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Mir reicht’s, ich will nach Bullerbü!

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Es ist nicht nur mir aufgefallen, dass 2016 ein bescheidenes Jahr ist. Viele Menschen sind in den vergangenen Monaten von „uns“ gegangen, gefühlt mehr als in den letzten Jahren zusammen. Das blöde K. scheint einer der häufigsten Gründe, oder kommt mir das nur so vor? In den letzten Tagen kommen Anschläge, Amok, Selbstmord und Putschversuche hinzu, auf die lange Liste der „TOPX der beschissensten Dinge 2016“. Sollte ein privater Sender eine Show damit planen, würde diese wohl schon Stunden dauern. Mein News-Ticker auf dem Handy kriegt sich nicht mehr ein. Täglich drängt sich etwas neues hinzu, eine neue Tat, ein neues Unglück. Mein Kopf ist voll davon, mein Herz ist schwer. Wenn ich mein Telefon höre, denke ich nicht mehr: „Na, wer schreibt mir wohl?“, nein. Mein erster Gedanke ist: „Was ist nun schon wieder passiert?“

Langsam wird mir bange. Nicht um mich, sondern um diese Welt. Denn die Taten sind häufiger, doch was wird die Reaktion darauf sein? Die Politik wird reagieren, wir werden reagieren. Doch wie? Und vor allem, was macht das aus uns und unseren Kindern? Aktuell müssen wir lernen, mit der Angst vor zum Beispiel Anschlägen zu leben. Unsere Kinder müssen das wohl nicht lernen, für sie wird diese Angst im Zweifel selbstverständlich sein. Vielleicht werden sie nicht bis spät abends barfuss durch die Stadt laufen, Limonade trinken und Gummihopse spielen. Weil wir sie nicht lassen. Sie können vielleicht nicht am Nachmittag allein an den See fahren und dort ihre Freunde treffen, die Zeit fürs Heimkommen auf „Wenn es Dunkel wird“ beschränkt. Weil wir sie nicht lassen. Werden sie sich später nur Sorgen um ihre Noten machen müssen und ihrer erste Liebe? Ob ihr Schwarm sie auch bemerkt hat und ob sie von Mama und Papa den größten Wunsch zum Geburtstag erfüllt bekommen? Oder wird da noch mehr sein, große Sorgen oder sogar Angst? Ich wünsche es ihnen nicht, ich wünsche ihnen ein klein bisschen mehr Bullerbü in ihrem Leben!

Und auch in meinem!

Ich hatte es, dieses Bullerbü-Gefühl und doch ging es zu schnell vorbei. Oder habe ich es nicht richtig genossen? Hätte ich mehr davon haben können?

Die Zeiten, in denen die kommende Englischklausur das größte Problem war – die wünsche ich mir manchmal zurück. Ich weiß noch, dass ich mir damals endlich das „echte“ Leben gewünscht habe. Doch hätte ich gewusst, dass das GROSSE Leben auch eine ganze Bandbreite an großen Problemen mit sich bringt, hätte ich die kleine Sorge vor der Klausur etwas mehr genossen. Es sind nicht mal meine Probleme, es sind die vieler, anderer aber auch unserer. Es ist das Leben. Es war damals weiter weg, in Bullerbü. Probleme waren da, aber nicht permanent präsent. Ich habe selektiert oder sie ignoriert. Ich weiß es nicht mehr. Aber dieser gewisse Abstand zu den großen Problemen, manchmal wünsche ich mir den. Mein Nokia 6310 konnte damals keine Push-Nachrichten empfangen, es gab keine Netzwerke, in denen Anteilnahmen, Gesuche und ein Safety-Status geteilt wurden. Es gab uns. Mit Gummihopse, Kaugummischlangen kurz vor der Dämmerung. Es gab zusammengebundene Schnürsenkel und der Wunsch, morgen nicht an den „bösen“ Jungs an der Bushaltestelle vorbei zu müssen.

Das war mein Bullerbü, da draußen. Ich muss es mir wohl etwas bewahren. Ein Grund mehr, es in Erinnerung zu rufen. Also Kinder, auf nach Bullerbü!

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