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Vereinbarkeit von Job und Familie: Unsere 7 Tipps im Familienleben

Kennt ihr diese Sprüche noch aus der Kindheit? „Wers zuerst gerochen, dem ist es aus dem A**** gekrochen…Wer’s zuerst gesehen, dem ist es geschehen.“ So oder so ähnlich fühlte ich mich neulich, als ich miniberlin morgens aus dem Bett nahm und sofort merkte: Die is heiß. Mist. Das Fieber haben herrberlin und ich beide bemerkt und wir wissen beide, einer wird mit miniberlin zu Hause bleiben. Den ersten Schritt wagt aber niemand, jeder wägt innerlich seine Termine ab. „Hast du nicht gesagt, du hast heut keine externen Termine?“, „Kannst du nicht morgen nach Dresden fahren?“ Jeder versucht dem anderen seine Flexibilität aufzuzeigen. Am Ende steht, wie so oft in einer Ehe und auch im Familienleben, der Kompromiss- für beide. Du heut vormittag, ich komme nach dem Essen heim. Während miniberlin schläft, kannst du arbeiten. Geht doch, oder? Ja, es geht- oft. Unsere Vorzeige-Vereinbarkeit ist nicht immer so ausgeglichen und sie war ein langer Weg. Denn dass herrberlin so bereitwillig und schnell seine Termine ändert, hätte ich früher nie gedacht.

Vereinbarkeit von Job und Familie: Unsere 7 Tipps im Familienleben

Zur Vereinbarkeit gehören zwei

Herrberlin arbeitet gern. Einher geht damit dann natürlich auch, dass er viel arbeitet. Doch seitdem er papaberlin ist, hat sich was verändert. Wo er früher um 7 Uhr losfuhr und selten vor 20 Uhr daheim war, fährt er heut um 8 Uhr und sitzt mit uns oft gemeinsam um 18 Uhr beim Essen. Jetzt könnte man ketzerisch sagen: da lässt er wohl total viel liegen. Nein, tut er nicht. Denn so wie sich seine Prioritäten geändert haben, hat sich auch sein Zeitmanagement angepasst. Er sitzt nun nicht mehr Mittags eine Stunde unterwegs und bearbeitet seine Mails- das macht er nachdem das Kind im Bett ist. Er fährt morgens eine Stunde später los, um miniberlin in den Kindergarten zu bringen, dass ich früher anfangen kann. Denn wenn ich um 7 Uhr im Büro bin, kann ich ihn um 13:30 Uhr ablösen, wenn das Kind krank ist. Schön ist anders, aber es geht ja hier um unsere Vereinbarkeit.

Ich habe mir bevor wir Eltern wurden, wenig Gedanken um Arbeitsmodelle und gemeinsame Kalender gemacht. Letzteres brauchte ich nur, um unsere Urlaube zu planen. Heute gucke ich fast täglich nach, um unsere Arbeit mit dem Familienleben zu vereinbaren. Und ja, manchmal schaue ich auch nach, um Urlaube zu planen.

7 Tipps für Vereinbarkeit von Job und Familie

Wie so oft, ändert sich vieles mit Kind, doch diese Sache mit der Vereinbarkeit, die taucht dann erst auf. Wir haben für uns heraus gefunden, wie es am besten klappt, denn es liegt nicht an einem, sondern an allen. Was uns dabei hilft?

  1. Reden. Ganz wichtig und unerlässlich. Keine Überraschung, oder? Aber dennoch: wenn ihr merkt, oder denkt, dass euer Alltag, euer Job und eure Aufgaben zu kurz kommen, um Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen, dann müsst ihr mit eurem Partner sprechen. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich diejenige bin, die Abstriche macht. Nachdem ich es ansprach, kamen einige Missverständnisse ans Licht, aber auch eine andere Sichtweise bei herrnberlin. Seitdem können wir beide viel besser damit umgehen- und planen.
  2. Organisation. Schafft euch einen gemeinsamen Kalender an. Eigentlich bin ich ein Mensch, der malen, streichen und schreiben muss. Papierkalender habe ich geliebt. Blöd nur, dass in dem nicht automatisch die Termine anderer auftauchen. Also musste ich von meinem Filofax Abschied nehmen und habe mit herrnberlin einen gemeinsamen Kalender. Darin tauchen wichtige Termine seinerseits auf, gemeinsame Dinge und auch meine Meetings trage ich ein. Dank unterschiedlicher Farben sehen wir, wer was macht. Da wir so auch unterwegs einsehen können, wer wo ist, können wir schneller entscheiden, ob wir einen Termin wahrnehmen können, als wenn wir abends erst darüber reden. Denn mal ehrlich: da vergisst man auch mal was. Apropos vergessen: gemeinsame Listen für Einkaufen, Geschenke und Co helfen auch ungemein.
  3. Priorisieren. Jeder denkt, sein Job ist wichtig. Jeder denkt, dass der andere mal zurückstecken muss. Und jeder denkt, dass der andere die jeweilige Situation doch ähnlich einschätzen muss. Ganz ehrlich: nee. herrberlin und ich sind oft aneinander geraten, weil er meinte, mein Termin wäre unwichtig oder ich glaubte, er könnte doch bitte früher nach Hause kommen. Aus Wolfsburg. OK, nun bin ich in Geografie eine Niete und weiß kaum, wie lang er von dort nach Hause braucht und er kennt meine Kollegen und Partner nicht gut genug, um zu wissen, dass der Termin mit dem neuen Vorstand von X wirklich wichtig ist. Deswegen auch nochmal ein kleiner Hinweis auf Punkt 1- redet miteinander. Wenn diese Dinge klar sind, lässt es sich viel einfacher priorisieren. Vielleicht ist der Newsletter-Text wichtig und das Gespräch beim Partner muss bis Ende des Monats sein. Aber vielleicht nicht alles an einem Tag, so dass das Kind theoretisch bis 18 Uhr im Kindergarten sein müsste.
  4. Kompromisse. Wenn wir Prioritäten gesetzt haben, bleibt automatisch einer auf der Strecke. Das ist nicht schlimm- wenn seine Arbeit trotzdem noch Raum bekommt und der Partner die Möglichkeit hat, seinen Job zu machen. Ich sage nicht, wann und ich rede auch nicht von dringenden und wichtigen Deadlines. Trotzdem sollte man auch mal zurück stecken. Und wenn es beruflich nicht geht, dann vielleicht in der Freizeit. Dann gehe ich eben nicht abends zum Yoga oder treffe mich mit meiner Freundin. Der Pokerabend der Männer kann auch einmal ausfallen, wenn ich dafür meine Dienstreise machen kann. Jedoch ist uns wichtig, dass diese Kompromisse halbwegs ausgewogen sind. Es darf nicht immer nur einer zurückstecken. Allen sollte klar sein, dass sie mal dran sind.
  5. Wertschätzung. Gerade, wenn eine harte Zeit bevor steht, in der klar ist, dass einer lange zurück stecken muss, weil der andere viel unterwegs ist, sollte das nicht als selbstverständlich angesehen werden. So weiß ich, dass die kommenden Wochen nicht witzig werden, weil herrberlin viel unterwegs sein wird. Trotzdem weiß ich auch, dass er das zu schätzen weißt. Ok, er bringt mir nicht immer Blumen und Pralinen mit, aber er sagt Dankeschön. Er versucht, die wenige Zeit, die er um seinen Job in den kommenden Wochen hat, noch so einzuteilen, dass auch ich meinem Job nachgehen kann, wenn der mal anderswo stattfindet.
  6. Freiraum. So wichtig dieses Vereinbaren und Absprechen auch ist. Wenn man nach einem langen Tag nach Hause kommt, vielleicht miese Termine hatte oder einfach viel gearbeitet hat, dann möchte man zu Hause einmal kurz Luft holen. Ich meine damit nicht einen komplett befreiten Abend von familiären Aufgaben- mal ehrlich, das kriegt niemand hin. Aber zehn Minuten Ruhe, umziehen, vielleicht ein Tee und eine Umarmung statt Aufgaben und Vorwürfen. So wünsche ich mir das, ich denke, herrberlin denkt da ähnlich. Wo wir zum letzten Punkt kommen.
  7. Reflexion. Im ganzen Hin und Her um Termine und Zeitdruck vergessen wir vielleicht manchmal die gute Kinderstube und den netten Ton. So geht es mir ab und zu, das muss ich zugeben. Dann sage ich etwas, ohne vorher nachzudenken und schon ist es zu spät. Dabei bin ich sonst ein Mensch, der viel darüber nachdenkt, wie ich möchte, dass man mit mir umgeht und so handle ich dann auch anderen gegenüber. Das sollte auch in Punkto Vereinbarkeit nicht zu kurz kommen.

Diese Punkte waren ein langer Weg und ja, wir waren uns auch nicht immer einig. Ok, ehrlich: wir sind uns auch heut nicht immer einig, vor allem was das Priorisieren angeht. Aber dann gehen wir wieder an Punkt eins zurück und reden. Soll helfen- habe ich gehört.

Wie verbindet ihr eure Jobs und das Familienleben? Vielleicht habt ihr Familie vor Ort, die euch unterstützen? Das ist bei uns nicht immer so, deswegen habe ich das nicht explizit aufgeführt. Wobei uns meine Mama oft unterstützt. Habt ihr sonst noch Tipps zur Vereinbarkeit?

Liebe Grüße
eure Bella

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8 Comments

  • Reply
    Evelyn
    10. September 2015 at 09:14

    Ich merke gerade, dass diese Dinge auch gelten, wenn nur einer arbeitet und der andere zu Hause bleibt… 🙁

    • Reply
      familieberlin
      10. September 2015 at 09:16

      Das mag sein. Denn der, der daheim ist, möchte auch mal Freizeit und hat sicherlich den Anspruch, „nur“ weil er daheim ist, für alles dort verantwortlich zu sein. Die Absprachen, Wertschätzung und auch Priotitäten müssen trotzdem sein. Ich kenne das noch aus der Elternzeit. Aber da fällt man schnell in den Trott zurück.

  • Reply
    jakobsblog
    10. September 2015 at 09:19

    Guter Text! Auch wir nutzen seit Jahren den gemeinsamen Kalender mit verschiedenen Farben auf Smartphone und Tablet. Das hilft. Respekt und Anerkennung hilft. Miteinander reden hilft am meisten. Aber nicht spät nachts, da herrschen irrationale Argumente, Vorwürfe und Müdigkeit vor. Besser beim Frühstück, nachdem die Kinder in die Kita gebracht wurden.

    • Reply
      familieberlin
      10. September 2015 at 09:34

      Oh ja, Abends geht gar nicht. Der Mann hat auch Verbot, mit mir dann darüber zu reden, da ich das dann nachts verarbeite und ständig wach werde. 😉 Wir machen das beim Abendessen, auch mit Kind dabei.

  • Reply
    caro
    10. September 2015 at 14:09

    Ach ja, dieses schwierige Thema. Obwohl mein Freund (Student und Teilzeit-Arbeitender) und ich (Vollzeit-Arbeitende) versuchen, alle diese Punkte in unserem Alltag umzusetzen, finde ich es trotzdem nicht richtig vereinbar. Für mich gibt es diese Vereinbarkeit gar nicht. Irgendetwas ist immer: Kita schließt zu früh, keine Familie in der Nähe, ein Partner, der das Kind immer bringen und abholen muss und einer, der es nie schafft, so sehr man sich auch darum bemüht. man braucht schon wirklich verdammt viel Glück, damit alles gut zusammenpasst. Mein Ziel ist es auf jeden Fall, dass beide (gleich viel) weniger arbeiten, sodass man nicht jede Woche von Neuem vor diesem Riesenberg an Entscheidungen sitzt: Wer holt wann das Kind ab? Wer kümmert sich um Babysitter an Tagen X und Y, weil keiner von uns kann? Usw. Das ist eine anstrengende Zeit, die hoffentlich irgendwann einfacher wird. Nicht jeder hat das Glück, einen gut bezahlten Teilzeitjob zu haben.

  • Reply
    Carolin
    10. September 2015 at 22:58

    Hallo Bella, dein Bericht gefällt mir! Da sieht man mal wieder, wie wichtig Kommunikation ist. Deinen Tipp mit dem gemeinsamen Kalender finde ich gut. Da spart man sich viel Zeit. Ich bin zurzeit noch in Elternzeit, starte aber 2017 wieder in meinen Job. Wir unterhalten uns aber jetzt schon viel darüber, wie wir was managen wollen. Ob das so funktioniert, werden wir sehen. Aber deine Tipps werde ich auf jedenfall im Hinterkopf behalten 🙂

  • Reply
    emmaundlukas
    11. September 2015 at 11:35

    Hallo,
    ihr löst das toll, bei uns ist es beruflich leider wenig flexibel zu gestalten, einer muss komplett zu Hause bleiben. Das wird dann aber konsequent abgewechsel. Ein paar Tage Fieber- Papa macht die Kind-krank-Tage, dann mal wieder Pseudokrupp- Mama macht die Kind-krank-Tage usw. Das klappt ganz gut.
    Würdest du mir sagen wie euer Kalender heißt, ich suche schon eine Weile nach so etwas, aber bin bisher nicht zufrieden.

    Liebe Grüße, Heike

  • Reply
    Martina
    17. Juni 2017 at 11:50

    Ich denke,bei einigen (vielen) Jobs gibt es keine Vereinbarkeit und kein Teilen. Was,wenn der Mann (oder die Frau – was ehrlich gesagt selten der Fall ist) Partner einer Anwaltskanzlei ist oder CFO eines Unternehmens oder als Unternehmensberater 3 von 5 Tagen (im besten Fall) unterwegs ist. Dieser verdient dann natürlich auch das überwiegende Geld. Da muss dann der andere Teil eigentlich immer zurück stecken… Würde gerne wissen,was das für Jobs der Männer sind,die diese Flexibilität erlauben uns wie der Arbeitgeber darauf reagiert. Etwas ernüchternde Grüße

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