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Enis #turning30: Viele Fragen, keine Antworten

Heute stelle ich euch einen neuen Blog vor, thirty ehrlich. Wie der Name schon sagt, dreht es sich um die 30er Lebensjahre, ehrlich und ungeschminkt. Eni, das Herz hinter dem Blog, schreibt sehr bildlich, sie holt dich ab und zieht dich mit. Nicht umsonst darf sie sich heut hier austoben. Danke Eni!

Eni

Keines meiner vergangenen 38 Jahre möchte ich missen. Nicht eine Sekunde bereue ich, nicht einen Tag verfluche ich. Mein Herz hüpft noch immer – vor Dankbarkeit, dass ich ein so schönes Leben habe. Dankbar auch für jede Erfahrung, im guten wie im schlechten Sinne. Angst vor der großen Drei hatte ich nie. Im Gegenteil – ich habe nie die Jahre gezählt. Bis heute kann ich nicht verstehen, warum Menschen ein Problem damit haben, 30 zu werden. Älter werden wir eh und hey, 30? Ist doch noch lange kein Alter! Aber die Menschen sind verschieden…

Ich sehe das so: Die ersten zehn Jahre unseres Lebens sind wir sehr damit beschäftigt, die Basics des Lebens kennen zulernen. Wir schlagen die Augen auf, werden herumgereicht, lernen laufen und sprechen. Wir sind angewiesen auf die Menschen um uns herum. Erst nach und nach wagen wir uns immer ein Stückchen mehr in unser eigenes Leben, das wir etwa ab dem zehnten Lebensjahr anpacken – erst vorsichtig, dann mit voller Wucht im Teenageralter. Dann kommen die Zwanziger. Herrlich! Von nun an liegt alles in unserer Hand – so denken wir. Wir haben mittlerweile schon einiges erlebt, ziehen von Zuhause aus, versuchen uns selbst durchzuschlagen, studieren, arbeiten, lieben uns, trennen uns, verreisen mit Rucksack oder ohne, brechen mit unseren Eltern, vertragen uns wieder… Ein ewiges auf und ab, das so essentiell wichtig ist für unseren weiteren Weg. Die Zwanziger sind sozusagen das Warm Up für das was kommt. Meine Zwanziger haben mich sehr geprägt – rückblickend sage ich, dass sie die bisher wichtigsten Jahre meines Lebens waren. So wundersam magisch. Sie haben mich auf den Pfad gebracht, auf dem ich nun wandle.

Als ich 20 wurde, lebte ich schon vier Jahre mit meinem damaligen Freund zusammen. Ich zog sehr früh von Zuhause aus. Mir wurde es zu eng, ich brauchte und brauche viel Freiheit und Luft zum Atmen. Nach sechs Jahren Beziehung, ich war 22, verließ ich meinen Freund und mit ihm meine Heimat. Ich wollte raus in die große weite Welt, ließ mein Dorf, meine Familie, meine Freunde zurück und zog in die Stadt: Berlin! Ich schälte mich aus meinem alten Leben, wie eine Raupe aus ihrem Kokon. Daraus wurde in Berlin ein wunderschöner Schmetterling. Ich saugte es auf, das Leben im Großstadtdschungel. Lernte, mich elegant durch die Nacht zu bewegen, im kulturellen Überfluss zu leben und – zu lieben. Als ich 26 Jahre alt war trat er in mein Leben: mein jetziger Ehemann, mein Anker, die Liebe meines Lebens.

Und dann wurde ich 30…

Die Jahre zogen vorüber – fast unmerklich – und so wurde ich irgendwann 30. Das Leben ging so rasant und unbeschwert weiter. Im selben Jahr heiratete ich die Liebe meines Lebens – es war alles soo schön, es war zu schön, um wahr zu sein! Damals dachte ich: Wenn das das Leben ist, dann möchte ich bis in alle Ewigkeit so weitermachen. Die Heirat war ein ganz hervorragender Start ins neue Jahrzehnt. Sehr vielversprechend. Wir bauten ein Haus im Grünen, verließen den Trubel der Stadt und voilá – da waren sie, die Dreißiger. Wie ein unvorhergesehenes Unwetter donnerte etwas in mein Leben. Plötzlich war alles anders. Doch was? War ich plötzlich so richtig erwachsen? War doch nicht alles so schön, wie es schien? Die Leichtigkeit, wo war sie hin? Die Gedanken kreisten um Job, Freunde, Familienplanung und immer wieder um die Frage: Was kommt noch, was das hier alles toppen kann? Die erste Krise, die beinahe zur Trennung führte. Ich war verwirrt. Gehörte das dazu? Meine Gefühle spielten verrückt und mir schwante etwas: Bisher ging alles so wunderbar leicht. Mein Leben verlief unglaublich glatt, ich hatte alles erreicht (obwohl ich mir bis dahin nie Ziele gesetzt hatte). Das Schicksal meinte es zu gut mit mir. Doch das konnte einfach nicht sein. Diese wahnsinnig schönen ersten dreißig Jahre meines Lebens hatten ihren Preis – allerdings sollte ich diesen erst viele Jahre später zahlen.

Und? Was ist nun so seltsam an diesem Jahrzehnt?

Meine liebe Bella, nun stehst Du vor den Toren dieses zauberschönen, seltsamen Jahrzehnts. Was nicht heißt, dass es auch für Dich seltsam sein muss. Bei mir fühlte und fühlt es sich jedenfalls noch immer so an. Erst in meinen Dreißigern habe ich den richtigen Weg gefunden, nach dem ich lange gesucht habe und auf dem ich noch lange gehen werde. Dafür wanderte ich durch viel Gestrüpp, beschritt viele kleine Pfade, von denen einige in die komplett falsche Richtung führten. Ich kann eigentlich gar nicht sooo genau sagen, warum sich das alles so seltsam anfühlt. Noch immer frage ich mich oft: Wer bin ich? Wo komm ich her? Wo soll es hingehen? Komme ich an oder werde ich ewig suchend sein? Noch habe ich keine Antworten, aber meinen Frieden damit geschlossen. Vielleicht ist die Antwort, dass es keine Antworten gibt? Wäre das schlimm? Ich weiß es nicht. Eines weiß ich aber ganz genau: Ich bin gelassener geworden, vertraue mir selbst, bin wohlwollender und nicht mehr ganz so egoistisch. Ich bin aber auch nachdenklicher, manchmal melancholisch. Und trotzdem spüre ich die geballte Lebensfreude, die Kraft und Energie, die mich immer weiter antreiben. Mittlerweile fühle ich mich wieder so richtig wohl. Vielleicht habe ich viele Dinge neu geordnet, sortiert.

Du hast schon sehr viel erreicht und ich denke, dass auch Du von Deinen Zwanzigern geprägt wurdest. Vielleicht waren sie nicht das Warm Up für das, was noch kommt. Aber sicher waren auch sie ein Kompass und haben Dich zu dem gemacht haben, was Du heute bist? Auch wenn Sie natürlich ganz anders verlaufen sind. Schau nur mal auf Deine zauberhafte kleine Familie: DAS alles hast Du in Deinen Zwanzigern erlebt, erreicht, aufgebaut, gelebt, geliebt, genossen. Kann es noch besser werden? Tolle Jahre liegen vor Dir. Nimm sie an, jede Sekunde, mit jeder Erfahrung – wohlwollend. Sie sind wirklich schön und Du kannst nur daran wachsen. Ich wünsche Dir viel Sonne auf DEINEM Weg. Wolken und Regen wird es immer geben, aber dafür hast Du einen Schirm: Deine Familie, Deine Freunde. Sie werden Dich begleiten durch ein weiteres schönes Jahrzehnt. Und ich werde dabei sein.

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