FRAUsein Mamasein

Schlechtes Gewissen im Gepäck? Urlaub für Mama

Vergangene Woche hatte ich Urlaub. Mit Urlaub meinte ich nicht: stundenlang packen und mindestens 10 Kilo Übergepäck. Ich meine damit, einen halben Handgepäckskoffer, 10 Minuten effektive Packzeit und das alles nur für mich. Denn ich war allein unterwegs und das nicht beruflich. Ich war eine Freundin in Paris besuchen und habe meinen Mann und miniberlin für drei Tage und zwei Nächte allein gelassen. Da ich ja vor kurzem schrieb, dass ich daheim die Nummer 1 bin und herrberlin die Nummer 2, möchte ich hier gleich vorwegnehmen: ich hatte keinerlei Sorge, dass Mann und Kind nicht miteinander klar kämen. Sie kamen super miteinander aus und seitdem ist ihr Verhältnis auch besser als vorher. Ich bin immer noch die Nummer 1, aber es wird beim Zubettgehen mit Papa nicht mehr geweint.

Ich habe also am Morgen das Haus verlassen und habe ein fröhlich winkendes Kind verlassen. Mit Luftküssen und breitem Grinsen wurde ich verabschiedet und was soll ich sagen: mir wurde das Herz schwer. Ich kann nicht einmal sagen, warum. Denn rational wusste ich, alles ist gut. Papa ist da, Kind ist wohl auf, KiTa ist toll. Trotzdem hatte ich ein Tränchen im Knopfloch und ’nen Steinchen auf dem Herzen.

Ich war schon des Öfteren weg, auch über Nacht. Es war diesmal nicht anders, denn ich kann sagen: jedes Mal wird mir mein Herz etwas schwer. Und ich kann nicht einmal sagen, warum. Vielleicht liegt es an Reaktionen in meinem Umfeld? Eine Bekannte fragte mich ungläubig, ob „sowas“ denn einfach geht, wegfahren der Mama. Freunde von uns leben uns das Modell „Mit Kind ist das eigene Leben vorbei“ vor. Und auch mein Mann fragt mich einen Abend vor Abreise jedes Mal, was ich mir dabei gedacht habe. Nicht, weil er an sich und miniberlin zweifelt oder Sorgen hat. Er sieht mich als Häufchen Elend neben dem Koffer sitzen und zweifelt an mir und meinem Willen. Jedes Mal fragt er mich: Bella was hast du dir nur dabei gedacht? Und immer sage ich ihm: Ich weiß es nicht. Denn das tue ich wirklich nicht.  Meine Oma hätte wohl gesagt, da waren die Augen wieder größer als der Mund. Kann sein.

Kaum ist die Wohnungstür zu und ich und mein Köfferchen poltern Richtung Bahn, höre ich hinter mir, wie die Steine aus meinem Herzen langsam runterklackern. Nach ca. 100 Metern ist mein Innerstes wieder auf Normalgewicht und ich habe kein Übergepäck mehr dabei. Trotzdem geht der Blick in diesen Tagen oft aufs Handy. Vielleicht auch etwas mehr als sonst. Das finde ich auch nicht verwerflich. Meine Freundin hat mir, wenn auch mit einem Lachen, weiß machen wollen, dass ich besorgter wäre als bei einer Dienstreise. Das ist nicht so. Wenn, dann bin ich immer besorgt. Und wenn nicht, dann wäre ich nicht ich. Fakt ist, dass ich mit größerer Entfernung von zu Hause, immer weniger negative Gedanken hatte und je näher der Flieger Richtung Paris kam, desto mehr freute ich mich auf MEINE Tage. Warum auch nicht? Was ist verwerflich daran, einfach mal nicht Mama im Einsatz zu sein, sondern Freundin, shoppingsüchtig und entspannt?

Ich habe die Tage genossen. Dieses typische Paris, diese französischen Momente und die Momente, an denen niemand an mir herumhing, auf meinen Arm wollte oder mir Essen und Schnodder wohin schmierte. Ich hatte den ganzen Tag eine weiße Bluse an, die weiß blieb, hatte ein Croissant nur für mich und eine kleine Handtasche ohne Feuchttücher und Gedöns.

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Ich war einfach mal „nur ich“. Das hört sich vielleicht seltsam an, aber so war es. Ich bin sonst nicht weniger ich, wenn ich mit miniberlin zusammen bin, aber ich bin dann auch noch für sie verantwortlich. In Paris musste durfte ich mich nur um mich kümmern. Das tat gut und lud meinen Akku auf. Der war nicht großartig leer, aber etwas mehr Energie schadet ja nicht, oder? Die meiste Energie habe ich übrigens aus den Momenten gezogen, in denen ich mit dem Flieger landete…in Berlin und in denen ich voller Vorfreude auf den Kindergarten zu ging um mein Kind  abzuholen, was vor Freude kaum laufen konnte, sondern hüpfen wollte. Was nicht klappte, weswegen ich auf sie zu bin, um sie dann endlich wieder in die Arme zu nehmen.

Liebe Grüße
eure Bella

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2 Comments

  • Reply
    Sven
    18. Juni 2015 at 10:31

    Das klingt sehr gut. Im trubeligen Alltag vergisst man sich oftmals viel zu schnell selbst. Und ich bin mir sicher, dass den Daheimgebliebenen auch viel Schönes einfiel 😉

  • Reply
    Bettie
    18. Juni 2015 at 12:28

    Du machst das super, es gibt sicher für jeden den richtigen Momente für Ausflüge dieser Art. Ich bin noch nicht so weit, ziehe aber meinen Hut. 🙂

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