Familie Gedanken

Auf eins, auf zwei, auf drei: Welcher Sprung ist härter?

Ich kenne diese Frage schon sehr lange. Seitdem Freunde von uns Kinder haben, mein Bruder Vater wurde und dann auch wir Kinder bekamen, fragen Menschen:

Welcher Sprung ist härter? Auf ein Kind oder auf zwei?

Viele meinten schon damals, dass „von kein Kind zu ein Kind“ am schwierigsten war. Immerhin war vorher niemand weiter da und dann war da auf einmal dieses Bündel. „Von null Kompromissen auf viele, von null Rücksicht auf stets und ständig“, formulierte es mal eine Freundin. Als ich das damals so hörte und auf meine Erfahrungen als Mama von nur einem Kind zurückblickte, dachte ich mir, dass ich dann wohl das Schlimmste schon hinter mir habe. Von keins auf eins habe ich schließlich schon durch, alles andere kenne ich dann wohl schon.

Welches Kind warf dich mehr aus der Bahn?

Mittlerweile kriege auch ich die obige Frage häufig gestellt. Welcher Sprung ist härter? Ich mache mir darüber schon eine Weile Gedanken, um eine für mich richtige Antwort zu finden, aber ich kann mich nicht entscheiden. War es das erste Kind, was uns mehr aus der Bahn warf oder doch das zweite? Ist der Schritt von keinem zu einem generell schwierig oder ist der Schritt zum zweiten Kind nur schwierig, wenn man ein forderndes Kind hat? Wären zwei „Anfängerbabys“ nacheinander einfacher, so dass der zweite Schritt wirklich kaum spürbar wäre?

Egal, wie ich meine Fragen drehe und wende, ich komme zu keiner verlässlichen Antwort für mich außer:

Jeder Schritt ist schwer. Mit jedem Schritt weiter im Elternsein, sprich jedem weiteren Kind, ist es wieder von vorn neu und ungewiss…und ja, auch schwer. Dabei geht es mir nicht nur um die wachsende Anzahl von Kindern. Ich kann mir nur grob vorstellen, dass vier anstrengender sind als eines. Mir geht es um den neuen Menschen, der da in die Familie kommt, egal ob als erstes, zweites oder drittes. Denn jedes Baby hat einen eigenen Charakter, den niemand in der Familie kennt. Er kann laut und doll sein oder leise und zurückhaltend. Er kann schnell und lustig sein oder nachdenklich und vorsichtig. Er kann all das sein und noch viel mehr, doch Fakt ist: wir wissen es nicht.

Neues Baby, neue Möglichkeiten

Wir wissen nicht, auf welchen Menschen wir uns da einzustellen haben. Klar, wir können beim zweiten Kind schon besser Windeln wechseln, baden, füttern und haben vielleicht auch schon eine feste Einstellung zum für uns richtigen Umgang mit Babys Bedürfnissen. Aber mal ehrlich, das haben wir auch beim ersten schnell raus. Wir wissen schnell, wie manche Dinge gehen. Aber wir wissen nicht, was da für ein Mensch in unsere Familie kommt und wie wir in vielen Situationen mit ihm umgehen. Er wird bestimmt zur Familie passen, er wird sich darin finden und am Ende sind alle eine Einheit. Aber der Weg dorthin ist nicht immer leicht, für jedes Baby und alle drumherum, ob das erste oder dritte. Denn eine Familie muss wachsen. Nicht nur von der Anzahl her, sondern auch vom Verständnis. Und wenn da ein weiterer Mensch dazu kommt, dann fängt das Wachsen wieder von vorne an, für jeden. Für Mama, Papa und auch Schwester.

Denn das Leben als Einfach-Mama ist anders als eines als Zweifach-Mama. Weil es eben ein Kind mehr ist. Einmal mehr Bedürfnisse, einmal mehr Charakter, einmal mehr Wünsche. Immer einmal mehr als sonst eben, ob mit einem oder zweien. Deswegen finde ich jeden Schritt besonders und eben auch einzigartig, ja von mir aus auch hart – nach besonders schlaflosen Nächten. Und ich glaube, dass es auch beim Schritt von zwei auf drei so wäre oder eben auf vier.

Nicht, dass ich es aktuell herausfinden möchte!

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