Familie Mamasein

Ups, vergessen: Von einer Kind bedingten Demenz zur nächsten

Ich habe ein Elefantengedächtnis. herrberlin kann sich drauf verlassen: ich erinnere mich an alles und das sehr lang. Manchmal ist es ihm nützlich, oft fällt es ihm auf die Füße. Aktuell höre ich aber immer wieder die Frage: „Bella, was’n mit deinem Kopf los?“ Denn ja, ich hab mal wieder was verbaselt. In der Schwangerschaft habe ich gemerkt, dass mein Megaspeicher kleine Lücken hat. Immer wieder habe ich was vergessen oder durcheinander gebracht. „Schwangerschaftsdemenz“ haben dann alle zu mir gesagt, alle Mütter um mich nickten wissend. Irgendwie war ich beruhigt. Kaum war miniberlin da, kam die nächste Demenz auf mich zu. Stilldemenz sagten sofort alle, wenn ich vergaß, den Kaffee einzuschalten oder die Waschmaschine zu leeren.

Und nu? Ich bin weder schwanger, noch stille ich. Also: Was’n mit meinem Kopf los?

Ich habe meinen Kopf mal kurz angestrengt und mir überlegt: was muss man nicht alles am Tag bedenken? Einkaufslisten, Aufgaben im Büro, Haushalt, Kindergarten, Kinderwünsche und dann möchte man die Kleine auch noch beim Sprechen lernen unterstützen. Vieles davon passiert gleichzeitig oder zumindest beinahe parallel. Da decke ich gerad den Tisch und sehe im Augenwinkel nur, wie miniberlin allein auf dem Sofa rumbalanciert. Sie kommt zwar hoch, aber aktuell nur mit Hilfe oder eben im tiefen Fall runter. Und schon war ich abgelenkt. Habe ich nun schon Salz auf dem Tisch? Es fällt mir erst beim Essen auf. Vergessen. Ich schreibe gerad eine Mail an den Chef und nebenbei probiert sich miniberlin in „Wau wau“. Meine euphorische Unterstützung führt dazu, dass ich eigentlich vergessen habe, was ich meinem Chef schreiben wollte. Vielleicht schließe ich eine Mail auch mal mit „Wau Wau“? Fakt ist, es ist einfach viel mehr, was ich im Kopf habe, seitdem ich Mama bin. Der Druck  ist höher, denn als arbeitende Mama will ich nicht anders behandelt werden, als vorher. Mein Kopf leistet einfach mehr.

Puh, da bin ich ja etwas beruhigt. Und was machen wir nun mit der Info? Ein Glück hatte ich die vergangenen beiden Demenzen Zeit genug, mich drauf einzustellen.

Was mir alles gegen die „Sie haben ein Kleinkind“-Demenz hilft?

1. Organisation ist alles

Ich habe viel von meiner Mama gelernt. Ein Satz, der mir besonders in vergesslichen Situationen in den Kopf kommt: „Hast’u Kopf wie Sieb, musst du aufschreiben.“ Seitdem ich alles vergesse, schreibe ich also wieder. Viel. Nur mittlerweile habe ich kein Notizbuch mehr, ich habe mein Handy. Dort organisiere ich mich komplett und das Beste ist, dass ich herrnberlins vergesslichen Kopf damit auch etwas unterstütze. Denn wir arbeiten mit Apps. Wir haben eine gemeinsame Einkaufsliste, Urlaubsliste, Geschenkeliste, Weinliste, Ikea-Liste usw usw. Ja, unsere Welt scheint aus Listen zu bestehen. Doch alles, was ich aufschreibe, muss ich mir nicht merken. Ich muss nur wissen, wo ich es hingeschrieben habe. Aber das ist eine andere Sache. Neben unserer gemeinsamen Liebe für Listen teilen wir uns einen Kalender und ein Notizbuch über miniberlin. In dem stehen Dinge wie KiTa-Öffnungszeiten, Infos zu Ärzten, Medikamenten usw. Eben alles, was man so braucht, aber an der Küchenpinnwand nichts bringt, wenn man mitten in der Stadt steht.

2. Einfach mal durchatmen

Buddha, Meditieren, Bambus

Ich habe ja nun gelernt, dass das Leben mit kleinem Kind trubliger ist und damit auch unübersichtlicher. Deswegen nutze ich nun bestimmte Momente mehr, um einfach mal runter zu kommen. Ich finde es mittlerweile nicht mehr schlimm, dass ich in der U-Bahn kaum Internet empfange. Ich nutze die Zeit, um einfach mal nichts zu tun, Leute zu beobachten und meine Gedanken zu ordnen. miniberlin spielt gedankenversunken im Sandkasten? Eine gute Gelegenheit für mich, einfach mal den Blick schweifen zu lassen und nichts zu tun und damit auch weniger zu denken. Vielleicht noch ein Käffchen dazu und schon wird mein Kopf ruhiger und ich entspannter. Danach habe ich gleich mehr Platz im Kopf.

3. Vitamine und viel Wasser

Ich merke sofort, wenn ich zu wenig getrunken habe. Im Kopf. Fehlt mir Flüssigkeit, bin ich unkonzentriert und fühle mich, als hätte ich Wolken im Kopf. Also: täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser trinken. Doch nicht nur das. An langen Wochenenden wie jetzt, wo wir dann auch noch viel mit der Familie unterwegs sind, kommt gesunde Ernährung oft zu kurz. Wenig frisches, viel fettes Essen oder Süßes. Auch das merke ich recht schnell. Der Stoffwechsel im Gehirn braucht Vitamine, etwas Fett, genügend Eiweiß und komplexe Kohlenhydrate. So ein Müsli mit Früchten und Joghurt oder Milch hat von allem etwas und schmeckt so gut. Wenn die Zeit dafür nicht reicht: eine Banane und Nüsse liefern schnelle Energie für die grauen Zellen.

4. Atmen

Wie, macht ihr doch pausenlos und automatisch? Ja, schon. Aber atmet ihr auch bewusst? Ich merke es immer, wenn mir eine Situation zu viel wird, nehme ich mich kurz zurück und atme tief durch. Bewusst. Wenn es richtig viel wird und ich merke, dass mich meine grauen Zellen bald verlassen, hilft mir eine Übung aus dem Yoga, die ich damals auf Bali kennen lernte. Mittlerweile ist die Bestandteil jeder Yogastunde in Studios. Legt euren Daumen auf das eine, den Ringfinger auf das andere Nasenloch. Zeige- und Mittelfinger dazwischen ruhen auf dem Nasenrücken. Nun atmet ihr mehrmals tief ein und aus. Bereit? Dann atmet auf 10 mit dem einen Nasenloch ein, der Ringfinger verschließt das andere. Zum Ausatmen wechselt ihr das Nasenloch. Sprich, der Daumen verschließt das andere Nasenloch und ihr atmet auf 10 durch das eben noch verschlossene aus. Diese Übung wiederholt ihr 10mal. Durch den wechselnden Sauerstoffzu- und abfluss steigert ihr eure Konzentrationsfähigkeit und atmet Lebensenergie ein.

5. Macht mal was ohne Kind

Lenkt euren Kopf ab- von eurem Kind und dem damit verbundenen Trubel. Erlaubt euch Momente, in denen ihr nicht schauen müsst, wo das Kleinkind gerad rum klettert und wie ihr schnell die Kekse verstecken könnt. Gönnt euch eine Tasse Kaffee mit einer Freundin oder ein Abendessen mit eurem Liebsten. Geht zum Sport (durch den zusätzlichen Sauerstoff und die ausgeschütteten Endorphine doppelt bis dreifach gut fürs Köpfchen) oder Bummeln. Einmal abgelenkt von der neuen Hauptaufgabe eures Kopfes, hat er danach einfach wieder Platz und Kraft fürs Wesentliche: eure Familie.

Was hilft euch gegen das mütterliche Vergessen? Wird sowas eigentlich besser, wenn die Kinder älter werden?

Liebe Grüße
eure Bella

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1 Comment

  • Reply
    Bettie
    10. April 2015 at 20:27

    Ich fand dieses Vergessen einiger Dinge ganz praktisch, so konnte ich einige Bücher neu lesen. 🙂

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