Kleinkind

Nächtliche Besuche: Wenn Kinder Angst vor Monstern haben

„Monta da?“

klingt es seit einigen Tagen aufgeregt bei uns am Abend aus dem Kinderzimmer. Würde sich jemand wundern, was da läuft, würde er drei Familienmitglieder auf dem Boden krabbelnd vorfinden, wie sie unter Bett, Schrank und Schreibtisch schauen. Manchmal haben wir auch Helme auf – man weiß ja nie. Wir sehen aus wie die Village People in geheimer Mission, denn die eine trägt einen Bauhelm, die Kleine einen Feuerwehrhelm und für mich bleibt nur der Wikingerhelm. Während ich fachmännisch mein Team anleite und Anweisungen gebe, wo noch zu gucken ist, sprüht meine große Tochter zielgenau irgendwas in jede Ecke des Zimmers und ihre kleine Schwester läuft freudig aufgeregt zwischen uns hin und her in der Erwartung, endlich diese viel besagten „Monta“ zu sehen, von denen alle sprechen und sie immer wieder suchen. Bisher mussten wir sie leider enttäuschen – zur Freude ihrer großen Schwester. Denn Monster kommen bei uns nicht rein.

Angst vor Monstern

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Theoretisch ist unsere große Tochter eine gute Schläferin. Doch seit einiger Zeit weckt sie uns immer wieder in der Nacht. Sie weint, sie wimmert, sie hat Angst. Oft ist sie nicht einmal richtig wach, sie ist im Halbschlaf und weiß nicht Recht, was echt oder unecht ist – so denken wir. Doch für sie ist die Sache klar: Da sind Monster und sie hat Angst vor ihnen. Mittlerweile erzählt sie uns das nicht nur nachts um 3 Uhr, sondern schon vor dem Schlafengehen oder beim Einschlafen.

Was, wenn die Monser heute Nacht wieder kommen?
Mama, die schleichen sich durchs Fenster rein und haben so Haken an den Händen!
Ich habe Angst vor den Monstern!

Diese und ähnliche Sätzen fallen, sobald es draußen dämmert. Ich bin mir nicht sicher, woher sie es hat. Ich weiß allerdings, dass ich sie mit dieser Angst nicht allein lassen kann. Sätze wie „Monster gibt es nicht“ oder „Das ist doch Quatsch“ helfen in diesen Momenten nicht. Denn dass es Monster geben kann, sieht man in jedem Bücherregal, Spielwarenladen oder sogar im Kino. Wir selbst regen die Phantasie unserer Kinder an, wollen sie ermutigen, sich Geschichten und Wesen auszudenken. Warum sollte es dann keine Monster geben? Denn nur, weil wir wissen, dass durch unsere Mehrfachverglasung, den dicken Türen und festen Wänden niemand so einfach reinkommen kann – woher sollen das unsere Kinder wissen?

Also habe ich mir die Gedanken unserer Tochter angenommen und ihr mit ihrer Angst geholfen. Wie das lief, habe ich hier zusammengefasst und ja, es ist abenteuerlich. Und ja, vielleicht merkt ihr, dass auch meinerseits viel Phantasie im Spiel ist. Wahrscheinlich hat meine Tochter das von mir. Aber so wie unsere Phantasie uns Angst machen kann und Monster erschafft, so sollte sie uns ebenso helfen und Mut machen können, oder?

Unsere Schritte gegen nächtlichen Monsterbesuch

  1. Wer seid ihr überhaupt? Ich habe meiner Tochter nie gesagt, dass es keine Monster gibt. Stattdessen habe ich sie gefragt, wie denn die nächtlichen Besucher aussehen. Fakt ist: Sie sehen  gruselig aus, denn sie haben immer große weiße Augen, spitze Zähne und ein wildes Fell in vielen Farben. Gut, nun wissen wir, mit wem wir es zu tun haben. Im gleichen Gespräch habe ich meine Tochter gefragt, ob es nicht auch gute Monster gibt? Immerhin haben wir auch Plüschtiere, die wie Monster aussehen. Die können unmöglich böse sein, schließlich wohnen die bei uns. Und so wie es gute und weniger gute Menschen gibt, sollte es auch gute Monster geben. „Gute Monster sind Lila, Mama“, war ihre Antwort. Lila und besonders weich, ihre Augen sind nicht ganz so groß und ihre Zähne nicht ganz so spitz. Also: wenn ihr ein eben solches Lila farbenes Monster seht: freundlich winken, das gehört zu den Guten.
  2. Nicht mit uns: kürt einen Anti-Monster-Beauftragten. Ja, richtig gelesen. Jede Familie sollte einen Anti-Monster-Beauftragten, Monsterjäger-Chef oder Monster-Verjagungs-Oberhaupt haben. Welchen Titel ihr euch gebt, ist egal. Wichtig ist nur, dass euer Kind das Gefühl hat, einen Experten bei sich zu haben. Wie ich darauf komme? Durch meine Tochter! Sie selbst meinte, dass ich für die Monster zuständig sei, warum also nicht mit mega wichtig klingendem Titel? Das macht man doch heute so in der Geschäftswelt: wichtiger Titel, schwupps ist man Experte. Also, ich bin unsere Anti-Monster-Beauftragte und leite damit die „Anti-Monster“-Kampagne bei uns. Je blöder der Titel klingt, umso witziger ist es für die Kinder. Meine Tochter versucht immer, meine Bezeichnung zusammen zu bekommen und heraus kommen immer neue Arbeitstitel. Witziger geht’s kaum.
  3. Wo steckt ihr? Am Tage, wenn unsere Tochter mal wieder von den Monstern spricht, frage ich sie, wo sie die Monster in der Nacht sieht. Oft kommen die typischen Orte als Antwort: Unter dem Bett, unter dem Tisch, hinter dem Schrank oder am Fenster. Mittlerweile weiß ich, wo sich meine Feinde verstecken und schaue jeden Abend vor dem Schlafengehen zusammen mit ihr nach. Wir krabbeln über den Boden, schauen hinter die Vorhänge und machen die Spielzeugtruhe einmal fester zu. Da käme niemand raus. Dieses gemeinsame Schauen hat mehrere Effekte: unser Kind merkt, dass wir ihre Ängste ernst nehmen, sie sieht, was wir sehen (nämlich im besten Fall nichts) und es lockert die Situation „Angst vor Monstern“ nochmals auf. Mittlerweile macht die kleine Schwester mit bei der abendlichen Inspektion und so krabbeln wir zu dritt im Zimmer umher und schauen.
  4. Wir haben was gegen euch: Mischt mit den Kindern ein Anti-Monster-Spray. Dazu war ich zusammen mit der Großen im Drogerie-Markt. Im Regal mit den Reisegrößen gibt es oft kleine leere Sprühfläschen, die sich perfekt dafür eigenen. Bei uns gab es sowohl transparente Flaschen für die Reise als auch kleine farbige Fläschchen, um Parfum umzufüllen. Die war perfekt, denn es war eine Lila farbene dabei. „Mama, die hat die gleiche Farbe wie die lieben Monster!“ Na, wenn das kein Zeichen ist. Die Flasche müsst ihr nun noch zusammen mit den Kindern befüllen. Grundlage ist Wasser, aber um es ein bisschen „wirksamer“ zu machen, gebt gern einen Tropfen Lavendelöl hinzu. So sehen die Kinder nicht nur ein Mittel gegen die Monster, sondern riechen es auch. Von Glitzer und Co würde ich abraten, das habt ihr dann überall im Zimmer. Aber sofern ihr eine durchsichte Flasche habt, gebt gern größere Glasperlen oder so rein, die man von außen sieht. Auch das sind wirksame Mittel gegen Monster. Vertraut mir, ich bin schließlich die Anti-Monster-Beauftragte.
  5. Monster-Prävention: Diese kleine Flasche begleitet uns nun jeden Abend bei der Jagd. Da die Große am Besten weiß, wo sich die Monster im Dunkeln befinden, sprühen wir an all die Stellen einen kleinen Spritzer Anti-Monster-Spray. Drei vors Fenster, einen vor den Schrank, zwei unters Bett und einen unter den Schreibtisch. Schon traut sich kein Monster mehr rein.
  6. Wer passt auf? Das fragt uns unsere Tochter abends. Doch „Wir“ reicht ihr oft nicht als Antwort, also küre ich jeden Abend in Abstimmung mit ihr eines ihrer Plüschtiere als „Aufpasser“. Es wird von mir als Anti-Monster-Beauftragte gebrieft, wird ebenso mit dem Anti-Monsterspray ausgestattet und passt in der Nacht auf meine Tochter auf. Doch wenn etwas ist, wir sind ebenso da: das sagen wir unseren Kindern jeden Abend – und halten uns auch daran.

Ihr müsst nicht alles so umsetzen, wie wir es tun. Aber ich hoffe, es gibt euch ein Gefühl dafür, die Ängste der Kinder ernst zu nehmen. Denn so wie ich es bei kleinen Unfällen, Hinfallen oder Verletzungen halte: „Ist doch nicht so schlimm!“ nimmt keine Schmerzen. Genauso wenig würde ein „Monster gibt es nicht, also brauchst du keine Angst haben“ gegen die nächtlichen Sorgen helfen. Zusammen schauen, sich vom Kind mitnehmen lassen und vielleicht eine kleine witzige Reise daraus machen, ist ein toller Weg – nicht nur für die Kinder.


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