Kleinkind

Das Kind is(s)t trotzig: Kleinkind-Verhalten beim Essen

Wochenende in Bildern, Familienleben, Sommerzeit, Sommer, Kinderfest, Garten, Sonne

Neulich saß ich mit miniberlin beim Essen und die junge Dame hatte alles andere im Sinn, nur kein Essen.  Sie nahm ihre Brote auseinander, analysierte die Inhaltsstoffe, kommentierte alles lautstark und wollte es mit mir teilen- nur selbst essen wollte sie nicht. Mittlerweile hatte ich aufgegessen und sogar den Tisch geräumt, der Teller von miniberlin war zwar leerer aber auch chaotischer, sie selbst hatte einiges in den Haaren, der Boden war bedeckt.  Nur gegessen hatte sie nichts. Ich erinnere mich an früher, als ich in so Situationen sitzen gelassen wurde. Im Kindergarten, aber auch mal zu Hause saß ich weit nach dem Essen am Tisch und schaute auf meinen vollen Teller. Damals war ich schon alt genug, dass ich nicht mehr mit dem Essen spielte (und mich eben an die Situation erinnerte), aber nicht aß weil es mir nicht schmeckte. Miniberlins Beweggründe sind noch unklar, da sie aber normalerweise viel und oft isst, wird der Grund ihres Verhaltens ähnlich sein.

Das Kleinkind beim Essen: unberechenbar

12 von 12, 12v12, draußen nur Kännchen, Juni, 2015Damals und auch jetzt frage ich mich, wie ich dann reagiere. Bei einem bin ich mir sicher: niemals würde ich sie am Tisch sitzen lassen, bis sie das, was ich ihr vorgesetzt habe, aufgegessen hat. Das liegt nicht daran, dass ich von meinen Kochkünsten so überzeugt bin. Eher weiß ich, wie es ist, wenn man manche Dinge einfach nicht mag, etwas nicht schmeckt und eben auch, wie es ist, wenn man das essen muss. Nun bin ich aber auch nicht der Typ, der miniberlin dann tausende Alternative vorweist, um sie zum Essen zu bewegen. Denn so schlimm ich diese Zwangsessen auch finde, so wenig will ich sie auf negative Weise verwöhnen.

Deswegen haben wir für uns einen Weg gefunden, mit diesen Spielchen umzugehen. Natürlich auch mit einer kleinen Ausnahme. In der Regel lassen wir sie. Wenn Sie das Angebot nicht mag, dann ist das so. Ich werde ihr dann keine komplette und vor allem aufwendige Alternative anbieten. Gibt es zum Beispiel Nudeln mit Gemüse und Tomatensauce, werde ich ihr dann keine Kartoffeln mit Möhren kochen. Ich weiß aus Erfahrung, Omas neigen dazu, aber ich (noch) nicht. Dennoch biete ich ihr im Rahmen des Angebots Alternativen an. Zum Beispiel pure Nudeln (komischerweise bei Kindern immer beliebt) oder die reine Soße mit Brot oder so. Wenn Sie möchte, darf sie einige Gemüsesorten auch aussortieren. Niemand soll etwas essen, was er absolut nicht mag. Ich koche mir auch keine Kartoffelsuppe mit fettem Speck und denke mir „Au ja, dass habe ich schon immer gehasst“.  So verfahren wir recht gut.

Ohne Abendbrot ins Bett?

imageNimmt miniberlin keinerlei Alternativen an, dann hat sie, so leid es mir auch tut, einfach Pech. Es ist selten bis nie der Fall, dass ich so experimentiere, dass sie nichts davon je gegessen hat. Sie ist manchmal so launisch in ihrer Auswahl, dass sie an einem Tag Käse meidet, am folgenden isst sie sogar Edamer und Cheddar mir lautem „Mhmmmmm“. Manchmal sind Tomaten der Hit, manchmal werden sie auf den Boden geworfen. So ist das. Übrigens lassen wir ihr nie durchgehen, Dinge, die sie nicht möchte, auf den Boden zu katapultieren. So sehr sie auch auf ihrem Teller sortieren und anfassen darf, ein paar Manieren sind auch mit 1,5 Jahren nicht verkehrt. Isst sie dann eben nichts, lasse ich sie später aber auch nicht hungern, denn der Hunger kommt bei ihr garantiert. Irgendwann suche ich mein Kind und finde sie vor dem Kühlschrank. Sie guckt die Kiste an, als wäre sie ein Fernseher.

Übrigens funktioniert es bei uns sehr gut, wenn wir ebenso von miniberlins Teller essen. Sie merkt schnell, dass es dann ja nicht so übel sein kann und probiert selbst. Dann ist der Fressneid erwacht und wir dürfen nichts mehr anrühren. Oder sie fordert aktiv unser Essen ein, denn alles auf anderen Teller sieht immer besser aus. Kennt ihr das?

Ihr wartet nun sicherlich auf die besagte Ausnahme? Klar gibt es die, ich bin schließlich Mama.  Ich persönlich mache, wenn nötig, am Abend die Ausnahme.  Das hatte ich gestern erst. Wenn Sie nun wirklich gar nichts essen möchte, dann kriegt sie doch, nach langem Probieren, eine Banane oder anderes Obst. Die zieht immer. Denn irgendwie grault es mir davor, dass sie nachts plötzlich Hunger bekommt.  Immerhin isst sie sonst ein bis zwei Brote und alles, was von Papas Wurst- und Käseteller fällt.

Wie handhabt ihr das beim Essen? Gibt es Regeln und wenn ja, welche und ab wann?

Liebe Grüße
eure Bella

You Might Also Like

4 Comments

  • Reply
    Julia von Geliebte Ordnung
    21. Juli 2015 at 18:37

    Ja das mit Kleinkindern und dem Essen ist so eine Sache. Unser Bub ist zwar grundsätzlich (fast) alles (nur Rote Beete verachtet er genauso, wie sein Papa), aber am Tisch sitzen bleiben will er deshalb noch lange nicht. Normalerweise ist der Start des gemeinsamen Abendessens für ihn wie ein magisches Signal: Ab jetzt kann ich aufdrehen, den Tripptrapp hoch- und runter klettern, am Boden Auto spielen und sonstigen Unsinn in der Wohnung anstellen. Pünktlich zum Abräumen des Tischs fängt dann das Geheule an, er will essen. Egal, wie oft wir es ihm sagen und wie sehr wir ihn bitten, sitzen zu bleiben, es funktioniert nicht.
    Was klappt:
    1. Wir sind fertig mit dem Essen und drohen, seinen Teller samt Inhalt wegzuschmeißen. Dann will er plötzlich was. Nicht schön, aber effektiv.
    2. Futterneid: Wir essen sein geliebtes Marmeladenbrot auf – manchmal reicht das, um ihn zurück an den Tisch zu bringen.
    3. Andere Kinder: Sitzt er bei der Tagesmutter mit anderen Kindern am Tisch, klappt das Essen einwandfrei. Ob das am Gruppenzwang liegt oder ob sie einfach eine natürliche Autorität besitzt, die wir leider nicht haben?

    Wir kochen übrigens nicht extra für den Buben. Er kriegt genau das, was wir haben. Kleinkindspezifische Ausnahmen (Gerne mal nur nackte Nudeln oder er lässt das Fleisch weg, weil er es an einem Tag nicht mag) gibt es natürlich auch. Was mir total wichtig ist: Kein extra essen kochen. Das will ich lieber gar nicht erst anfangen. Denn was ist, wenn es mehrere Kinder sind, die alle etwas anderes mögen. Kommt Mama dann gar nicht mehr aus der Küche heraus?

    Herzliche Grüße aus Nürnberg,

    Julia

    • Reply
      familieberlin
      21. Juli 2015 at 19:35

      So sehe ich das auch, wenn man einmal anfängt, extra zu kochen, wird das nie was. Futterneid ist wirklich eine seltsame Erscheinung, oder? Kaum esse ich ihr Essen, geht es los. Außer, sie mag es absolut nicht, dann füttert sie mich. Wird bei allem aus Fleisch schwer, denn dann esse ich es nicht. Da bin ich schon auf die Diskussionen gespannt. 😉 Respekt, dass ihr sein Gespiele so aushaltet. Das könnte ich nicht, wobei ich bisher auch nicht in so einer Situation war. Wenn, dann wird nur mit dem Becher gespielt, aber das geht ja noch. Und ich ignoriere manche Sachen einfach. 😉 LG Bella

  • Reply
    Sarah
    21. Juli 2015 at 21:07

    Huhu,
    bei uns gibt es Regeln: es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, muss aber nicht aufgegessen werden. Der Große darf z. B. Nudeln pur essen (nimmt dann aber immer nach 2 min Soße dazu, sodass ich extra aufstehen darf…).
    Abends müssen wir uns unbedingt wieder angewöhnen, dass Brot Standard wird. Wir essen nämlich jeden Abend kalt, außer in (viel zu häufigen) Ausnahmen.
    Dann kann der Sohn auch mal Brot mit Frischkäse und Salami essen.
    Eine Bedingung: bevor er Nachtisch (i. d. R. Naturjoghurt, Obst, mal einen „Kinderjoghurt“ oder mal gar nichts) essen darf, muss eine Stulle verputzt werden. Das klappt ganz gut.
    Ich bin bei der Ernährung theoretisch sehr pingelig und versuche darauf zu achten, dass er nicht nur Süßes oder Fettiges isst. Ich rede mich immer raus: ich muss nicht aufwändig kochen, er aß ja in der Woche gute Sachen in der Kita.
    Baby 2.0 wird auch so behandelt: er bekommt Brothäppchen und ein wenig Gemüse aufs Brett. Was er isst, isst er. Da er noch gestillt wird, mache ich mir abends weniger Gedanken, ob das viel oder wenig ist. Tagsüber isst er super.
    Ich denke, du machst alles richtig. Zwingen bringt eh nichts. Und der Trick, von ihrem Teller zu essen, ist eh der beste. 🙂
    Dit wird schon!

  • Reply
    Petra
    26. Juli 2015 at 22:08

    Hallo,
    Oh was bin ich froh, das anscheinend nicht nur meine Kinder so grausam beim essen sein können;)
    Ich habe hier nicht viele Regeln aufgestellt, Einmal am Tag essen alle zusammen, auch sollen meine Kinder das Essen probieren und nicht von Anfang an sagen, das sie etwas nicht mögen. Lebensmittel die sie schon häufiger probiert haben und die ihnen echt nicht schmecken können sie gerne links liegen lassen oder ich mache ihnen z.b. anstelle Rotkohl ein anderes Gemüse dazu was sie mögen, denn etwas runter zwingen sollen sie ja auch nicht. Ansonsten heissts hier halt , wer ohne triftigen Grund keine normale Mahlzeit mit essen möchte, der bekommt auch keine „ExtraWurst oder Süssigkeiten und co. Bei meinen beiden Jüngsten Kindern (2 und 6 Jahre) klappt das mittlerweile recht gut, leider wollen sich meine Teens mit ihren 17 und 18 Jahren nicht etwas zusammen nehmen und an diese einfachen Regeln halten, so dass ab und an meine beiden Kleinen natürlich versuchen es den Großen nachzumachen, was dann ab und an echt Stressig wird.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: