Elterntattoo

Elterntattoos: Die Körper.Bilder von kiddo.the.kid

Heute habe ich wieder tolle Bilder auf der Haut und noch tollere Geschichten dazu. Liz vom Blog kiddo.the.kid zeigt ihre #elterntattoos. Bisher kenne ich Liz nicht persönlich, ich wurde auf sie und ihren wirklich tollen Artikel über Körper.Bilder aufmerksam gemacht. Lesenswert, genauso wie ihr Interview. 

Wie viele Tattoos hast du?
Oh, das kann ich gar nicht sagen. Teilweise sind diverse einzelne Tätowierungen weiter „gewachsen“, und am Ende ist es dann ein ganzer Körperteil. So geschehen bei meinem linken Arm und dem Rücken, aber die Tendenz bleibt. Generell würde ich sagen: Ich bin schon ziemlich umfangreich tätowiert. Das fällt mir immer auf, wenn ich gerade mal nicht in Berlin bin – so üblich wie hier ist das nämlich sonst eher selten.

Wann hast du dein erstes Tattoo machen lassen und warum?
Das war die klassische Jugendsünde. Ich wollte meinen Freund beeindrucken, glaube ich. Und weil ich schon lange ein Faible für Tätowierungen hatte, bin ich dann spontan zu einem echt miesen Laden und habe mir ein echt scheußliches Tribal auf den Knöchel machen lassen. Aber hey – das waren die Neunziger. Und mittlerweile ist da ein schönes Cover-Up drüber, also gibt’s nicht wirklich was zu bereuen.

Was sagen deine Eltern dazu?
Mein Vater sagt überhaupt nichts. Meine Mutter findet es scheiße. Ich glaube, sie reißt sich zusammen, um nicht jedes Mal etwas dazu zu sagen, aber innerlich knirscht sie wohl doch mit den Zähnen. Ein wenig macht sie sich auch Sorgen um meine Gesundheit. Zwar liefere ich ihr dann möglichst immer fundierte Fakten zu ihren Bedenken, aber entspannt ist sie trotzdem nicht mit dem Thema. Meine Großeltern wiederum finden meine Tattoos irgendwie gut. Das nächste geplante Motiv hat sich meine Großmutter selbst ausgesucht und ist ein bisschen stolz darauf.

Hast du Tattoos mit Bezug zu deinen Kindern/deiner Familie?
Mein gesamter linker Arm hat einen Familienbezug. Das im Detail zu erklären, würde ganz schön viele Wörter in Anspruch nehmen. Für meine Tochter habe ich derzeit (noch) kein Tattoo. Das wird sicher irgendwann kommen, aber gerade diese Arbeit will ich mir besonders gut überlegen.

liz_sleeveWelches Motiv hast du gewählt?
Wie gesagt, es ist ein ganzer Arm mit vielen Motiven. Das Gröbste erklär ich mal: Die Marienfigur mit der brennenden Kerze ist ein klassisches Gedenktattoo für meine verstorbene Großmutter. Die Waldthematik ist generell ein Familienthema für mich. Ich bin am Waldrand aufgewachsen und bis heute vermittelt mir der Wald ein Gefühl von Heimat, auch wenn ich schon lange in der Großstadt lebe. Mein Mann ist Schwarzwälder, hierfür stehen die dunklen Tannen auf den Oberarm. Auch meine beiden Hunde sind als Waldtiere verewigt: Der Fuchs und der Wolf repräsentieren sie sehr gut.

Warum dieses Motiv, woher ist es, welche Bedeutung hat es?
Alle Motive habe ich mir ausgesucht, weil ich einen persönlichen Bezug zu ihnen habe, der teilweise aber eher abstrakt ist. Eine Symbolik im klassischen Sinn schreibe ich ihnen nicht zu. Da bin ich nicht der Typ für. Ich will eher Stimmungen einfangen, Erinnerungen vielleicht.

marvin_pfauenfederWarum ein Tattoo und nicht zB ein Schmuckstück oder so?
Tja, das ist immer so die Frage, ne. Ich würde es so sagen: Die einen Menschen verspüren das Bedürfnis, sich tätowieren zu lassen, und sei es nur ein Mal – und die anderen überhaupt nicht. Die würden das nie tun. Warum, weiß ich auch nicht, aber es scheint mir so zu sein. Meine Tätowierungen sind ja zudem Teil meines Körpers, ich kann sie nicht abnehmen, sie altern mit mir. Das finde ich schön.

Sind noch weitere Tattoos in Planung?
Zum Leidwesen meiner Mutter: Ja, durchaus 🙂

Wie gehst du damit um, wenn deine Kinder auch welche wollen? Ab wann dürfen Sie sich tätowieren lassen?
Wenn meine Tochter sich tätowieren lassen möchte, verstehe ich das natürlich sehr gut. Meine Einwilligung würde ich ihr trotzdem nicht geben, wenn sie noch minderjährig ist. Generell finde ich es auch keine gute Idee, sich gleich mit 18 tätowieren zu lassen, das sehe ich an mir und vielen Freunden. Da kommen oft bescheuerte Sachen bei raus. Mein Ansatz ist: Reden. Wissen vermitteln. Welche Stile gibt es, worauf muss sie achten, wie findet man „seine/n Tätowierer/in“? In der Auseinandersetzung mit dem Thema wächst dann hoffentlich ein wenig Weitsicht. Und falls nicht: Naja, es gibt meistens schlimmeres im Leben als ein schlechtes Tattoo.

Wie hast du deinen Tätowierer gefunden? Worauf hast du geachtet?
Ich habe schon mit einer Handvoll Tätowierer/innen gearbeitet. Die längste Beziehung habe ich zu Sara Rosenbaum in Berlin, sie hat auch den Arm gestaltet. Ich glaube, wir kennen uns jetzt seit 10 Jahren oder so. Ich fand sie und ihren Stil einfach toll. Den anderen Arm bearbeitet gerade Marvin Diekmännken aus Münster. Der ist noch ziemlich jung. Und ziemlich talentiert. Den fand ich über einen Shop, den ich ebenfalls schon länger kenne. Generell ist mir ein sauberes Arbeiten, technisch und hygienisch, sehr wichtig. Natürlich muss mir der Stil gefallen. Und dann sollte auch die Chemie stimmen. Wenn ich mit jemandem nicht kann, dann kann ich den nicht an meine Haut lassen. Und wenn’s der beste Tätowierer der Welt wäre. Mir ist das gemeinsame Erlebnis auch sehr wichtig, und das fühlt sich nur dann gut an, wenn ich den Menschen leiden kann.

Wow, wieder ein Gesamtbild, was sich aus so vielen Einzelnen zusammen setzt. Ich mag das, aber ich glaube, das ist nichts für mich persönlich. Ich mache mir in letzter Zeit auch immer mehr Gedanken zum Tätowierer, als zum Motiv. Denn wie Liz schon sagt, muss die Chemie stimmen. Immerhin muss ich ne Weile mit ihm aushalten. 

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