Mamarollen

Mamarollen: Ich bin…bedingungslos.

Groß werden über Nacht, Mitleid, Kleinkind, Geschwister, Geschwister bekommen, Einzelkind, Eltern teilen, Kinder kriegen,

Seit einiger Zeit mache ich mir Gedanken darum, was Mütter so alles sind. Wir vereinen so viele Rollen, wachsen oft über uns hinaus und sind auch einfach mal am Ende unserer Kräfte. Ihr kennt diese Werbespots, Texte und Satiren, in denen es darum geht, dass Mütter Manager, Putzfrau, Geliebte und vieles mehr sein sollen. Darin geht es immer um die meist positive Vielfalt der Rollen…an der Oberfläche. Ich möchte mehr in die Tiefe gehen und einzelne Rollen oder Eigenschaften beleuchten. In einer regelmäßigen kleinen Kolumne erzähle ich aus meinem Leben, Gedanken, Fragen und auch Probleme, die vielleicht viele Mamas unter uns haben. Mal sind diese Inhalte nachdenklich, lustig oder provozierend, aber sie sind immer ehrlich. Denn ich möchte etwas mehr Ehrlichkeit unter uns und auch im Blog. Vieles sieht schön aus, im richtigen Moment festgehalten oder auch einfach verschwiegen. Doch das Mama- oder auch ELTERNleben hat Höhen und Tiefen, nichts ist perfekt, aber trotzdem ist es schön. Darum geht es von nun an in Mamarollen: Ich bin…

…bedingungslos.

Als miniberlin geboren wurde, war sie mit einem Schlag da: die Liebe zu ihr. Von einem Moment zum nächsten habe ich mein Herz an ein kleines verschmiertes Bündel verloren, was mich vorher Stunden der Anstrengung und Schmerzen kostete. Diese waren wie weggeblasen, sofort. Kein langes Kennenlernen, umständliche Dates oder Flirts. Mit ihrer Geburt konnte ich meine Augen nicht von ihr lassen und auch heute gibt es unzählige Momente, in denen ich sie nur beobachten, sehen und ja, auch anstarren möchte. Deswegen bin ich keine Helikopter-Mama, nein, ich bin verliebt. In mein eigenes Kind. Ich möchte sie knuddeln, knutschen und auch ein bisschen anknabbern. Sie hat mich verzaubert und schafft es täglich, dass dieser Zauber noch ein bisschen größer wird. Als ich einer Bekannten kurz nach der Geburt von diesen Gefühlen erzählte, meinte sie: Ja, das ist bedingungslose Liebe. Kinder stellen keinerlei Ansprüche an ihre Eltern, sie lieben sie, egal ob wir mit ihnen gut oder schlecht umgehen.

Mein Ziel: ein glückliches Kind

Und irgendwie hat sie Recht. Wenn miniberlin mich morgens am Bein packt, mich umarmt, ihren Mund spitz macht und dabei „Meine Mama“ sagt, platzt mein Herz vor Stolz und Liebe. Dabei macht sie gar nichts. Und ich irgendwie auch nicht. Oder doch, je nachdem, wie man es sieht. Denn ja, ich mache viel für sie. Opfere meine Nächte, mein Essen, meine ungeteilte und selbstbestimmte Freizeit. (Zu all diesen Rollen und Opfern in einer anderen Kolumne mehr). Doch all das mache ich freiwillig und eben bedingungslos. Ich möchte kein Geld, keine materiellen Dinge oder (später) gute Leistungen in der Schule. Ich möchte, dass mein Kind glücklich ist. Und das ist keine Bedingung, das ist ein Ziel dessen, was ich tue.

Zwei Arten der Liebe

Die Liebe zu einem Kind ist anders als die zu (m)einem Mann. Keine Sorge, ich lasse hier keine wohlverschwiegenen Geheimnisse platzen. Ich liebe mein Kind anders als meinen Mann. Denn ich bin der Meinung, dass die Liebe zum eigenen Kind unerschütterlich ist. Zu einem Partner nicht. Würde mein Partner mich betrügen, belügen oder mir weh tun, würde sich diese Liebe verziehen. Sie wäre entweder schleichend weg oder mit einem Schlag. Das Band in der Partnerschaft wäre dahin. Bei Kindern ist es anders. Wie oft liest man, dass Mütter ihre Kinder bei Straftaten bis aufs Letzte verteidigen und sich für sie rechtfertigen? Hätte miniberlin später schlechte Noten in der Schule oder würde sich entscheiden, ohne Ausbildung durchs Leben zu ziehen: dann ist das so. Soll nicht bedeuten, dass ich es gut heiße oder nicht versuchen würde, sie zu überzeugen, dass anders besser ist. Es soll aber heißen, dass ich sie trotzdem lieben würde. Weil sie SIE ist. Ob mit roten oder grünen Haaren, mit Nasenring, beliebt oder unbeliebt, arm oder reich.

Selbst in Momenten, in denen mir mein Kind unendlich auf die Nerven zu gehen scheint, weil sie ihre Milch unbedingt mit dem Löffel „trinken“ will oder zum xten mal einen bühnenreifen Wutanfall bekommt, wenn es ums Zähneputzen geht: meine Liebe erschüttert das nicht zu ihr. Hingegen ich meinen Partner schief angucken würde, wenn er mich jeden Abend nach dem Abendessen anschreit und sich wütend auf den Boden werfen würde. Am Anfang fände ich es vielleicht witzig, dann verwunderlich bis hin zu nervig und absolut unerträglich. Letztendlich würde es aber zu einer Trennung führen. Und sind wir mal ehrlich, wie viele Kinder würden dann abends vor der Tür sitzen, weil sie beim Zähneputzen lauthals protestieren, wenn es nur eine Art der Liebe gäbe?

Was denkt ihr zu Mamarollen: Welche Rollen und Eigenschaften haben Mütter noch? 

Liebe Grüße
eure Bella

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3 Comments

  • Reply
    Isabelle
    10. Februar 2016 at 12:16

    Ich finde das ist ein sehr schön geschriebener Text und so wahr. Ich habe zwei Zwerge von 4,5 und 1,5 Jahren, bin berufstätig und nebenbei versuchen wir noch ein altes Haus zu sanieren 🙂 so anstrengend die Tage manchmal sind und bei uns vor allem laut. Ich freue mich nach einer kurzen Pause am abend schon wieder auf den nächsten Tag. trotzdem finde ich es wichtig, dass man auch als Mama mal sagen kann, man ist am Ende seiner Kräfte. Gerade wenn man frisch im Wochenenbett ist, will keiner von einem hören, dass man gerade mal nicht nur glücklich ist, sondern müde, voller Schmerzen und etwas panisch vor der neuen Verantwortung.. Da braucht man sensible Freunde die das spüren und andere Mama’s die auch ehrlich erzählen was bei ihnen zu Hause manchmal los ist. Zusammen sich aus jammern ist finde ich die beste Hilfe 🙂
    So eigentlich wollte ich nur schreiben gelungener Text..ist nun etwas länger geworden… LG

    • Reply
      familieberlin
      10. Februar 2016 at 12:46

      Oh ja, gemeinsames Jammern hilft sehr, nicht nur dieses „Also bei uns ist alles gut, DU musst irgendwas falsch machen“ 😉 Siehst du, Mamas wuppen echt ne Menge und trotzdem ist es schön!

  • Reply
    Mathilda
    10. Februar 2016 at 17:54

    Wie wahr! Ich finde besonders toll, wie du schreibst, dass du die Liebe zu ihr nicht an ihren Leistungen und an ihrem Wesen festmachst. Kinder sollen, müssen und dürfen sie selber sein und sich entwickeln dürfen. Wir sollen Sie begleiten und sanft formen, nicht in Rollen und Ausbildungen pressen, die nicht zu ihnen passen. Das ist bedingungslose Liebe und die Rolle der Mutter. Ich hoffe, ihr haltet das durch. Wir haben es (bis jetzt) gegen viele Widerstände von außen geschafft. Aber leider gibt es viel zu viele Eltern, die sich und ihre Kinder nur über deren Leistungen definieren!
    Toller Post!!

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