten umziehen. Dann wieder 25 Minuten zurück. Der Fehler an der Story war dann nur: Die Motte kam alle 1,5 – 2 Stunden für 1 Stunden zum Trinken und ich war nun mal die mit der Milch in den Brüsten. Resultat, ich verzichtete auf die Rückbildung.

    So unterschiedlich es seien kann, der gefühlvolle Umgang mit uns Frauen im Wochenbett ist einfach schwierig.

    Schön das Du das so toll in Worte fassen konntest.
    Ich drücke Dich!
    JesSi Ca

    P.S. Beim nächsten Kind wasche ich Dir alle Wäsche weg – nur bügeln vergessen wir dann einfach :-*

  • Reply
    Klaudia bloggt
    28. Juli 2015 at 20:32

    Von einer die aktuell mittendrin steckt: Nichts fiel mir je schwerer als Besuche auszuschlagen & doch waren das bisher die besten Entscheidungen fûr uns. Die kleine und wir müssen uns doch erst richtig kennenlernen.
    Da wollte ich nicht, dass sie zum Familien- und Freunde-Wanderpokal wird. Sie ist doch noch so winzig und neu…

  • Reply
    Kochana
    29. Juli 2015 at 02:10

    Hey Mädels, Ihr seit einfach klasse!! Ihr schreibt mir aus der Seele!! Es ist schön auch mal zu lesen, dass es nicht nur mir so ging!

    • Reply
      familieberlin
      30. Juli 2015 at 17:12

      Lieben Dank! Ich glaube, gerade der Mut, viele Dinge auszusprechen, fehlt in der Zeit. Und im Nachinein ist er da, aber es ist zu spät. Umso mehr rate ich das heut anderen Bald-Mamas. 🙂 LG

  • Reply
    Shynarja
    29. Juli 2015 at 08:39

    Ganz wunderbar geschrieben.
    Ich hatte das große Glück, dass wir die erst Woche alleine waren und genießen konnten. Jeder der kommenden Besucher hat mir mehrfach versichert gehabt, dass sie Verständnis dafür haben, wenn ich Ruhe haben möchten. So kamen auch nie viele auf einmal. Jede Woche jemand anderes. Das empfand ich ganz angenehm. 🙂

  • Reply
    Mein Brief an mich – die Sommer-Blogparade! - Hebammenblog.de
    30. Juli 2015 at 17:39

    […] In Mein Rat an mich im Wochenbett gibt Bella ihrem jüngeren Ich ein paar echt wertvolle Tipps für ihre etwas zu turbulente Wochenbettzeit. In ihrem Blog Familieberlin geht es Bella um Momente und Begegnungen, die sie festhalten, diskutieren und teilen möchte – meist mit einem lachenden Auge, aber auch mit Offenheit, Ehrlichkeit und Herz. […]

  • Reply
    Geheimnisse aus der Zukunft: Eltern-(Blogger)-Wissen - Hebammenblog.de
    10. September 2015 at 07:55

    […] alle Besucher raus schmeißen und sich einfach nur mit Mann und Kind im Bett einkuscheln. (Bella von […]

  • Reply
    Jana
    17. Mai 2016 at 09:51

    Liebe Bella,
    das hast du wirklich ganz toll geschrieben. Ich hätte mir nach meiner zweiten Geburt gewünscht, dass mir jemand mit meiner Großen hilft (Zoo besuchen, spazieren etc), weil sie trotz intensiver Vorbereitungen sehr eifersüchtig war.
    Ich hatte wegen der wenigen Zeit für sie, immer ein unheimlich schlechtes Gewissen und bekam eine gemeine Wochenbettdepression. Heulen auf Knopfdruck.
    Da ich nach der Geburt schon schnell wieder auf den Beinen war, bekam ich ständig Brustentzündungen. Es war einfach nicht mehr so entspannt wie beim ersten Kind.

    Ich wünsche Dir eine sehr entspannte Kennenlernzeit und verständnisvollen Besuch. Lass Dir helfen, wo es nur geht.

    Ganz liebe Grüße
    Jana

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