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Abgestillt: Wie unsere Stillzeit nach eineinhalb Jahren endet

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Ich räume die Küche auf, decke den Tisch ab und leere die Spülmaschine. Aus dem Kinderzimmer höre ich lachen und glucksen. „Da Papa!“ ruft die eine, „Los Papa, fang mich!“ ruft die andere. Eigentlich sollen die Kinder fertig fürs Bett gemacht werden. Unter fertig machen verstehe ich wohl etwas anderes als mein Mann. Aber das ist ok, denn sie haben Spaß. Dann höre ich ein typisches Patschen.

Patsch patsch patsch…“Da Mama!“

Die Kleine kommt in die Küche und will auf meinen Arm. Ich nehme sie hoch, kuschle mit ihr und sie guckt mich verliebt an. Ein Blick der tief geht, schon immer. herrberlin kommt aus dem Kinderzimmer zu uns herüber. „Sag Mama Gute Nacht“, meint er und nimmt die Kleine auf den Arm. Ich bekomme noch einen Kuss, ein Winken und ein fröhliches „Düssi!“, ihre Art Tschüss zu sagen. Beide gehen zusammen zur Treppe. Ich habe die Situation kaum realisiert, da sind sie auch schon verschwunden.

Mein Baby geht ins Bett und das ohne mich. Der Papa brachte sie zwar auch vorher schon ins Bett, aber nur, wenn ich nicht da war. Heute ist also wieder eines dieser ersten Male mit dem zweiten Kind. Ein erstes Mal, das anders ist. Ein erstes Mal, das weh tut. Zumindest mir.

Denn heute bringe ich mein Baby nicht ins Bett, obwohl ich daheim bin. Ich stille sie nicht mehr. Heute zum ersten Mal bewusst. Wir haben abgestillt. Oder muss ich sagen, ich habe abgestillt? Denn es war zum großen Teil meine Entscheidung, den letzten Rest entschied mein Körper.

Soll ich abstillen?

Vor einigen Wochen begannen wir damit, dass ich nicht mehr beim Baby schlief. Der Papa übernahm von nun an die Nächte und schlief mit ihr in unserem Schlafzimmer. Ich legte mich zur Großen ins Kinderzimmer. Wir tauschten die Rollen, der Papa und ich. Nach fast 1,5 Jahren schlief ich erstmals nicht bei meinem Baby. „Aber ich habe ja noch die Tage und Abende, an denen wir stillen können“, dachte ich.

Es war eine schwere Entscheidung, nachts nicht mehr stillen zu wollen. Am Ende entschied ich es für mich. Nach so langer Zeit ohne richtigen Schlaf, mit stündlichen Unterbrechungen und vielen Stillpausen, die am Ende eher dem Nuckeln dienten, war ich am Ende meiner Kräfte. Das Baby fand Schlaf noch nie gut und eine Besserung schien nicht in Sicht. Wie soll ich arbeiten? Wie soll ich Kraft tanken?

Ich brauchte eine Pause – für mich und meinen Körper. Wenn man abends vor dem Schlafengehen schon denkt „Oh nein, gleich ist es wieder so weit“, bin ich dann glücklich? Sollte Stillen nicht für Mutter und Kind gut sein? Ich merkte, dass es mir vor den Nächte graute, denn es waren keine Nächte mehr. Es waren Tage, nur etwas dunkler und manchmal ruhiger. Ich durfte mich ausruhen, aber nie zu lang. Wenn ich mal drei Stunden Schlaf am Stück bekam, war ich dankbar. Doch das war selten der Fall. Ich merkte, dass ich so nicht mehr konnte. Ich war fahrig, unkonzentriert und nicht mehr ich selbst.

Als ich dieses Bild machte, ahnte ich wohl schon, dass es eines der letzten Stillbilder von uns war.

Der Weg zur Entscheidung

Bevor ich mich wirklich dazu entschied, habe ich viel gelesen, geredet und in mich hinein gehört. Schon früh las ich „Schlaf gut, Baby“ von Nora Imlau und Herbert Renz-Polster mit vielen Tipps, Verständnis und auch Lösungsvorschlägen. Auch beim Gewünschtesten Wunschkind fand ich Rat. Ich nahm für mich mit, dass es ok ist, nachts abzustillen. Mein Kind ist fast 1,5 Jahre, sie isst gut und gerne. Es geht nicht mehr um die Ernährung des Kindes. Und wenn die Mutter mit ihren Kräften am Ende ist (und das war ich!), dann muss eventuell eine Entscheidung allein getroffen werden, ohne dass das Kind das Abstillen bestimmt.

Also entschied ich und die Entscheidung war schwer, glaubt mir! Aber die Situation war günstig. Wir haben am Tage kaum noch gestillt. Manchmal am Nachmittag, immer zum Schlafengehen. Am Tage war sie glücklich, neugierig und wollte nur kuscheln. Stillen wollte sie nur abends und nachts.

Die erste Nacht ohne „Baby“

Der Mann hatte Urlaub und nur dann können wir es machen. Wenn er sonst viel unterwegs oder sogar nachts nicht da ist, geht es nicht. Wie soll er lange Auto fahren, wenn er so einen Schlaf hätte wie ich aktuell?

Als ich mich das erste Mal in ein Bett legte ohne mein Baby neben mir, fühlte ich mich komisch. Doch anscheinend merkte ihre Schwester das, denn sie nutze sofort die Gelegenheit zum alleinigen Kuscheln. Und so schwer es mir auch vorher fiel, so merkte ich jetzt: hier braucht mich auch jemand anderes! Ich merkte, wie sehr sie es genoss, nur ihre Mama bei sich zu haben. Sie musste mich nicht teilen und ich musste mich auch nicht teilen – zwischen zwei Kindern.

Mit dem Mann hatte ich den Deal, dass er mich holt, wenn es wirklich nicht geht. Sie soll nicht brüllen, dass sie keine Luft mehr bekommt. Sie soll nicht so leiden, nur dass ich schlafen kann. In der Nacht wurde ich oft wach. Ich wurde wach, weil ich es so gewohnt war. Jedesmal horchte ich in die Dunkelheit und versuchte etwas zu hören. Schreit sie? Braucht sie mich? Aber da war nichts. Am nächsten Morgen erfuhr ich dann: sie brüllte nicht. Sie weinte, ja. Sie versuchte am Arm des Mannes zu nuckeln, ja. Aber als sie merkte, dass es nichts bringt und ich wirklich nicht da war, verzog sie sich fast schmollend auf ihre Bettseite und schlief.

Es dauert die Zeit, die das Kind braucht

Überall laß ich, dass es mehrere Tage bis Wochen schwer werden kann, eh sich das Kind daran gewöhnt, nachts nicht mehr zu stillen. Bei uns dauerte es zwei Tage. In der zweiten Nacht motzte sie noch mal, bevor sie wieder auf ihrer Seite weiterschlief und seitdem schläft sie auf irgendeine Art durch. Sie schreckt nachts hoch, sie weint auch mal. Aber wenn sie merkt, dass jemand da ist, sie beruhigt und beschützt, schläft sie weiter. Sie braucht keine Brust mehr, sie braucht nur Nähe. Nähe, die ich ihr auch ohne Stillen geben kann – oder auch ihr Vater.

Denn was mich am Meisten an diesen Nächten schlauchte war diese Unersetzbarkeit. Vielleicht war ich das nicht, untersetzbar, aber es fühlte sich so an. Nun weiß ich, dass sie auch mit ihrem Papa gut in den Schlaf durch die Nacht kommt.

Und dann sagt der Körper: es reicht!

Es hilft! Es hilft meinem Kopf und meinem Herzen. Und ich hatte ja noch das abendliche Stillen. Es war unsere Insel, unser Moment und unsere Zeit. Viele berichteten mir, dass der Körper das packt: einmal Stillen am Tag. Tja nun, meiner wohl nicht. Ich weiß nicht, ob der Impuls fehlte oder ob mein Körper langsam wirklich am Ende seiner Stillzeit angekommen ist. Doch wenn wir abends stillten, tat es mir weh. Ich merkte, dass es sehr lange dauerte, bis Milch kam und dass diese drei Schlucke dann wirklich nicht der Mühe wert waren. Also nuckelte sie, so wie sie es nachts immer tat. Es war kein Stillen mehr, für uns beide. Sie bekam nicht mehr das, was sie brauchte und für mich war es nur noch schmerzhaft. Also habe ich wohl abgestillt. Ich kann nicht mal sagen, dass ich es nicht wollte, denn so ist es ja nicht. Ich wollte es nur gern langsamer tun, doch mein Körper hat entschieden.

Nun werde ich wohl öfter ein abendliches „Düssi Mama“ hören, ohne dass ich das Haus verlasse. Und bald wird es sicher nicht mehr weh tun und mich traurig machen. Bestimmt!

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9 Comments

  • Reply
    Maria
    19. November 2017 at 21:28

    Oh ich fühle gerade genauso – schön es mit Deinen Worten zu lesen und zu wissen „Da gibt es gerade noch jemanden, dem das „Gute Nacht“ sagen ohne Stillen „weh tut“ und „traurig“ macht. Nach 1 Jahr und 4 Monaten hat unser Sohn, als ich mich mit ihm zum abendlichen Kuscheln und Stillen ins Bett gesetzt habe, über meine Brust gestreichelt, seinen Kopf geschüttelt und „Nein“ gesagt….es hat sich schon so 1, 2 Wochen vorher irgendwie angekündigt…aber das es so schnell geht….ich hätte vermutlich noch ein paar Monate weitergestillt…nun ja, da war es da, mit dem Mondwechsel, das Stillende…Hhmm ja – irgendwann wird es nicht mehr „Fehlen“…Alles Liebe für Dich

    • Reply
      familieberlin
      19. November 2017 at 21:39

      Danke. Euch auch. Und ja, man merkt es schon vorher, egal von wessen Seite es ausgeht. Liebe Grüße

  • Reply
    Julchen
    19. November 2017 at 23:34

    Danke für den tollen Artikel 🙂 Ich bin gerade auch am Hin- und Herüberlegen, wie wir das („nur“ noch vom abendlichen Schlafengehen bis zum Aufstehen) Stillen beenden können, da ich bald wieder arbeiten muss und die damit verbundenen langen Autofahrten mit den derzeitigen Nächten nicht möglich sind :-/ Darf ich dich daher fragen, ob dein Mann der kleinen Maus nachts dann trotzdem was zu trinken angeboten hat? Und da du meintest, dass er sie auch vorher ab und an ins Bett gebracht hat – hat sie da aus der Flasche getrunken? Hier verweigert jemand die Flasche völlig und nachts einen Becher anbieten ist ja auch irgendwie ungünstig :-/.
    Danke und liebe Grüße,
    Julchen

    • Reply
      familieberlin
      20. November 2017 at 13:14

      Wir geben keine Milch nachts, sie hat eine Wasserflasche bei sich, wenn sie Durst hat. Das ist aber bisher nie der Fall gewesen. Auc abends geben wir keine Milchflasche, denn ich finde, jetzt in dem Alter muss es nicht mehr sein. Sie bekommt Nähe durchs Kuscheln und Milch bzw. Calcium mit der normalen Nahrung bzw. einem Becher Milch zum Frühstück. Aber das ist meine persönliche Meinung. Liebe Grüße, Bella

  • Reply
    Katrin
    20. November 2017 at 16:55

    Danke für den spannenden Artikel. Ich stille meine Tochter (22 Monate) auch noch und wollte gern darauf warten, dass sie sich selbst abstillt. Bis jetzt fühlt es sich aber überhaupt nicht so an. Sie stillt unter der Woche (weil sie da tagsüber ja bei der Tagesmutter isst und trinkt) erst wenn sie nach Hause kommt am späten Nachmittag und dann gefühlte Stunden beim Ins-Bett-bringen. Und natürlich nachts, auch recht häufig. Vor allem aber dauerhaft ab morgens um 5 oder wenn es gut läuft ab 6 bis zum Aufstehen. Am Wochenende wird auch gern und viel tagsüber gestillt.
    Ihr Papa kann sie nur dann ohne Weinen und Brüllen ins Bett bringen wenn ich nicht da bin. Ansonsten tut uns das einfach zu sehr leid, das ist nicht im Sinne unserer Erziehung und unseres Umgangs mit ihr, dass sie sich in den Schlaf weinen sollte, obwohl ich da bin.
    Ich denke auch immer mal über’s Abstillen nach. Im Moment ist es noch ok, aber ich denke, der Tag kommt sicher und ich vermute es wird von mir ausgehen. Denn wenn ich ehrlich bin genieße ich das Stillen nicht immer, vor allem das abendliche in den Schlaf stillen dauert manchmal seeeehr lange und schmerzt dann auch.

    Was mich auch ein bisschen ängstigt beim Thema Abstillen – wie wird meine Brust das so vertragen? Ich war schon einmal 24 Stunden weg ohne Kind und hatte, trotz regelmäßigen Abpumpens ziemliche Probleme und Schmerzen wegen der zu prall gefüllten Brust.

    Magst du vielleicht darüber ein Wort verlieren? Wenn du sonst auch die Nacht durchgestillt hast, wie war das dann ohne Stillen in der Nacht? Hast du abpumpen müssen?

    LG Katrin

    • Reply
      familieberlin
      20. November 2017 at 20:19

      Ich dachte, ich würde es mehr merken. Aber nein, ich musste nicht abpumpen. Für mich auch ein Zeichen, dass der Körper nicht mehr stillen kann. LG Bella

  • Reply
    Sabrina
    20. November 2017 at 21:12

    Der Artikel macht mir Mut. Ich denke auch schon seit Wochen über das Abstillen nach, weil meine Nächte auch überhaupt nicht mehr erholsam sind. Jede Stunde oder noch öfter verlangt der Kleine nach der Brust, lässt sich nicht anders beruhigen. Der Papa hat gar keine Chance und das geht mir, nach fast 17 Monaten ohne mehr als 3 Stunden Schlaf, echt an die Substanz. Mir graut es aber trotzdem vor dem letzten Schritt und der Reaktion meines Sohnes, wenn ich es dann durchziehen werde. Und mein „Problem“ ist, dass ich ständig ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich mal an meine Bedürfnisse denke. Ich weiß, das ist Quatsch, aber sag das mal meinem Kopf. 😉

    • Reply
      familieberlin
      22. November 2017 at 10:40

      Ich verstehe deine Gedanken sehr gut, denn ich hatte sie auch. Sie hatten keinen Platz im Artikel, denn er war schon lang genug. Aber was mich dann für mich überzeugte: sie ist 17 Monate, sie bekommt Nähe über Kuscheln, Tragen, beieinander Schlafen. Ich muss gucken, dass ich Kraft habe. Für mich, aber auch um eine gute Mutter zu sein. Denn was ich merkte: ich war unkonzentriert und schnell gereizt. Das ist viel schlimmer für meine Kinder als „Nicht stillen“. Seitdem geht es mir besser und ich habe auch einen ganz anderen Umgang mit meinen Kindern. Zugewandter, geduldiger. Schlaf ist nun mal essentiell. Nicht nur für Kinder.

  • Reply
    sarah
    21. November 2017 at 20:28

    Danke für deinen Artikel!
    Mir geht es gerade ganz genauso und wir haben es ebenso gemacht wie ihr. Es tut einfach gut zu lesen.

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