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Mit und Ohne: Und in diese Welt setze ich Kinder?

Gemeinsam mit meiner Freundin Eni vom Blog Thirty Ehrlich habe ich eine kleine Serie: Mit und Ohne. Eni lebt ein Leben ohne Kind, ich- wie ihr wisst- ein Leben mit Kind. Ich frage mich öfter, wie das so ist, ohne Kind, z.B. in Urlauben oder bei Freundschaften. Und genau darum geht es hier. Denn Eni hat diesselben Fragen- nur andersrum. Wir schreiben einmal im Monat gemeinsam über ein Thema- die eine mit, die andere ohne Kind. Dieses Mal geht es um ein ernstes Thema, welches wohl immer aktuell sein wird: Was passiert nur in dieser Welt? Und möchte ich darin Kinder setzen?

Ich weiß nicht, wie lange es schon so ist, aber seit geraumer Zeit schaue ich Nachrichten und denke mir oft dabei: Und in diese Welt setze ich Kinder? Mhm… habe ich mir das auch gut überlegt? Bei den Schlagzeilen, die mittlerweile jeden Tag bestimmen, können einem auch Zweifel kommen. Anschläge, Kriege, Terror und Katastrophen. Egal wo, egal wann, irgendwas passiert immer. Und neben diesen Gedanken um mein Kind, bin ich auch insgeheim immer dankbar, dass ich bisher zur rechten Zeit am rechten Ort war. Ich erinnere mich noch genau, wie ich am 13. November Angst um meine Freunde in Paris hatte. Was, wenn sie am falschen Ort waren?

Was, wenn ich irgendwann einmal um mein Kind bangen muss. Will ich das? Hätte ich es nicht verhindern können, indem ich auf Kinder verzichte. Ich meine, die Nachrichten sind ja nicht erst seit gestern so alarmierend und besorgniserregend. Hätten wir im Frühjahr 2013 einfach anders entschieden, müsste ich mir heut nicht doppelt Gedanken machen- um mich und mein Kind. Egal in welcher Situation und welchem Alter. Überwiegen vielleicht irgendwann die Sorgen statt der Freude? Wenn mein Kind allein zur Schule gehen möchte, oder abends Feiern geht? Was, wenn sie mal eine Weltreise machen will?

Die Unbeschwertheit der Kinder zeigt uns pures Glück

Doch so sehr ich mich auch an meine Gedanken nach den Anschlägen von Paris erinnere, so sehr habe ich auch meine Gefühle am darauffolgenden Morgen im Kopf. Wie ich, immer noch traurig und unsicher, die Nachrichten verfolgte und dabei miniberlin beim Spielen zusah. Wie sie da saß, in ihrem Blümchenschlafanzug, der ihr zu groß ist. Mit ihrem Zauselkopf, weil sie gerad erst aufgestanden ist. Sie saß im Wohnzimmer und sortierte ihre Bausteine, sie fütterte ihr Äffchen und brabbelte vor sich hin. Und immer wieder blickte sie in ihrem Spiel auf, schaute mich an und lächelte ihr freches Nasekraus-Grinsen. In diesem Moment ging mir vor allem ein Gedanke durch den Kopf:

Wie sie da so saß und sich in ihrer kleinen perfekten Welt verlor, wurde mir klar: genau dafür setze ich ein Kind in die Welt. Ich setze ein Kind in die Welt, um zu wissen, dass nicht alles schlecht ist. Ich will einen kleinen Teil davor bewahren, böse und unsicher zu sein. Und ich habe die kleine Hoffnung, dass ich mein Kind zu einem guten Menschen erziehen kann. Ich möchte ihr Werte und Vorstellungen einer Welt mitgeben, in der das Gute im Menschen wichtig ist. In der es nicht um Hass und Feindseligkeit geht, wo Ablehnung keinen Platz hat und Toleranz unerlässlich ist. Und ja, ich weiß, dass diese rosa Blümchen-Vorstellung nicht funktionieren muss. Dass auch mein Kind auf die schiefe Bahn geraten kann. Nur, weil ich es gestillt habe, ihre Hand beim Einschlafen halte, immer auf ihre Bedürfnisse reagiert habe und sie in allem unterstütze, was ihr wichtig ist, heißt es nicht, dass mein Kind GUT sein wird. Aber sie kann es. Wenn sie möchte. Denn ich weiß, dass ich ihr gezeigt habe, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein und offen zu sein, für den Menschen, der sie ist. Ich kann sie nicht vor Fehlentscheidungen bewahren und auch sie wird Dinge tun, die nicht korrekt oder sogar verboten sind. Trotzdem liegt in jedem Kind aber die Chance, ein guter Mensch zu sein. Und zu bleiben.

Doch was sagt Eni dazu, so ohne Kinder? Sie hat sich zwar nie bewusst gegen Kinder entschieden, aber ist sie dankbar für die Entscheidung der Natur in der heutigen Zeit? Hier geht es zu ihrem Beitrag:

Es ist schizophren, aber hätte ich jetzt die Wahl, würde ich mich vielleicht gegen ein Kind entscheiden. Klar, das sage ich, weil ich es kann und nicht besser weiß. Aber ich könnte es einfach nicht ertragen, mir ständig diese unerträglichen Sorgen machen zu müssen.

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3 Comments

  • Reply
    Sarah
    11. Dezember 2015 at 09:30

    Ich verstehe deine Gedanken. Mir geht es oft so ähnlich. Gerade wenn ich an das so oft fehlende Umweltbewusstsein denke. Wir haben hier gerade einen so milden Dezember und ich habe Angst davor, was sein wird in einigen Jahren. Selbst wenn ich selbst versuche umweltbewusst zu leben, merke ich doch, dass mein einzelner Beitrag nichts ändern kann. Ich habe Angst, dass meine Kinder mal an einer Umweltkatastrophe sterben werden, weil die Welt wahrscheinlich zu spät erkennen wird, dass das was hier so oft passiert, die Zukunft unserer Kinder zerstört. Mein Weg ist es einfach im Hier und Jetzt zu leben. Ich vertraue nicht mehr darauf, dass in 10 Jahren hier alles noch so sein wird wie jetzt. Ich hoffe es zwar, aber wenn ich zusätzlich eben noch die ganzen Kriege und so bedenke, die auch immer näher an unser „sicheres Deutschland“ heranrücken, kann ich nicht mehr wirklich daran glauben, dass es so sein wird. Aber jetzt gerade ist noch alles gut: wir leben hier in einer sicheren Umgebung. Wir können momentan ein wunderschönes Leben haben und ich versuche mir so viel Mühe wie möglich zu geben, dass es so bleiben wird. Aber den Glauben daran, dass unsere Welt noch lange so sicher und schön sein wird, den habe ich leider nicht mehr.

  • Reply
    Andrea vom Runzelfüßchen Blog
    11. Dezember 2015 at 13:18

    Ich kann deine Gedanken so gut nachempfinden. Und denke irgendwie, dass auch die Terroristen doch von irgendwem großgezogen und hoffentlich geliebt wurden. Wir können unsere Kinder vor nichts bewahren, eben weil sie ja auch eigene, wichtige Erfahrungen machen sollen. Es bleibt wohl nur Vertrauen zu haben, so, wie unsere Eltern es auch in uns setzten.

    Liebr Grüße,

    Andrea

  • Reply
    Hanna
    17. Dezember 2015 at 21:53

    Das hast du so wunderschön geschrieben, dass man da gar nicht mehr viel zu sagen kann. Gar nicht viel sagen muss!
    http://familiert.de

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