Baby Gedanken Mamasein

Mit und Ohne: „Bekomm du erstmal Kinder“

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Gemeinsam mit meiner Freundin Eni vom Blog Thirty Ehrlich habe ich eine kleine Serie: Mit und Ohne. Eni lebt ein Leben ohne Kind, ich- wie ihr wisst- ein Leben mit Kind. Ich frage mich öfter, wie das so ist, ohne Kind, z.B. in Urlauben oder bei Freundschaften. Und genau darum geht es hier. Denn Eni hat diesselben Fragen- nur andersrum. Wir schreiben einmal im Monat gemeinsam über ein Thema- die eine mit, die andere ohne Kind. Dieses Mal geht es um einen Satz, den ich gern öfter sagen würde und Eni schon oft hörte aber wohl nie sagen wird. 

Es gibt manche Sätze, die hat man im Kopf und möchte sie nicht sagen. Denn sie sind Klischee und eigentlich auch ohne Mehrwert für den Gegenüber. Doch eh man sich versieht, ist einer dieser Sätze schon aus dem Mund, obwohl man sie niemals laut aussprechen wollte: „Bekomm du erstmal Kinder.“ Dieser Satz richtet sich ausschließlich von Eltern an Nicht-Eltern. Vielleicht gibt es unterschiedliche Nuancen wie „Du hast ja keine Kinder“ oder „Bekomm erstmal zwei oder drei Kinder.“ Aber der Absender ist immer ein Elternteil. Nehmen wir weiterhin an, der Empfänger hat keine Kinder.

„Bekomm du erstmal Kinder“- das sitzt. Ich habe diesen Satz schon oft gehört bis Februar 2014 und seitdem habe ich ihn noch öfter gedacht. Ausgesprochen habe ich ihn noch nicht, auch wenn es schon oft einen Anlass gab. Der Auslöser wäre wohl eine Diskussion mit Nicht-Eltern gewesen, entweder wegen der Erziehung oder der Organisation vom Leben mit Kind. Und meist wäre es wohl eine Kritik dieser Nicht-Eltern an die Eltern gewesen, der diesen Satz letztendlich loslöste und damit vielleicht eine kleine Lawine locker machte. Oder auch nicht. Das hängt von der Einstellung der Nicht-Eltern ab. Und dem Ton der Eltern.

Denn auch der altbekannte Satz „Der Ton macht die Musik“ könnte hier als Antwort folgen. Wie oft war ich genervt von den Aussagen mancher Freunde, die mir erklären wollten, wo mein Kind doch schlafen könne oder wie ich Kind und lange Restaurant- und Barbesuche doch unter einen Hut bringen könnte. Wenn dann noch hinzu kommt, dass mir jemand erzählen möchte, dass mir Arbeiten doch mal wieder gut tun würde und ich nicht bei jedem Schrei meines Babys reagieren solle, war ich nah dran an diesem Satz „Bekomm du erstmal Kinder“. Aber ich besann mich auf „Der Ton macht die Musik“ und habe es gelassen. Denn eben, in der falschen Laune ausgesprochen, kann die Stimmung schnell kippen. Ich kenne das, denn ich war auch mal Empfänger und damit Nicht-Eltern.

Denn auch ich wollte damaligen Freunden sagen, dass sie doch nicht auf jeden Ton des Kindes schauen müssen und dass etwas Abstand auch ganz gut täte. Vielleicht habe ich auch mal so witzige Vorschläge gemacht, dass das Kind doch im Auto schlafen könne und wir in der Bar noch was trinken. Ich weiß es nicht mehr, aber ich erinnere mich an diesen Satz und meine Reaktion. Denn innerlich dachte ich immer, dass ich diese Einstellung zum Schreienlassen und Arbeiten nach der Elternzeit beibehalten werden, wenn ich Mutter bin. Pustekuchen. Als dieses kleine Bündel im Februar 2014 in meine Arme gelegt wurde, wurde ich zur Senderin des Satzes und habe alle Anlässe gelöscht, die mich einmal für  „Bekomm du erstmal Kinder“ prädestinierten.

Also werde ich warten, auf diese Nicht-Eltern, bis sie Eltern werden. Wenn sie dann ihre Meinungen ändern, nicht mehr nur perfekt gestylt durch die Welt laufen und auch einfach nur Mama sind für einen Moment und nicht Karrierefrau. Ich werde in mich hinein schmunzeln, wenn ich da einen Milchfleck entdecke und die Wohnung nur chaotisch ist. Wenn diese Nicht-Eltern zu Eltern werden und auf jeden Schrei ihres Kindes reagieren und stundenlang abends neben dem Bett sitzen bis das Baby schläft, dann werde ich es auch nicht sagen, aber denken: „Ich hab‘s euch ja gesagt“.

Und wie ist es, Empfängerin dieses Satzes zu sein? Hat man da unendlich viel Verständnis, weil man ja eben nicht weiß, wie es mit Kindern ist?

Ich weiß zwar nicht, ob ihr das merkt, aber ich bemühe mich wirklich sehr. Dennoch wünsche ich mir, dass ihr auch MEINE Situation versteht. Oder könnt ihr sie etwa nicht beurteilen? Ich denke schon und ich glaube daran.

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4 Comments

  • Reply
    Salvia von Liebstöckelschuh
    30. Oktober 2015 at 07:42

    Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen! Ich erinnere mich noch genau an eine Situation vor über zwölf Jahren, als ich im Sommer abends im Garten als einzige ohne Kinder saß, die Gastgeberin ihr Leid über ihre zwei Söhne (Grundschulalter und kleiner) klagte und ich ihr wertvolle Erziehungstipps gab, die sie geflissentlich ignorierte…
    Jahre später fällt mir das immer noch ein und ist mir rückwirkend sogar peinlich, weil ich mittlerweile genau um diese Erfahrung reicher bin und sicherlich meine Tipps von damals nie bei meiner eigenen Brut anwenden würde 😀 😀 😀
    Dafür denke ich heute auch oft, wenn ich wertvolle Tipps von Kinderlosen bekomme „Bekomm du erstmal Kinder!“ – #isso …
    Teile des Lebens drehen sich komplett um, Einstellungen werden anders, sobald man eben Nachwuchs bekommen hat.
    Liebe Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

  • Reply
    Katrin
    30. Oktober 2015 at 08:11

    Einmal musste ich den Satz „warte mal ab, bis du Kinder hast.“ zu einer Freundin sagen. Sie war gerade ganz frisch schwanger und fing langsam an sich mit dem Thema auseinander zusetzen. Sie fing dann plötzlich an meine Tochter zu korrigieren und zu erziehen. Wo ich mir echt die Zähne zusammenbeißen musste, weil das echt zu weit ging. Sie bestimmte plötzlich darüber wie mein Kind am Tisch sitzen sollte und was sie sagen und nicht tun dürfe „weil man das nicht macht“. Als ich sie dann freundlich darauf hingewiesen habe, dass das mein Kind ist und ich entscheide wie sie sich zu benehmen habe, hat sie eine Diskussion mit mir angefangen und ich beendete das Gespräch mit „Warte mal ab, bis dein Kind da ist.“ Sie meinte zwar, sie würde es anders machen als ich, aber das ist doch ok! Nur soll sie sich als flüchtige Freundin bitte aus meiner Erziehung heraus halten.

    Ich habe dann nach der 2. Geburt nur solche Sätze mit Ein-Kind-Müttern ausgetragen die mich belächelten oder die Sache klein redeten wenn ich mal am rumjammern war, was für ein Kraftakt das mit der Kleinen ist. Ich solle mich nicht so anstellen, ich wollte doch dieses Kind, hieß es dann. Darf man heute mit Kind nicht mehr jammern dürfen? Es ist wie es ist: Mütter mit 2 Kindern haben ganz andere Probleme und Herausforderungen als Mütter mit nur einem Kind. Erst mal das. Zum anderen kommen die unterschiedl. Charaktere zusammen. Während mein 1- Kind ein Anfängerbaby war dass nie weinte und sich ganz toll selbst beschäftigte war mein 2. Kind sehr anhänglich(musste es teilweise tagsüber in der Wohnung im Tragetuch tragen sonst ging gar nichts!), nähe bedürftig und weinte, wenn es ein Problem gab sofort und so schrill wie möglich. Auch die Zähne waren bei ihr schlimmer, das volle Programm…Ich habe mich viel zurück genommen und aufgeopfert. Da darf man ruhig mal jammern finde ich. Und das verstehen besonders die Eltern nicht, deren Kinder einfach waren oder deren Kinder schon ein paar Jahre alt sind und sie die anstrengende Neugeborenen-Phase verdrängt haben.
    Die selbe Person die mein Kind auf bessere Tischmanieren dressieren wollte, hatte mir dann vorgeworfen, ich würde meine Aufsichtspflicht verletzten als ich sagte, ich lasse meine 4 1/2 jährige Tochter bereits ab und zu allein draußen spielen – vor der Haustür mit Kreide malen oder direkt hinter dem Haus auf dem Spielplatz.Ich sagte dann „Wenn dein Kind in diesem Alter ist, reden wir noch mal darüber.“ Als sie dann auch noch sagte „Komm aber nicht zu mir und heule, wenn dein Kind wirklich mal weggeschnappt wird.“ Da da war für mich die Freundschaft vorbei…Ich finde das ist das schlimmste, was eine Mutter einer anderen Mutter sagen kann!

    Sicherlich kann ich meinen Mund halten. In den meisten Fällen tu ich das auch. Aber manchmal, da reicht es mir und dafür muss ich mich nicht schämen.

  • Reply
    kiwimamasblog
    30. Oktober 2015 at 14:30

    Sehr schön geschrieben! Mittlerweile ertappe ich mich dabei, wie ich diesen Satz in der letzten Zeit auch öfter mal gedacht habe. Das Problem ist aber ja: Man KANN es sich einfach nicht vorstellen, wie es ist, tatsächlich ein Kind zu haben. Ich habe es vor der Geburt meiner Tochter versucht – oft. Aber meine Vorstellungskraft reichte dafür einfach nicht aus. Noch in der Schwangerschaft z.B. redete ich davon, dass mein Baby mit spätestens drei Monaten im eigenen Zimmer schlafen wird. Warum eigentlich nicht auch sofort? Zum Stillen kann man doch mal eben aufstehen und überhaupt, so wird es doch erst selbstständig! Ja ja, Pustekuchen 😉 Meine Kleine schläft noch immer direkt neben mir in ihrem Bett (sie ist jetzt 4 Monate alt) und der Gedanke daran, dass sich das ändern könnte, bringt mein Mutterherz (und auch das Vaterherz meines Mannes) zum Weinen! Eigentlich kann sie da doch auch bleiben, bis sie 18 ist, oder? 😉

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    Isa Wonderland
    31. Oktober 2015 at 10:14

    Was mich immer wundert ist die hinter diesem Satz mitschwingende Haltung, dass einen „Kinder haben“ augenscheinlich automatisch zum Erziehungsexperten macht. Dem, würde ich behaupten, ist … äh … nicht so 😉 Erzieherische Kompetenz kann man sich aneignen. Mit und ohne Kind. Viel wichtiger ist imo grundsätzlich doch, sein Gegenüber und seine individuelle Lebensrealität anzuerkennen – und Ratschläge nicht ungefragt zu verteilen. Das macht sich meiner Meinung nach nicht an der Frage fest, ob jemand ein Kind hat oder nicht. Es gibt übergriffige Mütter und Nicht-Mütter. Und außerdem: viele Mütter = viele Meinungen. Die zickigsten und gnadenlosesten *pardon* Scharmützel erlebe ich eigentlich immer unter Müttern. Nicht zwischen Müttern und Nicht-Müttern beim Thema Kind. „Auf Augenhöhe“ also quasi.
    Die Meinung einer kinderlosen Freundin gleich im Durchzug durchzuwinken, weil sie ja „erst mal Kinder haben muss“ , um dies oder das zu verstehen – damit nimmt man sich auch eine Chance, oder ? Gerade weil sie keine hat, sieht sie manches aus einer anderen Perspektive. Und es kann ja durchaus hilfreich sein, mal einen anderen Blickwinkel auf die eigene Situation einzunehmen. Gilt aber für mich auch grundsätzlich im Leben. Wenn man in seiner eigenen Siuation schmort sieht man einiges eben auch verzerrt. Und sich zu erinnern, dass man selber manches früher anders gesehen hat, kann auch mal hilfreich sein. Man war ja nicht nur doof, vorher :)) Interessanter Weise kenne ich im RL weniger Frauen, die mit Geburt des Kindes plötzlich Vieles total anders sehen als vorher. Kommt vielleicht auch drauf an, in welchem Alter man Mutter wird ?
    VG, Isa

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