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Blogparade: Über die Veränderung von Freundschaft- von HDL zu Funkstille

Am Wochenende habe ich mein Zimmer aufgeräumt. Mein Kinderzimmer bei meinen Eltern. Ja, das gibt es noch und wenn ich es betrete, ist es etwas wie eine Zeitreise. Da steht mein Schreibtisch und in den Schubladen sind noch die letzten Ordner meiner Schulzeit, die Abi-Übungen und Bücher. Im Schrank sind noch meine Farben und Leinwände aus der Zeit, in der ich noch viel gemalt und gezeichnet habe. Nur der Kleiderschrank ist etwas leerer, denn meine Klamotten habe ich damals, vor zehn Jahren, mitgenommen. Die meisten. Doch einige Schätze finde ich darin noch. So zum Beispiel unser Abi-Shirt, welches wir damals in vielen Diskussionen entworfen haben oder eben das Basecap, welches ich an unserem letzten Schultag trug. „Abi 2005“ steht drauf und allen, die nun anfangen wollen, mein Alter auszurechnen, helfe ich etwas: ich war 13 Jahre in der Schule und wurde mit 7 eingeschult. Jedenfalls haben damals, an diesem Tag, das Basecap viele viele Leute unterschrieben. Wir waren ein großer Jahrgang, sogar die Innenseite wurde genutzt. Was sofort an diesem Basecap auffällt sind die lieben „Worte“, die fast jeder für mich hatte. HDGDL, HDL, Forever Friends und Love you. Man könnte meinen, wir waren ein herzlicher Jahrgang und eine feste Truppe. Das waren wir auch. Waren. Denn so groß unsere Liebe zueinander damals war und wie fest wir uns vorgenommen haben, in Kontakt zu bleiben, so habe ich doch heut zu kaum jemanden mehr Kontakt. Vielleicht eine Nachricht alle paar Wochen, Glückwünsche zu Geburten oder Hochzeiten oder Likes bei Facebook.

Wochenende in Bildern, Großeltern, Familienzeit, Leben mit Kleinkind, Veränderung von Freundschaft
Beim Ausmisten entdeckt und vom Kind beschlagnahmt: Mein Basecap aus Abizeiten

Das ist schade, aber nicht zu ändern. Mich bringen diese ganzen Buchstaben aus Freundschaftsbeteuerungen eher ins Nachdenken: Wie schnell habe ich damals Freunde gefunden und Leute ins Herz geschlossen, bin mit ihnen Arm in Arm durch die Straßen gezogen oder nachts mit ihnen an den See. Einige kannte ich davon gut, viele weniger. Und trotzdem waren wir alle irgendwie Freunde. Heute ist das nicht mehr so. Ich habe mir schon einmal Gedanken über Freundschaften und ihre Veränderungen gemacht und ich mache es wieder. Denn das Thema begleitet mich stark, so stark sich Freundschaften um mich verändern. Freundschaften ändern sich heute noch mehr als zu Schulzeiten. Früher war man schnell bei einem HDL, heute bringe ich das Wort FreundIn kaum über die Lippen, weil ich im Kopf noch abwäge, ob es nicht nur Bekannte sind. Ich bin vorsichtiger geworden, wenn es um Freunde geht. Wenn ich versuche, zu greifen, wie viele Freunde ich habe, komme ich auf eine überschaubare Zahl, vielleicht eine Hand voll. Bekannte habe ich dagegen endlos. Wenn es jemand in die Kategorie „Gute Freunde“ schafft, hat er es bei mir weit gebracht, den Status des besten Freundes vergebe ich seit der 10. Klasse nicht mehr. Denn damals habe ich mich in den verliebt, es ist gescheitert und damit habe ich auch zusätzlich die beste Freundin verloren, die damit nicht einverstanden war.

Ich finde diese Veränderungen der alten Freundschaften von damals erstaunlich. Von beste Freunden zu keinen Freunden, weil man sich nicht mehr täglich sieht. Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber die Veränderung von Freundschaft und deren Stellenwert im Leben ist noch erstaunlicher. Mit Kindern sind Freunde zwar immer noch wichtig, aber man hört sich nicht mehr täglich, schreibt sich immer alles und sofort. Man verliert es etwas aus den Augen. Ich verliere es etwas aus den Augen. Das tut mir leid. Und ein bisschen möchte ich mich auch dafür entschuldigen. Ich möchte nicht, dass aus den wenigen wichtigen Freundschaften in meinem Leben leere Bekenntnisse im Kleiderschrank werden wie aus denen meiner Schulzeit. Ich möchte, dass meine Freunde wissen, dass ich trotzdem oft an sie denke, auch wenn ich mich nicht melde. Ich bin mir einfach auch mal sicher, dass es ihnen ähnlich geht, wenn sie sich mal einige Tage nicht melden oder nicht sofort auf Fragen reagieren. Denn auch sie haben Kinder. Und wenn sie keine Kinder haben, dann haben sie andere Dinge, mit denen sie die mir endlos erscheinende Freizeit füllen. Umso mehr freue ich mich dann auf gemeinsame Momente. Und wenn wir diese Momente hatten und ich wieder fröhlich nach Hause wackle, denke ich mir: Ach ja, die hab ick lieb. Ich schreibe es mir nicht mehr auf die Mütze, aber ich weiß es, tief drinnen. Dieses Thema begleitet mich schon lang und ihr werdet auch sicherlich noch häufiger darüber bei mir lesen. Haben sich Freundschaften bei euch verändert? Wodurch, durch Kinder, Partner oder durch euch selbst? Schreibt, wie sich Freundschaften bei euch verändert haben und macht bis zum 20.6. bei meiner Blogparademit . Habt ihr keinen Blog, kommentiert einfach oder mailt mir. Passend zum Thema ist übrigens der aktuelle Podcast „Mutterskuchen“ der lieben Frau Mierau und Alu Berlin und der dazugehörige Artikel von der lieben Alu, in dem Sie das Schließen neuer Freundschaften hinterfragt.

So, nun muss ich schnell einer alten Schulfreundin zum Geburtstag gratulieren. Das hätte ich nicht mehr gewusst, wenn mich facebook nicht daran erinnert hätte. Schade eigentlich.

Liebe Grüße
Eure Bella

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Hier schreibt Bella (30), Mama von miniberlin (*02/2014) und babyberlin (07/2016) und verheiratet mit herrnberlin. Ich schreibe mit Herz, weil ich es liebe. Manchmal witzig, immer ehrlich und offen. Abonniere auch meinen Newsletter und bekomme so neue Artikel direkt per Email.
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