Familie Kleinkind

Tschüss Ordnung: Abschied vom perfekten Zuhause

Unordnung, Chaos, Kleinkind, Aufraeumen

Ich lese oft auf Blogs Briefe an Menschen oder Dinge, die die Verfasser nie wieder sehen werden. Zeit für mich, mein Resümee mit etwas zu ziehen, was sich aus meinem Leben verabschiedet hat.

Liebe Ordnung,

wir hatten nie ein gutes Verhältnis zueinander. Fragst du meine Eltern, werden sie dir sagen, dass sie dich noch nie gesehen haben. Zwischen all den Büchern, Stiften, Papier und Farben war alles zu finden, nur keine Ordnung. Meine Mama bezeichnete mein Zimmer gern als Müllhalde. Ich fand, es hatte künstlerischen Stil. Seit dem ich nicht mehr zu Hause wohne, haben wir uns besser verstanden. Meine eigenen vier Wände waren nie groß, demnach mussten wir beide gut auskommen, um den Platz besser zu nutzen. Und was, wenn auf einmal Herrenbesuch käme? Du siehst, wir hatten eine gute Zeit in meinen Junggesellinbuden. Doch dann waren wir beide nicht mehr allein. Ein Mann zog ein… und blieb. Nun musste ich dich nicht mehr nur in mein Leben integrieren, sondern auch in seines. Das lief gut, aber nicht immer. Trotzdem hatten wir ein schönes Heim, meistens vorzeigbar und in meinem Verständnis ordentlich.

Das Kind bringt seine eigene Ordnung mit

Unordnung, Chaos, Kleinkind, Aufraeumen

Doch dann kam sie. Das Kind. Die Tochter. miniberlin. Und du gingst, ohne Umschweife. Fange ich an einem Ende der Wohnung an aufzuräumen, ist sie am anderen Ende dabei, ihre eigene Ordnung zu entwickeln. Auf einmal konnte niemand mehr unangemeldet vorbei schauen oder gar über Nacht bleiben. Seitdem schaue ich mich manchmal hier um und frage mich, wo du denn nun steckst. Wem du nun Gesellschaft leistest und warum du es hier nicht ausgehalten hast. So schlimm ist mein Kind nun auch nicht. Immerhin warst du auch in meiner Kindheit präsent. Ich weiß noch, wie mein Zuhause immer ordentlich war, in der Küche stand nie einfach nur etwas rum. Die Fenster waren stets geputzt, die Wäsche gebügelt. Und meine Mama war selbstständig, mehr als Vollzeit und hatte zwei Kinder. Ich habe ein Kind, arbeite nicht ganz Vollzeit, aber oft und könnte einiges hier zu Hause schaffen, dass du, liebe Ordnung, wieder einziehst.

Wie hoch ist mein Anspruch?

Aber will ich das? Möchte ich denn eine lupenreine Küche, perfekte Wäsche und Böden, von denen mein Kind essen kann? Nicht, dass es sich durch etwas Staub davon abhalten ließe, ihre Reste vom Boden zu suchen. Sicherlich, anders wäre schöner. Ordentlicher eben. Doch zu welchem Preis? Ich bin da ehrlich: ich bin egoistisch. Nicht gegenüber meinem Kind, sondern gegenüber dem Haushalt. Ich habe keine Lust, nach einem Arbeitstag gleich den Geschirrspüler zu bespaßen oder die Wäsche zu sortieren. Ich möchte mit meinem Kind spielen. Oder auch nur auf dem Boden liegen und miniberlin beim Spielen zuschauen. Denn hey, ich bin auch keine Übermutter und habe nach der Arbeit noch unendlich Energie für kreative Spiele. Zumindest nicht täglich.

Du merkst liebe Ordnung, wir werden uns wohl eine Weile nicht mehr täglich sehen. Sonntags vielleicht mal oder vor Familienfeiern. Manchmal wirst du uns auch einen Blitzbesuch abstatten, wenn jemand „spontan“ vorbei kommt. Aber mittlerweile habe ich nicht mehr den Drang, dass du hier stets präsent bist. Ich lebe schließlich zu Hause und nicht in einem Möbelhaus. Ich möchte, dass Menschen sehen, dass hier Kinder leben, nicht nur da sind. Da wird es sicherlich noch den ein oder anderen Strich an der Wand geben, einen Kratzer mehr auf dem Wohnzimmertisch und einen Wäschekorb in der Ecke. Das finde ich nicht schlimm.

Es war schön mit dir und ab und zu sehen wir uns ja noch.

Liebe Grüße
deine Bella

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4 Comments

  • Reply
    Nathalie
    6. Mai 2015 at 09:01

    Danke, dass es nicht nur mir so geht! Bei uns hat sich die Ordnung auch verabschiedet. Und ich habe vor dem Chaos kapituliert (darüber hatte ich auch mal auf meinen Seiten geschrieben). Und ich tue es gerne, das Kapitulieren, denn, wie Du so schön sagst: Wir sind kein Möbelhaus. Wir leben hier. Und es ist für das Zusammenleben nicht eben förderlich, wenn man alle fünf Minuten sagt „Heb das auf“ oder ständig mit einem Wischfeudel hinter den Kindern herläuft. Bei uns bleibt vieles liegen, weil wir nachmittags einfach Wichtigeres zu tun haben. Zu Spielen etwa. Oder Vorlesen. Aufräumen kann ich ,wenn ich in Rente bin!

    • Reply
      familieberlin
      6. Mai 2015 at 09:25

      Aber erstaunlich, wie sich auch die Ansichten ändern, oder? Früher war alles immer perfekt, der Haushalt musste glänzen. Heut wollen Frauen/Mütter das nicht mehr. wir sitzen lieber mitten im Chaos und bauen auch einen Turm aus Klötzern. 😉

  • Reply
    mamAhoi
    6. Mai 2015 at 12:42

    Eeeeeendlich habe ich Hoffnung, dass der Tag kommen wird, an dem ich das Chaos einfach akzeptieren werde 🙂 Danke dafür!!!!!

  • Reply
    Anja
    25. Mai 2015 at 14:26

    *Herrlich* , einfach herrlich 🙂 . Ein großes Dankeschön an dich !

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