Baby Vereinbarkeit

#eingewöhnung3: „Können Sie die Eingewöhnung eine Woche verlängern?“

Wenn die Erzieherin mich zu Beginn der dritten Woche fragt, ob wir es so organisieren können, dass jemand miniberlin nach den vier Wochen Eingewöhnung noch gegen Mittag abholen kann, läuft es nicht so gut, oder? Anscheinend wünschte sich mein Baby zu Beginn der Woche noch, endlich ihre langersehnte Kündigung schreiben zu dürfen, denn das schien sie mir immer hinterher zu brüllen, wenn ich sie „allein“ ließ: ICH WILL HIER NICHT SEIN. Doch witzigerweise stellte es sich schon ab Dienstag ein, dass sie sehr schnell verstummte, wenn ich außer Reichweite war. Dann hörte ich nicht mehr ihr charakteristisches Weinen, sondern nur spielende Kinder.

Spielen, Bällebad, Kinder, Babyhand,Ball

OK, das waren bei weitem nicht viele, denn anscheinend sind gerad gefühlt 80 Prozent der Kinder krank, und wir waren mit dabei. „Glücklicherweise“ am Wochenende, aber da so richtig mit Fieber, jammerndem Baby und Hust und Rotz. Laut Überlieferungen werden diese Kumpanen uns wohl nun eine Weile begleiten. Schade, aber dann ist das halt so. Denn ich werde NIE mehr schreiben, dass wir ein bestimmtes Phänomen der Eingewöhnung noch nicht kennen, denn schwups, auf einmal ist es da. So wie diese schlechten Nächte, mit denen man sich auf einmal wieder rumschlagen muss. Denn ja, die sind wieder da, und das nicht zu knapp. Seit einer Woche schlafe ich gefühlt nur zwei Stunden am Stück oder bei einer schlecht träumenden miniberlin. Denn mein armer Fussel träumt schlecht. Anscheindend verarbeitet sie die Trennung auf ihre Weise und möchte mich daran teilhaben lassen. Vielleicht möchte sie mich so auch erpressen: Lässt du mich zu Hause, lasse ich dich schlafen. Vielleicht. Aber soooo schlimm kann dieser Garten für Kinder gar nicht mehr sein. Denn seit Mittwoch ist sie fast gern da. Donnerstag und Freitag hat sie mich sogar lachend begrüßt und ihren Erzieherinnen fröhlich zugewunken. Fazit der Expertinnen: dit läuft. Sie weint zwar ab und an oder meckert (macht sie zu Hause auch, check), aber sie lacht auch viel (check), spielt allein und singt und tanzt (double check). Demnach  schaffen es vielleicht doch in 4 Wochen und sind wir auf einem guten Weg.

rosenrot, Pankow, Auszeit,

So gut sogar, dass ich mich traute, Donnerstag und Freitag die KiTa zu verlassen, weil ich nicht das Gefühl hatte, im „Notfall“ einschreiten zu müssen. Ich bin zum Kiosk, habe mir ein Magazin geholt (eines ohne Kinder-Mama-Erziehungs-Inhalt) und habe mich in ein Café gesetzt. Ein Café für Erwachsene, ohne Spielecke und ohne Wickeltisch. Eines, wo ich für eine Stunde einfach mal durchatmen konnte. Anfangs fühlte es sich komisch an, mein Baby in Fremdbetreuung, ich ohne Wagen, Manduca und Wickeltasche in freier Wildbahn. Doch nach einigen Minuten und ruhigen Atemzügen war es toll. Ich habe mich zurückgelehnt, die Menschen auf der Straße beobachtet, von denen viele ihre Kinder dabei hatten, und meine Schokolade genossen. Und ich konnte Kraft tanken. Denn eines ist auch so, wie mir viele schon prophezeiten: In der Eingewöhnung sind Kinder sehr sehr anstrengend anhänglich. miniberlin möchte nur bei mir sein, kein Meter darf uns trennen, sie möchte alles, was ich habe, alles was ich mache. Am liebsten würde sie 24 Stunden bei mir sein. Das schlaucht. Und so tat es gut, einmal durchzuatmen und mal kurz keine Mama im Einsatz zu sein. Denn so war ich danach viel gelassener. Diese Gelassenheit tat nicht nur mir gut. Seit Donnerstag ist miniberlin auch wieder entspannter. Wahrscheinlich haben wir uns da gegenseitig angesteckt, so wie vorher mit den neuen Mitbewohnern Rotz und Husten. Manchmal sind die Überlieferungen und Ratschläge der anderen also doch gut und richtig. Alle scheinen sie nicht zu kennen. In miniberlins Gruppe wird gerad ein zweites Kind eingewöhnt. Der Papa berichtet mir jeden Morgen, wie toll seine Tochter das doch macht, das ist so einfach. Und ich ertappe mich dabei, wie ich denke: na wart mal ab. Denn so habe ich in der ersten Woche auch gedacht, das Ding haben wir bis Anfang Februar geschaukelt. Naja, dem war nicht so. Aber vielleicht ist es ja bei ihr so. Ich wünsche es dem Baby…und vor allem den Eltern. Denn irgendwie macht man sich doch Gedanken, ob es so das Richtige für alle ist.

Habt einen tollen Sonntag und vor allem einen entspannten Wochenstart
eure Bella

Hier geht es weiter zu Woche 4 und 5, denn ja, sie dauerte länger.

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2 Comments

  • Reply
    NathalieK
    13. Februar 2015 at 19:35

    Ich mache auch grad die Eingewöhung mit meinem Klein en. Und obwohl es das zweite Kind ist und mein Großer auch schon bei den beiden Tagesmüttern war, fällt es wieder genauso schwer. Er hat jetzt die zweite Woche um und bleibt ab Montag 2,5 Stunden jeden Tag, die Woche drauf dann drei. Ich werde ihn in den ersten zwei Monaten immer nach dem Mittagessen abholen, so dass er zuhause schläft. Ich bin Freiberuflerin und kann meine Arbeit ein Glück einteilen und schreiben, wenn er Mittagsschlaf hält. Ich weißja, dass er gut aufgehoben ist und sich gut trösten lässt – aber ihn weinend dort zu lassen, ist nicht leicht! Und es ist total merkwürdig ohne ihn und den Kinderwagen nach Hause zurückzugehen… er fehlt mir sehr!

  • Reply
    Lahmgelegt: wenn Erzieher streiken | familieberlin
    10. März 2015 at 12:14

    […] Ich habe vom ersten Moment in der KiTa gemerkt, dass die Erzieherinnen einen tollen Job machen. In der Eingewöhnung hat man als Elternteil die Möglichkeit, Kinder und Erzieher in Aktion und vor allem Interaktion zu sehen. Wie sie auf die Kinder eingehen, Streit schlichten, spielen, singen und auch erziehen. Die Kinder sind happy. Miniberlin liebt ihren Kindergarten, sie strahlt morgens alle an und verbringt dort gern ihren Tag. Mal abgesehen davon, dass ich dann als berufstätige Mama ein besseres Gefühl habe, zeigt es auch, wieviel Mühe die Erzieherinnen sich geben. Denn miniberlin hasste die Anfänge. […]

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